Bieterverfahren
Käufer für Luhns gesucht

Reckenfeld -

Die Hansa Group mit ihren Standorten in Reckenfeld (Luhns) und Ibbenbüren (Wibarco) steht vor dem Verkauf. Derzeit läuft ein Bieterverfahren mit dem Ziel, für die Firmengruppe mit allen Standorten einen neuen Besitzer zu finden. Es gibt bereits Kaufinteressenten.

Donnerstag, 30.10.2014, 06:10 Uhr

Die Produktion der Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel in Reckenfeld läuft weiter. Dies soll auch so bleiben. Derzeit wird ein Investor gesucht, der den Gesamtkonzern übernimmt.
Die Produktion der Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel in Reckenfeld läuft weiter. Dies soll auch so bleiben. Derzeit wird ein Investor gesucht, der den Gesamtkonzern übernimmt. Foto: Oliver Hengst

Die Hansa Group mit ihren Standorten in Reckenfeld (Luhns) und Ibbenbüren (Wibarco) steht vor dem Verkauf. Derzeit läuft ein Bieterverfahren mit dem Ziel, für die Firmengruppe mit allen Standorten einen neuen Besitzer zu finden. Das bestätigte auf WN-Anfrage Thomas Schulz , Sprecher der Kanzlei „dnp Depping“. Der Essener Jurist Bernd Depping leitet derzeit die Geschäfte der Hansa Group. Dass man auf Käufersuche sei, ist laut Schulz „keine Überraschung“.

Im Zuge des so genannten Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung arbeite man an der Verbesserung von Prozessen und Strukturen. „Personalmaßnahmen gab es im Zuge der Insolvenz nicht. Das ist ja keine Selbstverständlichkeit.“ Das nun angelaufene Bieterverfahren soll möglichst bis zum Ende diesen Jahres abgeschlossen sein, sagte Schulz. Erklärtes Ziel sei es, die Gesamtgruppe zu veräußern. Zu einer von den Gewerkschaften befürchteten Zerschlagung dürfte es demnach nicht kommen. Über die weitere Zukunft der Arbeitsplätze könne man nichts sagen, dies liege allein in der Zuständigkeit eines Investoren, der den Konzern übernimmt. Man dürfte aber, so Schulz, davon ausgehen, dass es im Falle eines dringenden Bedarfs längst zum Abbau von Arbeitsplätzen gekommen wäre. Dass dies nicht der Fall ist, darf die Mitarbeiter hoffen lassen, dass ihre jeweiligen Jobs auch im Falle eines Verkaufs nicht akut bedroht sind.

Das nun laufende Bieterverfahren hat bereits erste Reaktionen ausgelöst. „Es haben sich schon einige gemeldet, die interessiert sind“, sagte Schulz den WN. Unter den möglichen Bietern sollen auch einige aus der Chemie-Branche sein.

Für die Hansa Group (Konzernsitz in Duisburg) sind aktuell rund 500 Mitarbeiter tätig, darunter circa 110 für Luhns und 85 für Wibarco. Das Unternehmen hatte im Juli einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, dem das zuständige Amtsgericht Duisburg am 1. Oktober stattgegeben hat. In der Zwischenzeit war der Geschäftsbetrieb (fast) normal weitergelaufen. Die Mitarbeiter bekamen drei Monate lang Insolvenzgeld, seitdem muss das Unternehmen wieder selbst für die Löhne geradestehen.

Die Insolvenz der Hansa Group war Folge eines gescheiterten Finanzierungspaktes, das der Gruppe eigentlich wieder mehr Luft verschaffen sollte. Wie das „Finance Magazin“ berichtete, sollen Nettofinanzschulden in Höhe von rund 110 Millionen Euro auf dem Unternehmen lasten.

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet nun, dass die Gläubiger – sprich: die Banken – versuchen, durch den Verkauf ihren drohenden finanziellen Schaden zu begrenzen. Einer von mehreren Gründen für die Schieflage des Konzerns ist nach Erkenntnissen des Ruhrgebietsblatts, dass sich die Hansa Group möglicherweise mit Zukäufen und Investitionen übernommen hat. Die WAZ nennt in diesem Zusammenhang auch den Kauf der Luhns GmbH in Reckenfeld, die seit 2010 zur Hansa Group gehört.

Die börsennotierte Hansa Group ist nach eigenen Angaben „ein führender und integrierter Anbieter von Care Chemicals für Wäsche, Reinigung und Körperpflege in Europa“. In Reckenfeld stellt Luhns Wasch-, Putz-, Reinigungsmittel und Kosmetika her, die an Discounter und große Handelsketten geliefert werden.

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