Post-Zustellung
Briefkästen bleiben montags leer

Greven/Reckenfeld -

Montags kommt die Post nie – dem latenten Vorwurf der Untätigkeit tritt der Postsprecher auf Anfrage deutlich entgegen. Ja, man trage montags fast keine Post aus, aber eben nur, weil samstags fast nichts versendet werde. Was an dem Tag an regulären Briefen vorliege, werde auch ausgetragen.

Donnerstag, 14.04.2016, 16:04 Uhr

Weil gewerbliche Kunden wie Praxen, Behörden und Unternehmen samstags in der Regel keine Post versenden, gibt es montags so gut wie nichts zu verteilen. Der Eindruck für Verbraucher: Montags wird bei der Post nicht gearbeitet.  
Weil gewerbliche Kunden wie Praxen, Behörden und Unternehmen samstags in der Regel keine Post versenden, gibt es montags so gut wie nichts zu verteilen. Der Eindruck für Verbraucher: Montags wird bei der Post nicht gearbeitet.   Foto: Oliver Hengst

Montags ist nie Post im Kasten. Mal kommt tagelang nichts, dann alles auf einen Schlag. Pakete bleiben liegen. Briefe sind über eine Woche unterwegs. Die Vorwürfe, die Reckenfelder an die Redaktion herangetragen und zum Teil auch bei Facebook thematisiert haben, sind nicht ganz neu. Immer wieder sieht sich die Post mit Beschwerden über vermeintlich mangelhafte Zustellung konfrontiert.

Das Montags-Thema nimmt Post-Sprecher Rainer Ernzer zum Anlass, mit dem latenten Vorwurf aufzuräumen, die Post mache sich „einen schlanken Fuß“. Was samstags versendet werde, werde auch montags zugestellt. Aber: Rund 80 Prozent der Post sei gewerblicher Art. Und Behörden, Praxen und Firmen würden eben ihre Post überwiegend montags bis freitags einwerfen, nicht aber samstags. Insofern gebe es montags kaum etwas zuzustellen. „Es ist nicht so, dass der Briefträger montags nicht da wäre oder keine Lust hat, es gibt einfach kaum Post, die ausgetragen werden muss.“ So entstehe der falsche Eindruck, die Post mache sich montags bewusst „dünne“.

Noch nicht mal fünf Prozent der regulären Post würde am Montag zugestellt. Seitdem „Focus“ und „Spiegel“ nicht mehr montags, sondern samstags erscheinen, sei der Anteil sogar noch mal zurückgegangen. Der Postsprecher räumt allerdings auch klar ein: „Werbepost stellen wir montags nicht zu, das wissen unsere Kunden. Das lohnt sich einfach nicht.“ Presseerzeugnisse und reguläre, vollbezahlte Briefe jedoch würden montags – so sie denn vorlägen – selbstverständlich von den Briefträgern zugestellt.

Montags hätten die Briefträger nur einen Bruchteil der bis zu 1500 Sendungen auszutragen, die normalerweise anfallen. Deshalb seien sie auch deutlich eher mit ihre Runde durch. Was inzwischen auch entsprechend in die Dienstpläne eingearbeitet wurde. Dauert ein normaler Arbeitstag bis 16 oder 17 Uhr, so seien viele Austräger montags schon um 10 Uhr fertig. Unter dem Strich kämen sie so dennoch auf eine ganz reguläre 38,5 Stunden-Woche.

Weitere Schilderungen von Postkunden – etwa über einen Brief, der von Greven nach Coesfeld rund eine Woche brauchte, oder eine erst dienstags zugestellte Werbebeilage „Einkauf aktuell“ (ausgerechnet herausgegegeben von der Post) stuft Ernzer als „Einzelfälle“ ein, die man ohne konkrete Angaben kaum nachprüfen könne. Natürlich könne er auch nicht ausschließen, dass es in den konkreten Fällen Probleme gegeben habe. „Doch das kann zig Gründe haben.“

Was er nachprüfen konnte: die Schilderung einer Postkundin, die am Mittwoch eine Szene in der Agentur an der Alten Münsterstraße in Greven miterlebte. Dort hätten die Agentur-Mitarbeiter auf Nachfrage erklärt, man wisse nicht, ob das Paket heute noch raus gehe. Gestern, also Dienstag, seien die Pakete auch schon nicht abgeholt worden. Als Erklärung wurde der Kundin ein „hoher Krankenstand im Paketzentrum in Reckenfeld“ genannt.

Stimmt nicht mal zur Hälfte, betont der Postsprecher. Es habe am Dienstag eine kurzfristige Erkrankung eines einzelnen Fahrers geben, auf die man nicht mehr habe reagieren können. Daher seien tatsächlich Pakete liegen geblieben, Briefe wurden aber abgeholt. „Das war natürlich anders geplant. Dafür können wir uns nur entschuldigen“, bittet Ernzer um Verständnis. Die angeblich in der Agentur getätige Aussage von hohem Krankenstand sei „natürlich Unsinn“. Die Pakete seien mit einer Sonderfahrt am Mittwochmorgen abgeholt worden. „Das kann halt immer mal passieren, dass eine solche ungeplante Situation entstehen kann.“

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