Flüchtlings-Debatte
Häme und Hetze im Netz

Reckenfeld -

40 Flüchtlinge in der alten Hauptschule – einige Reckenfelder sind strikt dagegen. So sehr, dass sie sich im Internet zu beleidigenden, hämischen und teils rassistischen Äußerungen hinreißen ließen. Darauf wurde auch der Polizeiliche Staatsschutz aufmerksam.

Montag, 10.11.2014, 15:11 Uhr

40 Flüchtlinge sollen im Neubauteil der früheren Hauptschule in Reckenfeld untergebracht werden. Das hat im Ort intensive Debatten ausgelöst.
40 Flüchtlinge sollen im Neubauteil der früheren Hauptschule in Reckenfeld untergebracht werden. Das hat im Ort intensive Debatten ausgelöst. Foto: oh

Die Ankündigung, den Neubauteil der alten Hauptschule in Reckenfeld für die Unterbringung von bis zu 40 Flüchtlingen herzurichten, hat in Reckenfeld Diskussionen ausgelöst. Vor allem in der Facebook-Gruppe „Wir sind Reckenfeld“ haben Internetnutzer ihrem Ärger Luft gemacht. Einige sind dabei deutlich übers Ziel hinaus geschossen, wie Screenshots zeigen, die der Redaktion vorliegen. Die zum Teil rassistischen Kommentare blieben nicht ohne Folgen: Der Polizeiliche Staatsschutz wurde auf die Vorgänge aufmerksam und las in den vergangen Tagen mit.

Dessen waren sich einige Reckenfelder offenbar nicht bewusst. Sie hetzten in dem Forum offen gegen Ausländer. Unter anderem wurde ein Bild eingestellt, das ein überfülltes Flüchtlingsboot zeigt. Darunter der Satz: „Wo ist der weiße Hai, wenn man ihn braucht?!“ Eins ergab das andere: Die ausufernde Diskussion gipfelte in dem Ausspruch eines Mitdiskutieren, der empfahl: „Türen zu und Feuer legen.“

Die Eskalation hat den beiden Gruppenadministratoren viel Arbeit beschert, wie Erwin Reichhardt bestätigt. „Drei bis vier Leute haben wir aus der Gruppe rausgenommen.“ An alle anderen sei die eindeutige Aufforderung gerichtet worden, fremdenfeindliche Kommentare zu unterlassen. Ansonsten werde gelöscht und notfalls eben auch rausgeworfen. „Das muss euch auch klar sein, dass sowas hier in der Gruppe nicht geht“, schrieb Administratorin Nicole Rose.

Dass die fraglichen Kommentare inzwischen entfernt wurden, bringt den „Admins“ nun den Vorwurf der Zensur ein. „Da bin ich ganz gelassen“, sagt Reichhardt. Der Paragraf eins des Grundgesetztes laute: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das von einigen reklamierte Recht auf freie Meinungsäußerung dürfe man nicht über diesen Schutz der Menschenwürde stellen, argumentiert Reichhardt.

Die radikalen Kommentare seien ihm „sehr unter die Haut gegangen“, räumt Reichhardt ein. Dass sich einige Reckenfelder – noch dazu mit ihrem Klarnamen – zu derartigen Äußerungen verleiten ließen, habe ihn überrascht. Manche User haben ihre Beiträge nachträglich selbst wieder gelöscht. „Seit Samstagabend ist wieder etwas Ruhe eingekehrt“, sagt Reichhardt.

Natürlich werde die Diskussion deshalb nicht verstummen. Das sei auch nicht das Ziel. Aber jeder müsse, wenn er sich in die Debatte einbringen wolle, Regeln beachten, die für die Facebook-Gruppe gelten. Die lauten unter anderem: „Kein Rassismus, keine Beleidigungen, niemand soll wegen seiner Religion, ethnischen Herkunft oder Hautfarbe diffamiert werden.“ Regeln, die jedes der rund 1300 Mitglieder mit seinem Beitritt zur Gruppe akzeptiert hat.

Derweil formiert sich auch erste Hilfe für die Flüchtlinge. Auf Einladung von Ernst Reiling trafen sich am Sonntag zehn Menschen, um über Möglichkeiten der Unterstützung zu sprechen. „Da bahnt sich eine positive Entwicklung an“, sagt Reiling. Einig sei man sich aber auch, dass man sehr viel mehr Informationen darüber brauche, welche Flüchtlinge in Reckenfeld untergebracht werden sollen.

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