Müll in Greven: Eine WN-Serie
Wenn das Madenparadies zu „Gold“ wird

Greven -

2150 Tonnen Biomüll produziert Greven jedes Jahr. Daraus wird in Saerbeck im Kompostwerk des Kreises 17 000 Tonnen Kompost gemacht. Dabei entstehen so ganz nebenbei Biogas und Abwärme.

Mittwoch, 12.11.2014, 18:11 Uhr

Alles Bio – ja klar. Aber irgendwie kommen sich bei dem Begriff Bio zwei Themenwelten ins Gehege, die nur entfernt miteinander zu tun haben. Denn der Biomüll hat mit Biolebensmitteln nur dann etwas zu tun, wenn deren Reste in eben dieser Tonne landen.

Die Biotonne in Greven war so zu sagen ein Vorreiter – zumindest der Deckel, der seit 1996 auf den Tonnen angebracht ist. Der ist mit einem speziellen Filter ausgestattet und somit ein Deckel mit ,,Gute-Luft-Garantie“. Und das war damals, in dieser Form, bundesweit einzigartig.

Sinnvoll ist der Deckel auf jeden Fall. Denn in der Biotonne kann es schon so manches Mal so richtig heftig stinken – besonders im Sommer, wenn es schön kuschelig warm ist und der Inhalt der Tonne vor sich hin gammelt. Dann ist die Tonne natürlich auch ein Paradies für Maden. Beides wird, oder soll, mit Hilfe des Deckels verhindert werden.

Gedacht ist die Biotonne für Garten- und Grünabfälle, Küchenabfälle und sonstige kompostierbare Abfälle . Womit schon klar ist, warum nicht alle Haushalte eine Biotonne haben müssen. Denn Grundstückseigentümer oder Mieter können auf eine Biotonne verzichten, wenn sie eben diese Inhalte auf ihrem Grundstück verwerten können. Obwohl: „Die Biotonne sollte man schon nutzen, die gibt es ja fast schon zum Nulltarif“, meint Bernhard Gringel, der bei den Technischen Betrieben Greven (TBG) für den Abfall zuständig ist.

Na, ganz umsonst ist die Tonne nicht, aber sie ist schon preiswert. Selbst eine 240-Liter-Biotonne kostet gerade einmal 92 Euro im Jahr und damit 138 Euro weniger als noch im Jahr 1999. Was wohl daran liegt, dass das, was da in der Biotonne so vor sich hingammelt, gut verwertet werden kann.

Und das passiert, nachdem der Vertrag mit der Firma Remondis ausgelaufen war, die ein Kompostierungswerk in Altenberge betrieb, inzwischen in dem neuen Kompostierungswerk, das der Kreis Steinfurt – genauer gesagt die Entsorgungsgesellschaft des Kreises (Egst) – nun in Eigenregie im Bioenergiepark in Saerbeck betreibt. Dort wird der Biomüll in einem aufwendigen Verfahren zu 17 000 Tonnen Kompost verarbeitet. Dabei entstehen so ganz nebenbei Biogas und Abwärme.

Rund 2150 Tonnen Biomüll fallen in Greven pro Jahr an, im gesamten Kreis sind es 45 000 Tonnen. Pro Kopf produziert jeder Grevener 59 Kilogramm Biomüll.

Es gibt nur ein Problem: Viele nehmen es nicht so ganz genau mit dem Biomüll, werfen alles in die Tonne, was ihnen in die Hände kommt. Der Anteil der Fehlwürfe liege bei etwa zehn Prozent. „Da finden wir sogar Batterien und Farbeimer“, erklärt Beatrice Daal , Sprecherin der Egst. Das häufigste Problem seien aber Glas, das nur schwer auszusortieren sei, und die vielen Plastiktüten, in denen von den Bürgern der Biomüll gesammelt und auch in die Biotonne entsorgt wird.

Greven steht da übrigens nicht wirklich gut da. „Unsere Mitarbeiter vergeben an der Annahme Noten für den angelieferten Biomüll“, erzählt Daal, will aber die Note für die Grevener Lieferungen lieber nicht nennen. Nur so viel: „Da gibt es ein hohes Verbesserungspotential.“

Kümmern müsste sich darum die Stadt, die für das Sammeln des Biomülls zuständig ist. In anderen Städten – zum Beispiel in Lengerich – wurde schon ein Kontrolleur losgeschickt, der die Biotonnen durchwühlte und gelbe und rote Karten verteilte.

Und noch etwas Erstaunliches gibt es zu berichten: Das Kompostierungswerk, es wurde erst im Januar in Betrieb genommen – ist schon zu klein. „Wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen“, bestätigte Daal. Das hänge damit zusammen, dass die übliche Menge von 45 000 Tonnen Bioabfall in diesem Jahr erstmals überschritten wird. Die Gründe sind klar. In Hopsten wurde erstmals die Biotonne eingeführt, in Steinfurt dagegen das Wiegesystem für Abfälle abgeschafft. „Dadurch kommen natürlich größere Mengen als bisher zusammen.“

Das sei aber kein Problem. „Es gibt genügend Kompostwerke im Umkreis die die Überschüsse abnehmen“, verdeutlicht Daal.

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