Apfelernte verdoppelt
Wenn Bienen ihren Job machen

Greven -

Der eine – Alfred Helmig – ist Apfelbauer, der andere – Hubert Reppenhorst – ist Imker. Jahrelang ging jeder für sich seinem Hobby nach, seit kurzem beide zusammen. Mit durchschlagendem Erfolg.

Samstag, 12.09.2015, 06:09 Uhr

Eine reiche Ernte: Die Apfelbäume von Alfred Helmig (rechts) tragen in diesem Jahr sehr gut. Die Äste müssen teilweise sogar gestützt werden, damit sie nicht brechen. Imker Hubert Reppenhorst freut sich mit ihm.
Eine reiche Ernte: Die Apfelbäume von Alfred Helmig (rechts) tragen in diesem Jahr sehr gut. Die Äste müssen teilweise sogar gestützt werden, damit sie nicht brechen. Imker Hubert Reppenhorst freut sich mit ihm. Foto: Peter Beckmann

Wer die beiden Männer reden hört weiß, dass es Leidenschaft ist. Leidenschaft für zwei verschiedene Hobbys, die sich – im wahrsten Sinne des Wortes – befruchten. Der eine – Alfred Helmig – ist Apfelbauer , der andere – Hubert Reppenhorst – ist Imker. Jahrelang jeder für sich, seit kurzem beide zusammen. Mit durchschlagendem Erfolg.

Doch von Anfang an. Alfred Helmig ist eigentlich Hochbauingenieur, und das hat bekanntlich mit Obstbäumen wenig zu tun. Zu denen kam Helmig, als er ein Grundstück von seinem Vater erbte. Das war bislang ein Maisfeld, aber das wollte er ändern. Zufällig gab es zu der Zeit Zuwendungen der Unteren Landschaftsbehörde für Streuobstwiesen. „Streuobstwiesen haben früher die Landschaft im Münsterland geprägt“, erzählt Helmig. Doch in den 60er- und 70er-Jahren gab es sogar Abholzprämien, weil der Obstanbau auf bestimmte Regionen wie das Alte Land oder den Bodensee konzentriert werden sollte. „Die Flurbereinigung in den 70er- und 80er-Jahren hat den Streuobstwiesen dann den Rest gegeben.“

Helmig pflanzte nach und nach Apfelbäume an, überwiegend alte Sorten, deren Namen heute nur noch Senioren kennen – wenn überhaupt. Insgesamt sind es heute rund 200 Stück. Berlepsch, Prinz Albrecht von Preußen , Der Schöne aus Nordhausen, Dülmener Rose – diese Sorten kennt kaum noch jemand. Heute sind Fuji oder Pink Lady in.

Zehn Jahre bekamen die Hochstämme ihren „Erziehungsschnitt“ bevor sie das erste Mal trugen. Und dann ging es immer im Wechsel: Mal ein gutes Ertragsjahr, mal ein schlechtes. Dieses Jahr ist ein besonders gutes, was dann wiederum mit Hubert Reppenhorst zu tun hat. Aber dazu später.

Helmigs Äpfel sind Bio-Äpfel. Nicht gespritzt und in vielen Fällen auch für Allergiker geeignet. Denn: Was kaum jemand weiß ist die Tatsache, dass die am meisten auftretende Allergie die Apfel-Allergie ist.

Aber das ist bei den meisten alten Sorten eben nicht der Fall. Wie kann das? Ganz einfach: „Die Obstbauern haben Apfel-Sorten züchten lassen, die, wenn sie aufgeschnitten sind, an der Luft nicht oxidieren, also nicht braun werden“, erklärt Helmig. Das wurde erreicht, indem die Biofinole weggezüchtet wurden. „Das hat bewirkt, dass die neuen Sorten sehr viele Allergene enthalten und kaum noch Vitamine“, erklärt der 59-Jährige.

Und deshalb sind seine alten Apfelsorten so beliebt. So musste Helmig schon mal für sein beliebtes Apfelfest, das er ein mal im Jahr durchführt, Früchte von einem anderen Bio-Apfelbauer zukaufen. Was er in diesem Jahr garantiert nicht muss.

Denn: Zum einen ist dieses Jahr ein gutes Apfeljahr, zum anderen kommt jetzt Hubert Reppenhorsts Hobby ins Spiel – die Imkerei. Denn seit einem Jahr hat er mehrere Bienenvölker am Rande der Streuobstwiese aufgestellt. Mit durchschlagendem Erfolg. „Gegenüber den normalen guten Jahren hat sich die Apfel-Ernte mehr als verdoppelt“, schwärmt Helmig. Und: Die Qualität der Äpfel sei auch deutlich besser geworden. Größere Früchte, weniger Schorf – warum das so ist wissen wohl nur die Bienchen.

Die sind, wenn sie denn an einer Streuobstwiese stehen, enorm fleißig. Obwohl: „Bienen sind eigentlich faul“, hat Reppenhorst eine überraschende Botschaft parat. Denn sie bevorzugten den kürzesten Weg, um an ihre Beute zu kommen. „Aber wenn sie erst einmal bei den Apfelblüten geerntet haben, bleiben sie auch dabei.“ Blütenständig nennt man das im Fachjargon.

Und so ein Bienenvolk schafft was weg. „Sie besuchen rund eine Millionen Blüten am Tag“, erzählt Reppenhorst, der sich natürlich auch über die Ausbeute freuen kann. Reiner Apfelblüten-Honig lässt sich eben auch gut vermarkten.

Wie gesagt: In diesem Jahr wird Helmigs Ernte doppelt so gut ausfallen wie sonst. Also: etwa vier Tonnen anstatt nur zwei. Und diese Äpfel vermarktet Helmig direkt auf seinem Hof, bei seinem Apfelfest, auf dem Markt. Er verkauft sie als Tafelobst und als Apfelsaft.

Und die Äpfel sind alle rein biologisch, ungespritzt und wachsen an Hochstämmen – was heutzutage sehr selten ist. „Die meisten Obstbauern lassen die Äpfel als Spalierobst wachsen“, erklärt Helmig. Das erleichtere die Ernte, ein Beschneiden ist kaum notwendig, so dass die Bäume schon nach zwei Jahren tragen und die Bäume können besser gegen Schädlinge gespritzt werden. „Das müssen sie auch, weil die neuen Sorten nicht mehr gegen Schädlinge resistent sind.“

Helmig und Reppenhorst sind jedenfalls stolz auf ihre Ergebnisse. Und die werden sie auch in diesem Jahr wieder im Rahmen des Apfelfestes auf dem Hof an der Landskrone 5 präsentieren, das am 11. Oktober von 9 bis 17 Uhr stattfindet. Und da werden die beiden Männer sicher wieder viel zu erzählen haben. Von Äpfeln, von Bienen und beides mit ganz viel Leidenschaft.

► Das Apfelfest auf dem Hof Helmig findet am 11. Oktober von 9 bis 17 Uhr statt. Auch diesmal ist wieder die mobile Saftpresse vor Ort. Terminvereinbarungen unter ✆ 54 91 12.

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