Aus nach der Erprobungsstufe
Kein Platz in Greven

Greven -

18 Sechstklässler der Anne-Frank-Realschule sollen nach dem Sommer eine andere Schule besuchen - doch welche? In Greven gibt es keine Kapazitäten für sie, in Frage kommen vor allem Hauptschulen in Nachbarstädten.

Donnerstag, 25.06.2015, 19:06 Uhr

Am Ende der sechsten Klasse müssen Schüler die AFR verlassen. Schulleiterin Ines Ackermann führt mit Eltern Beratungsgespräche und erörtert mit ihnen mögliche Lösungen. „Wir kümmern uns um diese Schüler“, betont sie.
Am Ende der sechsten Klasse müssen Schüler die AFR verlassen. Schulleiterin Ines Ackermann führt mit Eltern Beratungsgespräche und erörtert mit ihnen mögliche Lösungen. „Wir kümmern uns um diese Schüler“, betont sie. Foto: oh

Abschulung – ein unschönes Wort für einen unschönen Vorgang: Gemeint sind Kinder, die nach der Erprobungsstufe (Ende Klasse sechs) wegen schlechter Noten die Schule wechseln müssen.

An der Anne-Frank-Realschule soll aktuell 18 Kinder dieses Schicksal ereilen. „Die Zahl kann ich nicht bestätigen“, sagt AFR-Leiterin Ines Ackermann . Konkrete Zahlen könne sie nicht nennen, weil sie die Erprobungsstufe nicht persönlich leite. Soviel sei aber klar: „18 ist kompletter Quatsch.“ Es gebe Kinder, die wegen Umzuges die Schule wechselten. Manche wechselten auch aus eigenem Antrieb. Und dann gebe es eben jene Jungen und Mädchen, die laut Beschluss der Erprobungsstufenkonferenz die Schule wechseln müssten (also abgeschult werden), weil sie nicht versetzt würden. „Das ist dann im Gesetz so vorgesehen.“ Zwar sei ein drittes Jahr in der Erprobungsstufe „möglich, aber nicht die Regel“. Den Schülern, bei denen die Leistungen nicht auf Realschulniveau lägen, könne man auch durch weitere Förderung keinen Verbleib an der Schule ermöglichen. Die Realschule müsse nun mal nach Realschul-Standards unterrichten. Es gehe für jene, die in der Erprobungsstufe scheiterten, darum „einen geeigneten Förderort zu finden. Dafür ist ja die Erprobungsstufe da. Kinder erproben eine Schulform“, sagt Ackermann. „Einigen Eltern war auch schon bei der Anmeldung klar, dass ihre Kinder nur zwei Jahre bei uns sind.“ Als Beispiel führt sie Kinder mit Hauptschulempfehlung an, die keinen Gesamtschul-Platz bekommen hatten. Deren Eltern hatten ihren damaligen Fünftklässlern den Weg in eine Nachbarstadt ersparen wollen. Nun, da die Kinder zwei Jahre älter seien, sei ein solcher Schulweg zumutbar. Beratungsgespräche hätten gezeigt, dass viele Eltern „wollen, dass ihr Kind Erfolgserlebnisse hat“.

Doch wohin mit den 18 (?) Kindern? „In Greven haben wir keine Möglichkeiten, sie aufzunehmen“, stellt Frank Hänel klar, im Rathaus für Schulfragen zuständig. Die Gesamtschule Greven sei voll. Ob die Zahl 18 zutrifft, kann er nicht sagen. „Wenn diese Zahl auf uns zukommt, werden wir uns damit beschäftigen.“ Schulausschussvorsitzender Dr. Michael Kösters-Kraft sieht „Druck auf die Politik“ zukommen. Dass Grevener Schüler nicht in Greven beschult werden könnten, sei „eine unbefriedigende Situation, die wir eigentlich vermeiden wollten.“ Alternativen sind laut Ackermann die Hauptschulen Emsdetten, Tecklenburg, Coerde und Kinderhaus.

„Wenn wir Zahlen und Hintergründe haben, werden wir das Thema aufgreifen“, sagt Beate Tenhaken, die im Rathaus den Bereich Bildung verantwortet. Rein rechtlich sei „alles im grünen Bereich“. Wenn argumentiert werde, dass die AFR nur nach Realschulstandards unterrichten dürfe, „dann hat Frau Ackermann damit Recht“. Hänel bestätigt: „Die AFR verhält sich regelkonform.“ Wenn die Erprobungsstufe ergebe, dass ein Kind nicht für die Schulform geeignet sei, dann sei ein Schulwechsel „systembedingt“ vorgesehen.

„Die AFR berät in Richtung Hauptschule, aber auch in Richtung Gymnasium“, betont Ackermann. Sprich: Leistungsstarken Realschülern werde empfohlen, ihre Schullaufbahn am Gymnasium fortzusetzen. Im Gegenzug nimmt die Realschule Schüler auf, die ihrerseits in der Erprobungsstufe des Gymnasiums nicht zurecht gekommen sind, sagt Tenhaken. „Da reden wir aber über ganz andere Zahlen. Und das wird in der Regel kaum öffentlich wahrgenommen, weil es für diese Schüler eben das Auffangbecken Realschule gibt.“ Ein Auffangbecken, das den abgeschulten Realschülern fehlt – zumindest in Greven.

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