„Buschtrommel“ in der Kulturschmiede
Wenn der Sigmar den Merkel-Blues hat

Greven -

Mit der Buschtrommel kam ganz hoher Besuch aus der Bundeshauptstadt nach Greven. Bei ihrem Gastspiel in der Kulturschmiede widmete sich das Kabarett-Duo in alten und neuen Stücken Themen aus Gesellschaft und Politik - wohl nicht immer zu deren Gefallen.

Montag, 16.05.2016, 19:05 Uhr

Hinreißende Mimik: Andreas Breiing verkörpert die unterschiedlichsten Typen.
Hinreißende Mimik: Andreas Breiing verkörpert die unterschiedlichsten Typen. Foto: Axel Engels

Die Buschtrommel hat wahrlich Kabarettgeschichte geschrieben, weit über die Grenzen des Münsterlandes hinaus sind Andreas Beiing und Ludger Wilhelm als Garanten für bitterböse Abrechnungen mit diversen Großköpfigen aus Politik und Wirtschaft bekannt. Mit ihrem aktuellen Programm „Schonungslos“ boten sie am Freitag vor fast 100 Liebhabern feinsten Kabaretts in der Kulturschmiede einen Rückblick auf über 20 Jahre, wobei sie selbst „ältere“ Nummern mit der jeweils passenden Prise an tagesaktuellen Bezügen würzten.

Schon beim ersten Lied war ein intensives Band zwischen den beiden sympathischen Akteuren und dem Publikum geknüpft, und bei sekundenschnellen Wortgefechten stieg die Stimmung im Saal. Andreas Breiing und Ludger Wilhelm haben ihr Handwerk eben von der Pieke auf gelernt. Lang war ihr Weg vom Studentenkabarett „Schulte-Brömmelkamp“, selbst Kollegen wie Volker Pispers, Georg Schramm, Urban Priol und Jürgen Becker haben sich in der Vergangenheit immer wieder ihrer Unterstützung versichert. Wenn sie als ehrwürdige Rentner sich der Misere im Gesundheitswesen annahmen mit Sprüchen wie „Gebisse gibt es für Kassenpatienten nur noch in drei Größen: Mann Frau und Bernard Überbiss“ oder die allgegenwärtige Verarmung mit „Es gibt ja sogar Leute, die klauen bei KiK “ aufs Korn nahmen, dann streuten sie genüsslich Salz in gesellschaftliche Wunden.

Mit der Buschtrommel kam aber auch ganz hoher Besuch aus der Bundeshauptstadt nach Greven . Sigmar Gabriel , irrtümlich als Günther angekündigt, sang zum Vergnügen aller seinen „Merkel-Blues“, und das ewige Opfer der Buschtrommel Ronald Pofalla erlebte man in der Kulturschmiede verkörpert durch den mit überragender Schauspielkunst gesegneten Andreas Breiing. Beim Politikerstyling wurde dann unter fachkundigen Anweisungen von Ludger Wilhelm aus ihm der Prototyp des erfolgreichen Akteurs im politischen Alltagswahnsinn.

Mit Akribie und großem Sachverstand zerlegten die Kabarettisten Henry Kissinger. Die Demaskierung dieses bekannten Politikers als Liebling lateinamerikanischer Diktaturen und Strategen im Vietnamkrieg war einer der Höhepunkte dieses an Brillanz nur so strotzenden Abends. Sie schlüpften genüsslich in die unterschiedlichsten Rollen, ließen dann ihre Opfer süffisant in alle nur denkbaren Fettnäpfchen stolpern. Mit vier Koffern bewaffnet tanzten sie einen fast sinnlichen Managertango. Der Abend hielt nur einen Wermutstropfen für das begeisterte Publikum bereit – die Zeit verging einfach viel zu schnell bei solch kabarettistischem Feuerwerk.

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