Projekt Wellcome
Damit Mami mal durchatmen kann

Greven -

Am Sonntag ist Muttertag. Was schenkt man bloß? Blumen? Pralinen? Wie wäre es mit einer kleinen Auszeit, einem bisschen Urlaub im Alltag für eine Mutter? Wer mag, kann dafür jetzt Gutscheine verschenken, die beim Projekt „Wellcome“ einzulösen sind.

Freitag, 08.05.2015, 17:05 Uhr

Freuen sich gemeinsam, dass das Projekt „ Wellcome Greven“ Hilfe koordiniert (von links): Laura Peloso, Marcus Mielczarek, Sophia Roswitha Sebastian, Paula, Fabio sowie Jutta Laumann (Wellcome).
Freuen sich gemeinsam, dass das Projekt „ Wellcome Greven“ Hilfe koordiniert (von links): Laura Peloso, Marcus Mielczarek, Sophia Roswitha Sebastian, Paula, Fabio sowie Jutta Laumann (Wellcome). Foto: Monika Gerharz

Turbulenter hätte der Anfang nicht sein können. „Ist ein bisschen ungünstig – wir gebären gerade“, sagte Marcus Mielczarek , als Jutta Laumann bei ihm anrief. Die Grevener Koordinatorin von „Wellcome“ wollte mit der Familie einen Termin vereinbaren, um wegen einer ehrenamtlichen Unterstützung zu schnacken. Aber Laura Peloso lag da gerade auf dem Wohnzimmerboden und Sophia, die Jüngste, die es mehr als eilig hatte, kam zur Welt (unsere Zeitung berichtete). „Was sagt man da?“, lacht Jutta Laumann. „Toi-toi-toi? Oder Glückwunsch?“ Trockene, wenn auch nicht wirklich ernst gemeinte Antwort von Marcus Mielczarek: „Beileid geht auch.“

Seither sind drei Monate ins Land gegangen, Sophia ist ein Wonneproppen, den ihre Geschwister, die vierjährige Paula und der zweijährige Fabio, immer wieder knuddeln müssen. Und mittlerweile gehört auch Roswitha Sebastian fest dazu. Die pensionierte Bibliothekarin arbeitet ehrenamtlich beim Projekt „Wellcome“ mit, das Familien von Kleinkindern im ersten Lebensjahr unterstützt. Einmal die Woche kommt sie für zwei Stunden und springt auch mal ein, wenn sonst Not am Mann ist. „Ich habe mir das früher selbst gewünscht“, sagt die Mutter von vier Kindern. „Ich war immer auf mich gestellt, weil die Verwandten alle weit weg waren.“

Diese Situation kennen heute sehr viele junge Familien. „Und die Freunde mag man nicht immer um Hilfe bitten, die arbeiten oder haben selbst kleine Kinder“, sagt Laura Pesolo. Eines Tages, noch vor Sophias Geburt, hat sie die Erzieherin in Paulas Kindergarten auf das Wellcome-Angebot aufmerksam gemacht. „Ich sah wohl so aus, als hätte ich wenig Schlaf gehabt“, lacht sie.

Nachdem Sophia da war, kam auch Roswitha Sebastian. „Es war gleich sehr nett“, schloss sie die Familie sofort ins Herz. Sie hatte vorher schon ein Jahr lang ein Zwillingspaar betreut. Als sie zum ersten Mal in ihre neue Familie kam, wurde man ebenfalls ganz schnell miteinander vertraut. „Erst beschnuppert man sich ein bisschen. Man weiß ja erst nicht: Was kann man erwarten? Was wird gewünscht?“, sagt Marcus Mielczarek. Doch man verstand sich auf Anhieb. Oft kümmert sich die Ersatz-Omi um die Älteren, geht mit ihnen auf den Spielplatz – „oder sie spielt ganz toll mit mir in meinem Zimmer“, verrät Paula. Das verschafft der Mutter – sofern das Kleine schläft – ein bisschen Luft, um Dinge zu erledigen. „Und manchmal ist es wunderbar, einfach ungestört eine halbe Stunde in der Badewanne zu liegen“, schätzt es Laura Peloso sehr, wenn sie ihrem strapazierten Rücken etwas Gutes tun kann. „Das ist wie ein kleiner Urlaub.“

Manchmal geht Roswitha Sebastian aber auch mit Sophia spazieren, und Vater und Mutter haben Zeit für Fabio und Paula. „Neulich haben wir im Garten das Klettergerüst für die Kinder aufgebaut“, erzählt das Ehepaar. „Das war ein wunderschöner Nachmittag, wir finden es wichtig, dass auch die Großen nicht untergehen.“

Und wie ist es mit dem Erziehungsstil? Da haben die verschiedenen Generationen doch manchmal verschiedene Auffassungen. „Ich mische mich nicht ein. Das mache ich auch bei meinen Kindern nicht“, ist das für Roswitha Sebastian gar kein Thema. Umgekehrt vertrauen Laura Peloso und Marcus Mielczarek ihrem „Wellcome“-Engel. „Bei uns gilt: Wenn die Kinder bei der Oma sind, entscheidet die Oma“ – und in diese Kategorie gehört auch die ehrenamtliche Großmutter. „Man kann Kinder nicht abgeben und gleich ein ganzes Bündel Regeln mitgeben“, sagt Marcus Mielczarek.

Ihre „Frau Sebastian“, wie die Kinder sagen, wollen sie jedenfalls so schnell nicht wieder gehen lassen. „Eine Stunde Entlastung ist riesig“, versichert das Ehepaar allen, die mit dem Gedanken spielen, zum Muttertag einen „Wellcome“-Gutschein zu verschenken (siehe Info-Kasten). Besonders schätzt das Ehepaar, dass das Programm mit erfahrenen Frauen arbeitet.

„Junge Mädchen sind oft doch sehr unsicher.“ Von den Kosten ganz zu schweigen. „Wenn die Stunde Babysitten 15 Euro kostet, dann wird ein Abendessen doch eher unentspannt“, meint Marcus Mielczarek. Er und seine Frau genießen es deshalb sehr, dass sie Roswitha Sebastian auch um einen solchen Gefallen bitten dürfen – auch wenn sie manchmal fast ein schlechtes Gewissen haben.

„Ich klage doch auf einem hohen Niveau – die Generation vorher hat es doch auch geschafft“, sagt Laura Peloso. Doch sie wird beruhigt. „Man schafft das auch“, weiß Roswitha Sebastian. „Aber es ist eine Erleichterung.“

Sagt‘s und wendet sich zu Paula, die mit ihrer Puppe Lea zu ihr kommt und ihre Hilfe braucht beim Zöpfe­flechten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3242359?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F4849310%2F4849318%2F
Frau bei Verkehrsunfall gestorben
(Symbolfoto) 
Nachrichten-Ticker