Neue Kennzeichnungs-Verordnung für Lebensmittel
Bis aufs kleinste Nano-Teilchen

Greven -

Alles, was Allergien auslösen kann, muss bei Lebensmitteln deklariert werden. Was bisher nur verpackte Produkte galt, betrifft nun auch offene Ware. Lebensmittelhändler und Marktbeschicker in Greven reagieren gelassen.

Montag, 02.02.2015, 17:02 Uhr

Vor allem unverpackte Lebensmittel sind von der Neuerung betroffen. Bio-Bäcker
Vor allem unverpackte Lebensmittel sind von der Neuerung betroffen. Bio-Bäcker Foto: Jannis Beckermann

Wer kennt ihn nicht, diesen scheinbar belanglosen Satz auf den Supermarktverpackungen ? Ganz klein gedruckt, irgendwo in die Ecke des Etiketts gequetscht steht er. „Kann Spuren von Nüssen enthalten.“ Oder von Soja, Sesam, Senf – man könnte die Liste beliebig fortführen. Was all diese Stoffe vereint, ist die Gefahr, die sie für Allergiker bedeuten. Bereits ein unbedachter Happen vom falschen Produkt reicht, um Ausschlag, Niesen oder Atemnot auszulösen.

Um das zu verhindern, verpflichtete eine deutsche Lebensmittelverordnung den Handel bisher zu Verbraucherhinweisen – allerdings nur auf verpackten Produkten. Eine neue EU-weite Regelung sorgt jetzt für verschärfte, einheitliche Kennzeichnungspflichten auch für offen angebotene Ware. Betroffen sind davon Gastronomen, Bäcker, Metzger und Marktbeschicker , deren Interessenverbände unlängst über die neue „Regelungswut“ aus Brüssel klagten.

Auf dem Grevener Wochenmarkt sieht man die Sache weitaus entspannter. „Es wird gemacht, was gemacht werden muss“, sagt zum Beispiel Ingrid Bönstrup, die mit ihrem Mann vor allem Geflügelprodukte feilbietet. Die rohen Hähnchen sind dabei kein Problem. Kritischer wird es bei Marinaden und Mischprodukten. „Für die haben wir eine ganze Liste an Inhaltsstoffen, die wir rausgeben, wenn sie gewünscht wird“, erklärt Bönstrup das übliche Vorgehen auf dem Wochenmarkt. Sei es beim Geflügelbetrieb oder am Fischstand.

Auch Käsehändler Henry Schukkink hat eine solche Mappe schon länger parat. Durch die Neuregelung musste er allerdings ein paar Zusatz-Stunden am Schreibtisch verbringen. Denn: „Es muss alles bis ins Detail stimmen, wenn die Gesundheitsaufsicht vorbeischaut“, hat er einen hohen Anspruch.

Gesetzlich manifestiert dieser sich zugleich in der neuen EU-Verordnung. Sogar Nano-Partikel bestimmter Stoffe müssen demnach deklariert werden. Zur Einordnung: Ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter. Kunden, die diese Info verlangen, zählen Grevens Marktbeschicker an einer Hand ab.

Ist das den Aufwand wirklich wert? „Ja“, entgegnet Henry Schukkink mit Blick auf das steigende Qualitätsbewusstsein der Kunden. „Ich bin froh, wenn ich die Leute gut beraten kann. Da schafft diese Vorschrift einen Anstoß“, findet der umtriebige Holländer.

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Biobäcker Friedrich Brüning geht noch weiter: „Für mich ist die neue Regelung sogar Werbung.“ Glutenfreies Brot, also Brot ohne bestimmte Getreide-Eiweiße, hat er nämlich schon lange im Portfolio. Weil Gluten durch geringste Partikel übertragen wird, lagert er es vorschriftsmäßig abseits der Ladentheke. Genauso wie die Stoffliste, die in einer dicken Kladde schlummert.

Anders ist das in der Fleischabteilung des Edeka-Markts an der Schützenstraße, die ebenfalls von der Neuregelung betroffen ist. „Wir bekommen die Inhaltsstoffe direkt in der Waage angezeigt“, sagt die Fachverkäuferin. Zwei-, dreimal am Tag, so ihre Einschätzung, wollen Kunden die Infos tatsächlich haben. Stressig findet sie das Ganze nicht. Und ist damit in bester Gesellschaft unter Grevens Lebensmittelhändlern. „Cool bleiben“ lautet hier die Devise. Regelungswahn? Fehlanzeige.

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