Es geht um Leben und Tod
Ringforum des Kreisdekanats Steinfurt eröffnet / Tabu-Thema aus der Mitte des gesellschaftlichen Lebens

Greven -

Bei einem Themenabend im Haus der Begegnung ging es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod. Mit „menschlichen Herausforderungen“ befasst sich das Ringforum des Kreisdekanats Steinfurt, das am Mittwochabend in Greven eröffnet wurde. Bis Dezember sind insgesamt vier Veranstaltungen im Münsterland geplant.

Donnerstag, 03.03.2016, 16:03 Uhr

Ringforum des Kreisdekanates Steinfurt: Die Auftaktveranstaltung im Haus der Begegnung stieß auf Interesse.
Ringforum des Kreisdekanates Steinfurt: Die Auftaktveranstaltung im Haus der Begegnung stieß auf Interesse. Foto: Stefan Bamberg

Das muss man sich einmal vorstellen: „Da wacht man auf und ist plötzlich tot“. Rainer Holl schaute vergnügt-verdattert in die Runde. Der Poetry-Slammer aus Dortmund eröffnete den Themenabend im Haus der Begegnung, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod ging. Mit „menschlichen Herausforderungen“ befasst sich das Ringforum des Kreisdekanats Steinfurt, das am Mittwochabend in Greven eröffnet wurde. Bis Dezember sind insgesamt vier Veranstaltungen im Münsterland geplant. Die sind thematisch in das Motto „Ecce Homo“ („Seht, da ist der Mensch“) eingebettet – unter eben diesem Leitsatz wird auch der 100. Katholikentag stehen, der Ende Mai in Leipzig stattfindet.

Zum Auftakt ging es also um den Umgang mit dem Sterben und dem Tod – aber auch um das Leben, zumindest für Rainer Holl, denn: „Tod und Sterben klingt so pessimistisch.“ Der Poet rief vor allem dazu auf, die Zeit auf Erden zu genießen. „Leber, duck‘ Dich!“ – dieser launige Ausruf zog sich durch seinen Beitrag. Und er gelte auch übers Lebensende hinaus: Denn sogar Beerdigungen fielen dadurch auf, dass dort eigentlich immer gut gegessen und getrunken werde. Was allerdings schon bei Holl durchklang: Es gibt Angenehmeres, als sich mit der Endlichkeit des Lebens zu beschäftigen. Der Tod wird ausgeblendet, dabei sei er doch ein Thema mitten aus dem gesellschaftlichen Leben.

Das betonten auch die Mitarbeiterinnen des Kreis-Hospizes „Haus Hannah“, Kooperationspartner bei der Organisation der Veranstaltung. Auch der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul stellte diesen Aspekt – den Tod als Teil des Lebens – in den Mittelpunkt seines Vortrags. Für den Theologen stellt die Auseinandersetzung mit dem Sterben gar eine „Gretchenfrage des christlichen Glaubens“ dar.

Zeit seiner beruflichen Laufbahn hat sich Paul für die Förderung der Hospizarbeit und der palliativen Versorgung unheilbar kranker Patienten engagiert. Da war es logisch, dass er zu dem Schluss gelangte: Ein Sterben in Würde sei nur „an der Hand, aber nicht durch die Hand eines Menschen“ möglich. Er plädierte somit vehement gegen die Legalisierung der (in Deutschland verbotenen) aktiven Sterbehilfe und für die Verbesserung der Sterbebegleitung durch Hospize und Palliativmedizin. Die Aussicht, dass Ärzte sonst unter Umständen vom Heiler zum Sterbehelfer würden, sei nicht hinnehmbar. Ebenso bestehe die Gefahr, dass Schwerstkranke Sterbehilfe in Anspruch nähmen, um ihren Angehörigen nicht zur Last zu fallen. Paul resümierte: „Der Mensch ist nicht nur dann Mensch, wenn er sozialverträglich ist“. Zur Einzigartigkeit des Menschen gehöre auch sein individueller Tod.

Theo Pauls Argumentation ist ganz sicher hörenswert und fundiert, aber eben auch – was niemanden verwundern durfte – einseitig und eben christlich geprägt. Man hätte unken können: Viel katholischer ging‘s nun wirklich nicht mehr. Um eine ernsthafte Diskussion zu ermöglichen, wäre ein die Gegenmeinung vertretender Vortrag interessant gewesen. Neugierige, aber eher kirchenferne Besucher dürfte der Abend – trotz der unterhaltsamen Poetry-Slammer, zu denen sich am Ende auch noch der Münsteraner Jens Kotalla gesellte – nicht wesentlich weitergebracht haben.

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