Serie „Mein Arbeitsplatz“: Eisdiele auf Achse
Hier kommt der Sommer

Reckenfeld -

Früher gehörten sie zum Alltag, heute sind Eiswagen in den Wohnvierteln eher eine Rarität. Das Reckenfelder Eiscafé San Remo zieht deshalb mit seinem Gefährt die Blicke auf sich.

Dienstag, 09.08.2016, 18:08 Uhr

Hassan Ammar freut sich, wenn kleine (und große) Eis-Fans auf die Straße strömen, um sich eine Portion Sommer zu gönnen. Mit der mobilen Eisdiele fährt er bei gutem Wetter durch die Wohnviertel.
Hassan Ammar freut sich, wenn kleine (und große) Eis-Fans auf die Straße strömen, um sich eine Portion Sommer zu gönnen. Mit der mobilen Eisdiele fährt er bei gutem Wetter durch die Wohnviertel. Foto: Oliver Hengst

Wenn Hassan Ammar mit seinem Wagen ins Viertel einbiegt, ist das nicht zu überhören. Aus gutem Grund. Er hat etwas zu verkaufen: frisches Eis. Damit er sich aber nicht wie ein Schrotthändler anhört, hat er ganz besondere Musik zusammengestellt: Schlumpf-Titel und andere – sagen wir: besondere Kinder-Lieder. Das mag nicht immer schön klingen, aber es verschafft ihm die Aufmerksamkeit, die er sucht.

Und der Plan scheint aufzugehen: Regelmäßig ist Hassan Ammar mit seinem Eiswagen in Greven, Reckenfeld und Emsdetten unterwegs. „Wenn die Kinder die Musik hören, wissen

  Foto: Oliver Hengst

sie sofort Bescheid und laufen auf die Straße“, hat er festgestellt. Und nicht nur die Kleinen: „Auch die Erwachsenen wollen dann ein Eis“, erzählt er freudestrahlend. Offenbar weckt das Gefährt Erinnerungen an frühere Zeiten – als Eis häufig auf diese Weise zum Kunden gebracht wurde. Heute hingegen ist ein Eiswagen eine echte Rarität.

Hassan Ammar freut sich – nicht nur aus ökonomischen Gründen – darüber, dass seine Idee so gut ankommt. Er ist Eisverkäufer aus Leidenschaft – was gibt es da schöneres, als Kunden, die das honorieren? Haben die Kunden Spaß an seinem Service, hat auch er Spaß an seiner Arbeit.

Im vergangenen Jahr hat das Eiscafé San Remo (Grevener Landstraße in Reckenfeld) den Eiswagen-Versuch gestartet, berichtet Café-Inhaberin Ola Ahmad . Die Neuerung kam so gut an, dass man sich im Mai diesen Jahres ein größeres Fahrzeug anschaffte, und es nach eigenen Vorstellungen umbauen und ausstatten ließ: ein mobiler Arbeitsplatz nach eigenem Gusto.

„14 Sorten Eis passen da rein“, berichtet Hassan Ammar stolz. Im ersten Wagen waren

  Foto: Oliver Hengst

es nur acht Sorten. „Wenn der Motor aus ist, arbeitet die Kühlung noch acht Stunden weiter. Sechs Batterien sorgen dafür.“ Das Auto bietet Platz für bis zu zwei Mitarbeiter, die am mobilen Tresen gleichzeitig Kundenwünsche abarbeiten können – in der Besetzung geht es im Wagen-Innern allerdings etwas kuschelig zu. „Man gewöhnt sich daran“, sagt Hassan Ammar schmunzelnd.

Die Regel ist die Doppelbesetzung allerdings nicht. Meistens sind Hassan Ammar oder eine San-Remo-Aushilfe allein mit dem Opel unterwegs. Chefin Ola Ahmad, die einst mit 14 Jahren in einer Emsdettener Eisdiele in der Branche begann, setzt sich nur in Ausnahmefällen hinters Steuer.

Die Schränke und Schubladen bieten genug Platz für Saucen, Nüsse, Streusel und Co.

  Foto: Oliver Hengst

Und nicht nur das. Auch eine Sahnemaschine und eine Spaghetti-Presse sind an Bord. Das macht es möglich, das volle Programm der San-Remo-Karte auch unterwegs anzubieten – inklusive üppiger Eisbecher mit allem drum und dran.

„Wenn das Wetter gut ist, fahren wir damit los in die Wohngebiete“, schildert Ola Ahmad. „Aber nicht dorthin, wo es andere Eisdielen gibt. Wir wollen denen ja keine Konkurrenz machen.“

Oft werden die libanesischen Reckenfelder auch zu Festen bestellt. Ob Kindergeburtstage oder Betriebsfeier, Altenheim-Fest oder Hochzeit, Sportveranstaltung oder Beach-Event: Meistens ist der Wagen schnell umringt von kleinen und großen Schleckermäulern.

  Foto: Oliver Hengst

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