Projekt „Mein Körper gehört mir“
Lautes Nein stärkt Kinder

Reckenfeld -

Wie wichtig es sein kann, laut und deutlich „Nein“ zu sagen und auf das eigene Körpergefühl zu achten – das lernten in den vergangenen Wochen die Dritt- und Viertklässler der Erich-Kästner-Grundschule.

Mittwoch, 25.03.2015, 17:03 Uhr

Projekt „Mein Körper gehört mir“ : Lautes Nein stärkt Kinder
Foto: ros

Wie wichtig es sein kann, laut und deutlich „Nein“ zu sagen und auf das eigene Körpergefühl zu achten – das lernten in den vergangenen Wochen die Dritt- und Viertklässler der Erich-Kästner-Grundschule. Die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück war dort mit einem Präventionsprogramm zum sexuellen Missbrauch zu Gast. Wie wichtig es ist, Kinder stark zu machen und für dieses Thema zu sensibilisieren, wissen auch die Vorsitzenden des Fördervereins Brigitte Grigowski und Kerstin Kreimer . Der Verein setzt sich dafür ein, die Finanzierung solcher Projekte zu sichern.

Äußerst einfühlsam gingen die Theaterpädagogen Suse Gorgs und Alen Draguj dieses Thema an. Zunächst lernten die Kinder, ihre Gefühle einzuschätzen. Kinder dürfen „Nein“ sagen, wenn ihnen Berührungen, egal welcher Art, unangenehm sind. Spielerisch wurden Kinder an Szenarien herangeführt, die im Alltag passieren können: Der Exhibitionist, der das Kind ans Auto lockt; der neue Nachbar, der in der Tat keine bösen Absichten hegt. Auch Begriffe wie Penis oder Scheide wurden offen benannt – für viele Kinder kein Problem. Einige gehen damit offen, andere eben zurückhaltender damit um. Was sexueller Missbrauch ist, wo er anfängt (nämlich da wo Kinder ein „Nein-Gefühl“ haben) erklärten die Theaterpädagogen.

Da Kinder auch im Internet chatten und Gefahren ausgesetzt sind, wurde auch dieses wichtige Thema aufgegriffen. Ebenso wie die Frage: Kann ich mit jemandem mitgehen, den ich nur ein wenig kenne? Die Jungen und Mädchen sollten sich selbst stets drei Fragen stellen: „Habe ich ein Ja- oder Nein-Gefühl? Weiß jemand wo ich bin? Bekomme ich Hilfe, wenn ich sie brauche?“

Mithilfe des „Körpersongs“ verinnerlichen die Kinder, auf das Nein-Gefühl zu hören. Schließlich ging es um ein besonders schwieriges Thema: der sexuelle Missbrauch im Familien- und engen Bekanntenkreis. Anschaulich wurde das in eine Spielszene verpackt, der die Kinder aufmerksam folgen: Eine Familie zieht um. Endlich ein eigenes Zimmer, aber noch keine Freunde. Der große Bruder nimmt den Kleinen mit zum Fußballverein, doch zu Hause nötigt er den Kleinen zu sexuellen Handlungen, fasst ihn immer wieder an, droht ihm, dass er in ein Heim kommt, wenn er es den Eltern sagt. „Der Ärmste, das ist schlimm“, flüsterte ein Junge. Das verzweifelte Kind sucht Hilfe beim Trainer, der alles abtut und rät, mehr zu trainieren. Die überlastete Mutter hält es für Traumfantasien, erst die Lehrerin bietet dem Kleinen Hilfe an. Am Ende der Szene bekamen die Kinder den Hinweis: „Nicht Du musst dich schämen, sondern der, der den Missbrauch begeht. Unterscheidet zwischen guten Geheimnissen, bei denen ihr ein Ja-Gefühl habt, und schlechten bei denen Euer Gefühl Nein sagt“. Die Kinder probieren jetzt das Erlernte im Alltag aus. Und wenn jetzt Umarmungen von Verwandten oder guten Bekannten abgelehnt werden, so sollten es die Erwachsenen nicht persönlich nehmen. Denn im Extremfall kann ein laut gerufenes „Nein“ einem Kind viel Leid ersparen.

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