Windbauern nach dem Ratsbeschluss
„Das ist die größte Enttäuschung meines Lebens“

Greven -

Die fünf Bauern haben noch für dieses Jahr mit der Genehmigung für ihre geplanten Windkraftanlagen gerechnet. Doch Bürgerprotest, gefolgt von einem entsprechenden Ratsbeschluss, hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Das ist die größte Enttäuschung meines Lebens“, sagt „Windbauer“ Matthias Langkamp dazu.

Freitag, 09.09.2016, 18:09 Uhr

Die Männer der Bürgerwind GmbH schieben jede Menge Frust.
Die Männer der Bürgerwind GmbH schieben jede Menge Frust. Foto: Peter Beckmann

Es ist der Tag danach. Der Tag, nachdem – so die einhellige Meinung – das Kind in den Brunnen gefallen ist. Den fünf Männern ist der Frust anzusehen. Und sie bringen ihn auch zum Ausdruck. „Das ist die größte Enttäuschung meines Lebens“, sagt Matthias Langkamp . Jörg Uennigmann spricht gar von Vertrauensbruch. Die Männer, die da sitzen und zum Pressegespräch gebeten haben, planen seit fast fünf Jahren für die Bürgerwindräder, deren Bau sich jetzt nach der Entscheidung des Rates für Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen und gegen Einzelgenehmigungen (unsere Zeitung berichtete) wohl noch um ein paar Monate oder Jahre verzögern wird.

Aber warum erst jetzt? Warum suchen die Windmüller in spe erst jetzt die Öffentlichkeit, wo doch alles entschieden ist? „Wir haben seit fünf Jahren geplant, in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und der Politik. Wir haben nie negative Reaktionen bekommen. Und deswegen haben wir uns in den vergangenen Tagen und Wochen entschieden, den Ball flach zu halten, wir wollten nicht provozieren“, sagt Stephan Eilers, Geschäftsführer der Bürgerwind Greven . „Wir hatten Vertrauen in die Politik.“ Doch das sei nun weg. „Von Vertrauen kann keine Rede mehr sein“, ergänzt Langkamp.

Dabei haben die Männer so viel zu entgegnen, haben jede Menge zu sagen zu den Argumenten der BI Gegenwind und den anderen. Nein, es gehe hier nicht darum, dass sich einige Wenige die Taschen voll stopfen. „Ganz im Gegenteil, wir haben ja alles daran gesetzt, möglichst viele bei dem Projekt Bürgerwind Greven zu beteiligen“, verdeutlicht Karl-Heinz Zurhold . Es habe keine Gefälligkeitsgutachten gegeben, und nein, Greven sei nicht die einzige Kommune gewesen, die auf Konzentrationsflächen verzichten wollte und nein, Anlagen außerhalb der im Vorfeld ausgearbeiteten Konzentrationsflächen seien gar nicht möglich.

„Wir haben viel Geld, viel Arbeit, viel Engagement in das Projekt gesteckt. Immer im Vertrauen auf die Politik. Und die hat jetzt rein emotional mit einer Bauchentscheidung das ganze Projekt gekippt“, sagt Langkamp, betont aber, dass sie alle weiter machen werden. „Wir haben viel Geld in das Projekt hineingesteckt, wir stehen bei den 90 Grundstückseigentümern und den bislang 150 Beteiligungsinteressierten im Wort, Das Projekt einstampfen geht da gar nicht.“

Ja, und wie geht es jetzt weiter? „Wir sind auf Vorgaben der Stadt angewiesen, wir brauchen Planungssicherheit“, sagt Langkamp. Klar sei aber: „Es werden aufgrund der Entscheidung weitere Kosten auf uns, aber auch auf die Stadt zukommen.“

Und dann noch ein letzter Hieb in Richtung Rat. „Jemand, der über ein 75-Millionen-Euro-Projekt entscheidet, sollte die Pläne kennen. Das war hier aber wohl nicht der Fall“, sagt Zurhold. Und noch immer ist ganz viel Frust in seiner Stimme zu hören.

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