Flüchtlinge in Greven
Wo sind die Kinder geblieben?

Greven -

37 der insgesamt 83 Asylsuchenden, die in diesem Jahr nach Greven gekommen sind, sind Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren. Kinder, und Jugendliche, die zur Schule gehen müssten. Eigentlich. Ob sie das auch tun und wenn ja, an welchen Schulen in Greven, kann niemand beantworten.

Mittwoch, 22.10.2014, 17:10 Uhr

Beate Tenhaken 
Beate Tenhaken  Foto: oh

Wo sind die Kinder, wo sind sie geblieben? Diese Frage stellt sich seit Wochen die Grevener Flüchtlingshilfe. Denn die Bürger, die sich in diesem Kreis zusammen gefunden haben, wollen gerne als Lernpaten und Elternlotsen die Neuankömmlinge unterstützen. Dafür brauchen sie Kontakte. Aber bei der Stadt konnte man bisher nicht weiterhelfen. „Wir wissen nicht, wo die Kinder zur Schule gehen“, räumt Beate Tenhaken , Fachbereichsleiterin Soziales, Jugend, Bildung, ein. „Einen entsprechenden Datenabgleich mit den Schulen gab es nicht.“ Sie vermutet, dass die Schulen sich untereinander absprechen, wie sie bei der Aufnahme der Flüchtlinge verfahren. Aber dem ist wohl nicht so. Marion Birgoleit, Leiterin der Martin-Luther-Schule: „Das war noch nie auf der Tagesordnung.“

Eines jedenfalls steht mittlerweile fest: 37 der insgesamt 83 Asylsuchenden , die in diesem Jahr nach Greven gekommen sind, sind Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren. „Eine ganze Menge“, wie Beate Tenhaken einräumt. Allerdings sei es nicht die erste Pflicht der Stadt, sich um die Einschulung zu kümmern. „Die Eltern müssen schon aktiv fragen“, sagt Tenhaken. Auf Initiative der Flüchtlingshilfe habe man nun allerdings eine Liste zusammengestellt mit den Namen der Kinder und Jugendlichen im Schulalter. „Die haben wir vor den Herbstferien an alle Schulen geschickt mit der Bitte, uns mitzuteilen, ob diese Schüler angekommen sind.“ Jetzt warte man auf die Ergebnisse.

In der Praxis sieht es offenbar so aus, dass die Schulen ziemlich auf sich gestellt sind, wenn plötzlich Schüler ohne Deutschkenntnisse – oft verstört durch schreckliche Fluchterlebnisse – bei ihnen auftauchen. „Erst heute hatte ich zwei Kinder, die von der Schulärztin untersucht werden sollten“, berichtet etwa Anne Sprakel , Leiterin der Josefsschule. Weil in solchen Fällen die Eltern dabei sein müssen, hat sie sie persönlich abgeholt – das entsprechende Anschreiben vom Schulamt des Kreises war offenbar nicht verstanden worden. Bisher haben die Schulen in Eigenregie dafür gesorgt, dass die Flüchtlingskinder Deutsch lernen. „Zum Glück geht das in diesem Alter schnell“, sagt Sprakel. Aber sie hofft, dass es bald, wie von der Landesregierung gefordert, systematischen Sprachunterricht für die Flüchtlingskinder gibt (siehe Info-Kasten). „Sonst wird es schwierig, alles aufzufangen.“ Marion Birgoleit ist allerdings skeptisch, ob der versprochene Sprachunterricht für jedes Kind je realisiert wird. „In den Erlassen stehen immer so tolle Zahlen . . .“. Sie wäre schon froh, wenn sich Stadt und die verschiedenen Schulbehörden beim Kreis und der Bezirksregierung nicht immer gegenseitig die Verantwortung zuschöben, sondern einfach handelten. „Es sind zu viele Institutionen beteiligt. Das führt dazu, dass sich letztendlich keiner zuständig fühlt.“

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