Grandseigneur Robert Kreis schenkt seinem Publikum eine mitreißende Reise in eine legendäre Zeit
Die Zwanziger frisch aufpoliert

Greven -

„Manche mögen‘s Kreis!“ war eine Hommage an das Couplet „Manche mögen‘s heftig, manche mögen‘s heiß“, passte wunderbar zu diesem Grandseigneur der gehobenen Unterhaltung. Wenn er von Erlebnissen mit Hans Heesters plauderte, dann war dies einfach köstlich unterhaltsam. Aber Robert Kreis wusste auch den Bogen über die Jahrzehnte zur Gegenwart zu schlagen, die „Hymne an alle ungeborenen Deutschen“ aus dem Jahre 1903 passte bestens in die politische Situation des hier und jetzt.

Montag, 18.04.2016, 06:04 Uhr

Robert Kreis spannt den Bogen vom reinen Schlager bis zur hintergründigen Ballade
Robert Kreis spannt den Bogen vom reinen Schlager bis zur hintergründigen Ballade Foto: Axel Engels

Ein Abend mit Robert Kreis ist wie eine Reise in die Vergangenheit, ins Berlin der goldenen 20er Jahre. Der international renommierte Kabarettist und Entertainer hatte mit seinem Charme die Herzen Publikums in der ausverkauften Kulturschmiede sofort erobert.

Die Musikliebhaber erlebten die Perlen der Weimarer Zeit ganz authentisch präsentiert von einem Künstler, der gleichsam diese Zeit verinnerlicht hat und mit Brillanz zu präsentieren weiß. Er eröffnete stilecht den Abend mit dem bekannten Lied von Hans Albers und den Commedian Harmonist „Hoppla, jetzt komm‘ ich“. Und von da an ging es mit Eleganz und Leichtigkeit durch das bewegte Leben dieses sympathischen Künstlers.

Mit seinem Menjou-Bärtchen und einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen entführte er das Publikum in seine eigene Kindheit, erlebte man den Zauber südländischer Inseln hautnah. Der Mann, der die ersten zehn Jahre seines Lebens auf Jawa verbracht hat, wusste die Kolonialzeit bestens zum Leben zu erwecken. Wenn der Tango „Eine Nacht auf Java“ von Fritz Rotter in der Kulturschmiede erklang, war wohl jeder diesem grandiosen Meister verfallen.

Seit über 40 Jahren steht der gebürtige Niederländer mit Berliner Wahlheimat auf den Bühnen der Welt, fühlte sich in Greven an diesem Abend wohl besonders wohl. Seine Bühnen-Biografie beinhaltete nicht nur Kostbarkeiten aus der Schellack-Zeit, auch Anekdoten aus seinem eigenen Leben ließen den Abend zu einem farbenprächtigem Bild werden.

„Manche mögen‘s Kreis!“ war eine Hommage an das Couplet „Manche mögen‘s heftig, manche mögen‘s heiß“, passte wunderbar zu diesem Grandseigneur der gehobenen Unterhaltung . Wenn er von Erlebnissen mit Hans Heesters plauderte, dann war dies einfach köstlich unterhaltsam.

Aber Robert Kreis wusste auch den Bogen über die Jahrzehnte zur Gegenwart zu schlagen, die „Hymne an alle ungeborenen Deutschen“ aus dem Jahre 1903 passte bestens in die politische Situation des hier und jetzt. „Irgendwo auf der Welt gibt‘s ein kleines Stückchen Glück“, mit dem die Commedian Harmonists oftmals ihre Konzerte beendet haben, interpretierte Robert Kreis mit Innigkeit und Ergriffenheit, bei ihm war nichts aufgesetzt, sondern bis in die letzte Zeile glaubhaft. Dieses Lied mit all seinem Tiefgang ergriff einfach jeden.

Robert Kreis wusste als Großmeister der Mimik jedem Wortspiel eine humoristische Attitüde zu geben, ihm ging es nicht um Gassenhauer oder oberflächliche Effekte. In seinem eleganten Anzug wirkte er wie ein übriggebliebenes Relikt vergangener Zeiten. Er spannte den Bogen vom reinen Schlager bis zur hintergründigen Ballade, griff dabei ganz tief in die Schatzkiste von Tango, Charleston bis Foxtrott.

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