Coolness-Training
Kultur des Hinschauens

Reckenfeld -

Beim Coolness-Training in der Erich-Kästner-Grundschule geht es nicht darum zu lernen, wie man einen auf dicke Hose macht. Eher das Gegenteil ist gefragt: in Konfliktsituationen souverän und ruhig – eben cool – bleiben.

Mittwoch, 16.12.2015, 17:12 Uhr

Im Laufe eines Schuljahres nehmen nacheinander alle zweiten Klassen am Training teil.  Die Kinder sind mit viel Spaß bei der Sache, auch wenn mitunter unangenehme Dinge thematisiert werden müssen.
Im Laufe eines Schuljahres nehmen nacheinander alle zweiten Klassen am Training teil.  Die Kinder sind mit viel Spaß bei der Sache, auch wenn mitunter unangenehme Dinge thematisiert werden müssen. Foto: oh

Cool sein – klar, das will doch (fast) jedes Kind. Doch beim Coolness-Training in der Erich-Kästner-Grundschule geht es nicht darum zu lernen, wie man einen auf dicke Hose macht. Eher das Gegenteil ist gefragt: in Konfliktsituationen souverän und ruhig – eben cool – bleiben oder idealerweise mit Besonnenheit und Voraussicht dafür sorgen, dass solche brenzligen Situationen erst gar nicht entstehen.

Derzeit durchläuft die Klasse 2b das zehnwöchige Training. Einmal pro Woche steht eine Doppelstunde im Stundenplan. Im Laufe des Schuljahres sind alle zweiten Klassen nacheinander an der Reihe, eingangs der dritten Klasse wird das Erlernte nochmal aufgefrischt. Die Schule verspricht sich davon eine „Kultur des Hinschauens und des friedfertigen Einmischens.“

Das Modell hat sich erfolgreich etabliert. 2006 gab es erste Gespräche, 2007 wurde das Training erstmals angeboten, wie Schulleiterin Christel Heisler berichtet. Kollegium und Eltern sind angesichts der sehr positiven Erfahrungen motiviert, das Training jedes Jahr aufs Neue anzubieten, so dass jedes Kind im Laufe seiner Kästner-Zeit einmal in den Genuss kommt.

„Es geht darum, dass Kinder dazu befähigt werden, Konflikte friedfertig zu lösen“, erläutert Britta Kleimann von der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland, die das Training zusammen mit Laura Bücker leitet. Wertschätzung, Verantwortung, das Einhalten von Regeln und die Achtung vor Mitschülern und Lehrern – davon profitiert jedes einzelne Kind und damit letztlich auch die Klassengemeinschaft. Was Wertschätzung heißt, demonstrieren die Trainerinnen schon zu Beginn einer jeden Stunde: Jedes Kind wird mit Handschlag und einem warmen Spruch begrüßt. Wer erlebt, wie ruhig die Kinder beim Betreten des Gruppenraumes sind, ahnt, welchen Effekt das Coolnesstraining haben kann.

Das präventive Training umfasst verschieden Übungen, Spiele und Rituale, die letztlich alle bewirken sollen, die Achtsamkeit zu erhöhen. Beispiel: Wenn Situationen zur Sprache kommen, in denen sich Kinder ausgegrenzt fühlten, melden sich in der Regel rasch viele andere Kinder, die etwas ähnliches schon erlebt haben.

„Die zehn Wochen sind nur der Startpunkt, ein Impuls“, sagt Britta Kleimann. „Es kommt darauf an, dass das gelebt wird“, bestätigt Laura Bücker. Doch an der Kästner-Grundschule finde man gute Rahmenbedingungen vor, weil die Lehrer bereit seien, die Trainingsinhalte auch in den Unterricht zu integrieren.

Das Training lässt sich die Schule immerhin 6000 Euro pro Jahr kosten. 1500 Euro steuert die Kreissparkasse bei, deren Filialleiterin Rabea Kubetzko sich gestern einen Eindruck vor Ort verschaffte. 1000 Euro (Heisler hofft auf künftig 1500 Euro) steuert das Jugendamt bei, den Rest übernimmt der Förderverein der Schule.

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