Inklusion im Berufsleben
Erst Outlaw gibt Maren eine Chance

Greven -

Drei spannende Monate liegen hinter Maren Hesse, die bei ihrem Praktikum in der Personalabteilung der zentralen Geschäftsstelle in Greven viele wertvolle Erfahrungen machen konnte. Aber nicht nur sie, auch die Mitarbeiter der Outlaw gGmbH haben viel dazugelernt, denn Maren hat ein Handicap: Ihr Sehvermögen ist stark eingeschränkt; sie kann einige Farben erkennen, Umrisse und Kontraste, doch alles nur sehr verschwommen.

Mittwoch, 17.08.2016, 18:08 Uhr

Maren Hesse wollte eigentlich nicht im Personalbereich arbeiten, aber jetzt kann sie sich vorstellen,
Maren Hesse wollte eigentlich nicht im Personalbereich arbeiten, aber jetzt kann sie sich vorstellen, Foto: outlaw

„Ich mache meine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beim Blindenbildungswerk Soest “, berichtet die 27-Jährige.

Während der dreijährigen Ausbildung sind 26 Wochen Praktikum vorgesehen. „Aber viele Firmen haben trotz der Diskussion um Inklusion immer noch Vorbehalte oder schrecken vor eventuellen Problemen zurück, die die Beschäftigung eines sehbehinderten Mitarbeiters mit sich bringen könnte“, so Hesse . „Ich habe sehr viele Bewerbungen geschrieben und leider meistens Absagen erhalten.“

Aufgrund dieser Situation gibt es ein Netzwerk von Übungsfirmen, in denen man praktische Erfahrungen für den Alltag in einem „echten“ Unternehmen sammeln kann. „Wir lernen dort unter sehr realistischen Bedingungen alles, was man bei seiner Arbeit können muss. Auch Problemsituationen und schwierige Gespräche sind Thema. Trotzdem ist diese simulierte Realität nicht das gleiche wie die Arbeit in einem realen Unternehmen“, sagt Maren Hesse. „Man fährt mit einem ganz anderen Ernst zur Arbeit, wenn man weiß, dass sie echt ist.“

Über Kontakte zu Gerald Mennen , geschäftsführender Vorstand von Outlaw.die Stiftung, motivierte ihre Vorgesetzte sie, sich bei der Outlaw gGmbH zu bewerben – mit Erfolg, denn nach einem guten Bewerbungsgespräch erhielt sie schon ein paar Tage später die Zusage.

Beide Seiten wussten nicht, worauf sie sich einlassen, aber haben sich der unbekannten Situation gestellt: „Vor meinem ersten Tag hatte ich schon Respekt. Ich wusste nicht, wie ich den Kollegen vermitteln soll, wie und was ich sehen kann und hatte Bedenken, ob alles reibungslos funktioniert.“

Auch die Mitarbeiter in Greven waren unsicher, wie sie mit Maren umgehen sollen, ob und wie viel Hilfe sie benötigt - völlig zu Unrecht, wie sich im Nachhinein herausstellte.

„Es war für uns alle eine tolle Erfahrung, zu sehen, wie offen Maren mit ihrem Handicap umgeht“, berichtet Personalleiterin Daniela Keßling.

Maren Hesse hat auch viel mitgenommen: „Ich wollte eigentlich nicht im Personalbereich arbeiten, aber bei meinem Praktikum habe ich dieses Arbeitsfeld mit allen Aufgaben und Anforderungen kennenlernen dürfen und kann mir jetzt gut vorstellen, nach meiner Ausbildung in diesem Bereich tätig zu werden.“

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