Biogasanlage
Mikrofilter helfen Bakterien

Greven/Saerbeck -

Die Biogasanlage an der Schmedehausener Straße hat ein Problem mit verunreinigtem Abwasser. Die Lösung könnte ein spezielles Filterverfahren sein, das in Saerbeck entwickelt wurde. Derzeit wird ein Prototyp getestet.

Dienstag, 17.03.2015, 15:03 Uhr

Die Klärteiche an der Biogasanlage wurden im vergangen Jahr nach dem ersten Störfall gebaut. Im Winter reicht ihre Reinigungsleistung nicht aus. Deshalb sollen jetzt die speziellen, patentierten Filtrationsmembranen (kleines Bild) deren Arbeit übernehmen.
Die Klärteiche an der Biogasanlage wurden im vergangen Jahr nach dem ersten Störfall gebaut. Im Winter reicht ihre Reinigungsleistung nicht aus. Deshalb sollen jetzt die speziellen, patentierten Filtrationsmembranen (kleines Bild) deren Arbeit übernehmen. Foto: Thomas Starkmann

„Wir machen Abwasserreinigung für Exoten.“ Ein griffiges Geschäftsmodell, das Ulrich Brüß da anbietet. Mit seiner Firma „A3 Water Solutions“ hat der Biologe einen patentierten Typus von kompakten Kläranlagen entwickelt, der mittlerweile weltweit im Einsatz ist. Das Abwasser auf Schiffen der deutschen Marine wird damit gereinigt. Und wenn die Bundeswehr bei Auslandseinsätzen wie im afghanischen Kunduz stationiert ist, sind Containerkläranlagen von der Boschstraße 2 in Saerbeck vor Ort. Boschstraße 2, sitzt da nicht auch . . . ? Genau, die Firma Envitec Biogas firmiert ebenfalls unter dieser Adresse. Was kein Zufall ist. Denn Envitec ist Mitgesellschafter bei „A3 Water Solutions“. Hier der Bau von Biogasanlagen , dort Abwasserreinigung. Wie passt das zusammen?

Das eine geht nicht ohne das andere. Die Betreiber der Grevener Biogasanlage an der Schmedehausener Straße wissen ein Lied davon zu singen. Sie haben akut das Problem, dass belastetes Oberflächenwasser von der Anlage in den angrenzenden Vorfluter fließt (wir berichteten). Die biologische Reinigung in Klärteichen, die das eigentlich verhindern soll, funktioniert im Winter nicht, weil die dafür zuständigen Bakterien und Pflanzen ihren Stoffwechsel bei Kälte herunterfahren. Folge: Die Grenzwerte werden um ein Mehrfaches überschritten, die Bezirksregierung hat die Anlage unter verschärfter Beobachtung – nicht zuletzt auch wegen eines anderen Störfalls im vergangenen Jahr.

„Momentan ist der Stöpsel zu“, sagt Bernd Averbeck von der Betreibergenossenschaft. Will heißen: Das Sickerwasser wird in einem Teich zurückgehalten und fließt nicht ab. Ab und an befüllt ein Landwirt den Gülletank damit, um seinen Acker zu düngen. Denn giftig ist die Brühe nicht, nur extrem nährstoffreich, was in einem Bach zu starker Sauerstoffzehrung und zum Umkippen des Gewässers führen kann. „Auf das ablaufende Oberflächenwasser haben die Genehmigungsbehörden lange Zeit kein Augenmerk gelegt“, sagt Abwasserspezialist Ulrich Brüß. Doch das scheint sich zu ändern.

Darum soll Brüß für Abhilfe sorgen. Seit vier Wochen läuft in seiner Firma eine Versuchsanlage, die das Sickerwasser aus der Biogasanlage reinigen soll. Zum Einsatz kommt ein mit Bakterien bestücktes Mikrofiltrationsmodul mit speziellen Membranen, das sich bereits bei der Reinigung verschiedenster Abwässer bewährt hat. In einem mit Sauerstoff belüfteten Bottich, in den das Filtrationsmodul eingelassen ist, gluckert eine streng riechende braune Brühe, in der sich unzählige Bakterien tummeln. „Es sieht extrem gut aus“, sagt Brüß – und meint damit nicht die Brühe, sondern die ersten Messergebnisse.

Denn was am Ende rauskommt, ist nicht nur ziemlich klar, auch die chemischen Werte stimmen. Zweimal in der Woche sorgt Averbeck für Nachschub aus der Biogasanlage, um die Bakterien bei Laune zu halten. Er will möglichst bald den Praxistest starten. „Die Leute sollen sehen, dass uns das Problem nicht egal ist.“

Die Kosten von rund 100 000 Euro für den Prototyp wollen sich die Genossenschaft und die Firma teilen. „Daran verdienen wir erst mal nichts“, sagt Brüß. Was sich aber ändern kann. Denn bei vielen Biogasanlagen sieht es nicht besser aus. Und auch die Mikropartikel, mit denen städtische Kläranlagen wie die in Greven zunehmend zu kämpfen haben, lassen sich mit den extrem feinen Membranen herausfiltern.

Im Sommer soll das Pilotprojekt an der Biogasanlage starten. Dazu wird ein 18 Kubikmeter fassender Behälter mit den Filtrationsmodulen gebaut, der über eine Pumpe gleichmäßig mit dem Wasser aus den Klärteichen versorgt wird. Die Bezirksregierung muss das Projekt noch genehmigen, hat aber Zustimmung signalisiert.

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