Pfarrer Alfons Mersmann
„Einmaliges Lebenszeugnis“

Greven -

Der in Greven geborene und aufgewachsene Pfarrer Alfons Mersmann starb vor 70 Jahren auf dem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald. Mersmann ist in der Nazi-Zeit wiederholt dem Vorwurf ausgesetzt, er habe „durch „Kanzelmissbrauch das Vertrauen zur politischen Führung und die Erreichung des Endsieges untergraben und boykottiert“. Am 7. März 1945 wird er wegen einer „Kleinigkeit“, wie er es selbst bezeichnet, zum wiederholten Mal verhaftet und kommt in das KZ Buchenwald.

Dienstag, 14.04.2015, 16:04 Uhr

Wie und an welchem Tag genau er auf dem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald starb, ist nach 70 Jahren nicht mehr zu klären. Und letztlich auch nicht wesentlich. Viel wichtiger ist, dass Leben und Tod des in Greven geborenen und aufgewachsenen Pfarrers Alfons Mersmann stellvertretend sind für diejenigen, die der Naziherrschaft kritisch gegenüberstanden und es wagten, diese Einstellung auch öffentlich zu äußern.

In Greven erinnern heute noch eine Straße, die Pfarrer-Mersmann-Stiege, und eine Gedenktafel in der Martinuskirche an Alfons Mersmann. Seine Lebensgeschichte wird ausführlich beschrieben in dem Buch „Greven 1918-1950“. Demnach wird er am 7. März 1905 als ältester Sohn der Eheleute Mersmann geboren. Dem elterlichen Wunsch, den Hof in der Bauerschaft Herbern zu übernehmen, kommt er nicht nach, stattdessen entscheidet er sich für ein Theologiestudium, an dessen Ende 1931 die Priesterweihe in Innsbruck steht. Weil es damals – ganz im Gegensatz zu heute – mehr Priesteramtskandidaten als geeignete Stellen gibt, geht er zunächst in die USA. Nach seiner Rückkehr bekommt er 1934 seine erste Stelle in der Prälatur Schneidemühl (heute polnisch Pila) in der mehrheitlich von Polen bewohnten damaligen deutschen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen. Dort wird er mehrfach wegen kritischer Äußerungen, beispielsweise zur Hitlerjugend, denunziert, bleibt jedoch zunächst im Amt und wird 1937 Kreisvikar.

Nach dem deutschen Überfall auf Polen erlebt er mit, wie viele polnische katholische Priester verhaftet und deportiert werden. Mersmann ist danach wiederholt dem Vorwurf ausgesetzt, er habe „durch „Kanzelmissbrauch das Vertrauen zur politischen Führung und die Erreichung des Endsieges untergraben und boykottiert“.

1942 wird er verhaftet, von seinem kirchlichen Amt suspendiert und aus der Pfarrei ausgewiesen. Als er kurz darauf nach Greven zurückkehrt, wird er bereits wenige Tage später von der Gestapo verhört. 1944 tritt Mersmann eine Stelle als Pfarrer in Treysa bei Kassel an. Selbst als sein Bruder im Krieg fällt und die Eltern ihn bitten, das Seelenamt zu halten, bleibt er aus Angst vor Repressalien der Beerdigung fern. „Vor dem Ende des Krieges werde ich die Heimat wohl nicht wiedersehen“, schreibt er in einem Brief.

Doch die Rückkehr bleibt ihm verwehrt. Am 7. März 1945 wird er wegen einer „Kleinigkeit“, wie er es selbst bezeichnet, erneut verhaftet und kommt in das KZ Buchenwald. Als die Alliierten näherrücken, werden die Gefangenen von Wachleuten gezwungen, auf Gewaltmärschen und ohne Lebensmittel das Lager zu verlassen. Ein Großteil von ihnen stirbt auf diesem so Todesmarsch an Entkräftung oder wird erschossen. Auch Alfons Mersmann überlebt ihn nicht. Über die Art seines Todes gibt es später unterschiedliche Zeugenaussagen.

„Das ist ein einmaliges Lebenszeugnis , vor dem ich nur den Hut ziehen kann“, sagt Martinus-Pfarrer Klaus Lunemann zum Wirken von Alfons Mersmann. In den Predigten am kommenden Wochenende wird er an das Zeichen, das der Grevener in dunklen Zeiten gesetzt hat, erinnern. Die Bereitschaft, schwere Konsequenzen zu tragen, dürfe nicht in Vergessenheit geraten, auch in Zeiten, in denen solche Folgen nicht zu befürchten seien. „Es ist zugleich eine Mahnung, alles zu tun, dass solche Ereignisse sich nicht wiederholen.“

Bereits am vergangenen Wochenende hatte Lunemann in seinen Predigten an die Befreiung des KZ Buchenwald erinnert und einen aktuellen Bezug hergestellt. „Wir müssen dafür sorgen, dass Flüchtlinge hier aufgenommen werden. Niemand verlässt seine Heimat gerne.“ Ein Satz, der auch für Alfons Mersmann gegolten hätte. Er hat seine Heimat Greven nicht mehr wiedergesehen.

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