Lisa Fitz im Ballenlager
Bissig bitterböse Bayerin

Greven -

Als „Sozi-Tonne“ Gabriel, Wolfgang Clement, die „Wanderhure“, oder Angie, der „ferngesteuerte Hosenanzug“ – egal in welcher Rolle sie auftauchte, Lisa Fitz begeisterte.

Sonntag, 23.10.2016, 15:10 Uhr

Die Rollenschlüpferin  Lisa Fitz.
Die Rollenschlüpferin  Lisa Fitz. Foto: Jannis Beckermann

Eigentlich ist der erste Eindruck schon das perfekte Bild. Eine Frau, die mit dem Besen auskehrt? Eine, die keine Wunde auslässt, um Salz hinein zu streuen? Ja, diese Rolle der herrlich zeternden Putzfrau, mit der sie ihr Programm beginnt, passt wie angegossen zur Kabarettistin Lisa Fitz . Frech und ohne Scheu tigert die Bayerin über die Ballenlager-Bühne und alle, wirklich alle kriegen ihr Fett weg. Egal ob die personifizierte Perspektivlosigkeit à la „Sozi-Tonne“ Gabriel, Wolfgang Clement , die „Wanderhure“, oder Angie, der „ferngesteuerte Hosenanzug“.

Derb, bissig, bitterböse lästernd, auch mal übers Ziel hinaus. Keine Frage: Der direkte, satirische Ton, der ist und blieb auch am Samstagabend bei ihrem Greven-Gastspiel die Marke von Lisa Fitz. In gleich vier Rollen – von der Feministin bis hin zur CSU-Abgeordneten – seziert sie mit bayrischem Sing-Sang in der Stimme „die da oben“ genauso wie „uns da unten“, gell?

Die Bandbreite fängt beim Alltagsleben an. Verkehrsschilderwald, faule Männer und Wohnwagen-fahrende Holländer – manchmal sind die Witze auch etwas plump, etwas anzüglich, nah am Klischee, aber eben spitz und schwarz wie die Nacht. Die Plenarsäle der Parlamente? „Sind so leer wie die Wahlversprechen.“ Und das Fußball-Tor ist der Sex-Ersatz des Mannes, wenn er schreit: „Ja, er ist endlich drin.“

Woanders macht sich Lisa Fitz als rothaarige Reporterin über die „Bildschirmsklaven“ und ihre, unsere ewig brummenden Smartphones lustig. „Mit gesenktem Kopf laufen wir heute sogar schon gegen Laternen“, schlussfolgert sie konsequent.

Am direktesten allerdings wird Fitz als russische Geheimagentin, die ihrem Publikum per Laserpointer auf der Weltkarte die Geo-Strategie Obamas erklärt. Frieden? Menschenrechte? Alles Pappe. Öl und Geld regieren die Welt, sagt Lisa Fitz fast schon nüchtern, ernst auf den Punkt gebracht.

Melancholisch nachdenklich gibt sich die burschikose Dame auch in ihren Liedern, die zwar nicht immer musikalisch brillieren, dafür aber inhaltlich sitzen. Besonders etwa beim finalen „Nacht werd’s“, das sie einst mit Kollege Konstantin Wecker komponierte. Es ist ein stiller, gefühlvoller Blick in die Fitz‘sche Bayern-Seele.

Ohnehin: Die bayrischen Spezl dürfen am Ende natürlich auch nicht fehlen. Die CSU ist so verfilzt wie der Gams-Hut, den Fitz sich auf den Kopf setzt und schließlich übers Seehofer‘sche „Horstifat“ sinniert. Der Defiliermarsch sorgt dann für den passenden Abgang. Deftig gut. So wie Lisa Fitz.

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