Gaunerzinken
Markierer oder Nachahmer

Greven -

Die kommende dunkle Jahreszeit ist die Zeit der Einbrecher. Oft wird vermutet, dass die Häuser, in denen es etwas zu holen gibt, mit so genannten Gaunerzinken gekennzeichnet werden. Das streitet die Polizei aber ab. Derartige Zeichen, die ab und zu auftauchen, seien häufig das Werk von Nachahmern.

Mittwoch, 30.09.2015, 17:27 Uhr
Ein unauffälliges Zettelchen: Was dahinter steckt, war und bleibt unklar. Die Polizei glaubt aber, dass diese Markierung nichts mit Einbrecherbanden zu tun hat.
Ein unauffälliges Zettelchen: Was dahinter steckt, war und bleibt unklar. Die Polizei glaubt aber, dass diese Markierung nichts mit Einbrecherbanden zu tun hat. Foto: Peter Beckmann

Es war ein kleiner, unscheinbarer rosa Papierfetzen. Der klebte an der Mauer des Vorgartens. Eigentlich nichts besonderes. Doch als der Hauseigentümer ein paar Häuser weiter genau so einen kleinen Zettel bemerkte, wurde er misstrauisch. Was hat das mit diesen Zetteln auf sich?, fragt nicht nur er sich. Sind das Markierungen, die irgendwelche Diebesbanden angebracht haben? Eine Vermutung, die aufgrund der Tatsache, dass kurz vorher und kurz danach in unmittelbarer Nähe zwei Einbrüche begangenen wurden, Nahrung bekommt.

„Das ist schon sehr ungewöhnlich“, sagte auch Reiner Schöttler, Pressesprecher der Kreispolizei, auf Anfrage unserer Zeitung, zu den kleinen Zetteln. Aber zu dem Vorfall gebe es keine konkreten Erkenntnisse. Und: „Markierungen und die so genannten Gaunerzinken tauchen immer mal wieder auf. Zusammenhänge mit konkreten Einbrüchen hat es aber bislang nie gegeben“, sagte Schöttler. Vielmehr, so vermutet er, handele es sich dabei in den meisten Fällen um Nachahmer, die davon im Internet gelesen haben.

Die so genannten Gaunerzinken wurden früher von Banden benutzt, um Häuser zu markieren, bei denen besonders leicht oder auch besonders schwer Beute zu machen war. „Es spricht aber viel dafür, dass das heute mit Einbrüchen nichts mehr zu tun hat.“

Richtig sei aber, dass Einbrecher natürlich günstige Gelegenheiten suchen, ungestört ihren Verbrechen nachgehen zu können. „Sie nutzen diverse Tricks, um herauszubekommen, welche Häuser momentan unbewohnt sind“, erklärt Schöttler. Er will diese Tricks aber nicht ausplaudern. „Wir wollen hier ja keine Tipps geben.“

Er rät zur Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft. „Ist ein Hausbesitzer im Urlaub, sollte er Nachbarn bitten, regelmäßig den Briefkasten zu leeren und regelmäßig durchs Haus zu gehen.“

Grundsätzlich sollte man darauf achten, niemals den Eindruck entstehen zu lassen, dass niemand im Haus sei. Und: „Besonders wichtig ist die Sicherung von Türen und Fenstern im hinteren Teil des Hauses.“ Für relativ wenig Geld bekomme man schon einen guten mechanischen Schutz. „Ist alles gut gesichert, wenden sich Einbrecher schnell anderen Objekten zu.“ Die hätten es schließlich eilig.

Jetzt, in der kommenden dunklen Jahreszeit, sei wieder Hochsaison für Einbrecher. „Wenn die Jalousien in den Häuser herunter gehen, sehen die Menschen auch nicht, wenn Einbrecher in das Nachbarhaus einsteigen.“

Und: Greven sei vor allem bei Einbrecherbanden sehr beliebt. „Die Einbrecher wollen schnell zum Einbruch-Objekt und auch genau so schnell wieder verschwinden.“ Daher seien Städte und Stadtteile, die gut über Autobahnen oder Schnellstraßen erreicht werden können, besonders beliebt. Aber in Greven seien durchaus nicht nur überregional agierende Banden am Werk. „Wir haben auch schon Einbrecher aus Greven erwischt“, erklärt Schöttler.

Mit dem Erwischen ist es aber nicht so ganz weit her. Die Aufklärungsquote in Greven lag im vergangenen Jahr bei Einbrüchen bei 20 Prozent. Insgesamt wurde 109 Mal in Häuser und Wohnungen eingebrochen. „Wie es derzeit aussieht, gibt es in diesem Jahr nicht mehr Einbrüche“, vermutet Schöttler.

Apropos Aufklärung: Da bittet Schöttler die Bürger um Mithilfe. „Einbrecher fahren nicht mit dem Auto bis zu dem Haus, in das sie dann einsteigen, sondern lassen das Fahrzeug entfernt davon stehen.“ Und er bittet die Bürger, Autos und deren Kennzeichen zu melden, die nicht in das Wohngebiet hinein passen. „Selbst wenn das in einem konkreten Fall nichts bringt, lässt sich gerade bei überörtlich agierenden Banden manchmal schon ein Zusammenhang herstellen, der zur Überführung führen kann.“

Die rosa Zettel haben die betroffen Hauseigentümer übrigens trotzdem abgeknibbelt. Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste . . . 

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