Pilzexperte Jürgen Silbach über Giftpilze
„Russisches Roulette“

Greven -

Pilze sammeln, ohne dass man sich wirklich gut auskennt? Das ist für den Gimbter Pilzexperten Jürgen Silbach „Russisches Roulette“. Besonders kritisch: Der extrem giftige Knollenblätterpilz sieht dem Champignon verteufelt ähnlich – und wächst auch an den gleichen Stellen. In den letzten Wochen hat dies mehrere Pilzsammler das Leben gekostet.

Dienstag, 29.09.2015, 15:09 Uhr

Jürgen Silbach kennt sich bestens aus mit Pilzen.  Anfängern rät er, sich beim Sammeln zunächst auf Röhrenpilze zu beschränken. So lassen sich tödliche Verwechslungen sicher ausschließen.
Jürgen Silbach kennt sich bestens aus mit Pilzen.  Anfängern rät er, sich beim Sammeln zunächst auf Röhrenpilze zu beschränken. So lassen sich tödliche Verwechslungen sicher ausschließen. Foto: Thomas Starkmann

Pilze zu sammeln und sogar zu essen, die man nicht wirklich kennt, ist für Jürgen Silbach nichts anderes als „Russisches Roulette “. Und darauf kann der Pilzexperte aus Gimbte gut verzichten. „Ich muss zu 100 Prozent sicher sein, ansonsten lasse ich die Finger davon“, sagt Silbach.

Eine Regel, die in der jüngsten Vergangenheit einige Pilzsucher nicht beherzigt und dafür teilweise mit dem Leben bezahlt haben. Fast immer ist es der Grüne Knollenblätterpilz, dessen Verzehr zu tödlichen Vergiftungen führt. Und der ist auch in Greven alles andere als selten. „Gerade jetzt steht der fast überall“, sagt Silbach. Das Problem: Der Knollenblätterpilz zeigt eine Bindung an Eichen. Auf Wiesen mit Eichen finden sich häufig die begehrten Champignons – aber eben auch der Knollenblätterpilz. „Dann wird‘s kriminell“, sagt Silbach. Das einzig verlässliche Unterscheidungsmerkmal zwischen gut und giftig seien die Lamellen. Sie sind bei Knollenblätterpilzen – von denen es bei uns vier Arten gibt – immer weiß, bei Champignons rosa bis braun. Solange die Pilzhüte geschlossen bleiben, sind die Lamellen aber nicht sichtbar. „Dann muss man den Pilz quer durchschneiden“, rät Silbach. So lasse sich die Farbe der Lamellen erkennen.

Andere Merkmale wie die knollenartige Verdickung des Stielgrundes und die Beblätterung des Schirms sind nicht bei allen Exemplaren von Knollenblätterpilzen ausgeprägt und taugen deshalb nicht als Erkennungsmerkmal. Und auch der Geruch verrät den Giftpilz nicht. Im Gegenteil: „Der riecht eigentlich ganz angenehm“, weiß Silbach. Überhaupt empfiehlt er Anfängern, Lamellenpilze zu meiden und sich auf Röhrenpilze wie Steinpilz oder Maronenröhrling zu beschränken. „Von denen ist bei uns nur der Satansröhrling giftig“, sagt der Experte. Und selbst dessen Verzehr führe in der Regel nicht zu schweren Komplikationen.

Die sicherste Methode, sich Pilzkenntnisse anzueignen, ist die Teilnahme an geführten Pilzexkursionen, die auch Silbach zur Saison regelmäßig anbietet. „Die haben einen Riesen-Zulauf“, freut sich Silbach. Von Büchern als alleiniger Bestimmungshilfe hält er nichts. „Bücher sind eine gute Unterstützung, reichen aber allein nicht aus.“

Das Wachstum von Pilzen ist stark vom Wetter abhängig. Wie sieht es dieses Jahr aus? „Durchschnittlich“, sagt Silbach. Und das gilt sowohl für bekömmliche als auch für giftige Vertreter.

Zum Thema

Jürgen Silbach bietet während der Saison an jedem Wochenende Pilzexkursionen an. Alle Termine unter www.juergen-silbach.de

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