Gerichtsverhandlung
Schwarzfahrer muss in den Knast

Greven -

Wegen zwei Schwarzfahrten mit der Westfalenbahn verurteilte das Jugendschöffengericht in Rheine einen inzwischen 21-jährigen Mann aus Greven zu zehn Monaten ohne Bewährung.

Montag, 24.10.2016, 19:10 Uhr

Fahrkartenkontrolle: Gleich zweimal wurde der junge Mann aus Greven ohne gültigen Fahrschein in der Westfalenbahn erwischt.
Fahrkartenkontrolle: Gleich zweimal wurde der junge Mann aus Greven ohne gültigen Fahrschein in der Westfalenbahn erwischt. Foto: DB AG Taubert

In dem Urteil enthalten ist eine Bewährungsstrafe aus dem Jahr 2014 vom Amtsgericht Nordhorn von acht Monaten wegen Urkundenfälschung und mehr. Dass er bei den Schwarzfahrten unter Bewährung stand und ihn das offensichtlich nicht interessierte, wie der Richter in der Urteilsbegründung sagte, muss er jetzt büßen.

Sein Bewährungshelfer sprach von Unzuverlässigkeit im Kontaktverhalten. Hinsichtlich seiner Berufspläne habe er naive Vorstellungen ohne Schulabschluss und ohne Lehre. Nachgefragt von der Staatsanwaltschaft , stellte sich heraus, dass er von morgens acht bis abends 22 Uhr als „Energieberater“ ohne Ausbildung unterwegs ist, „und den Leuten Verträge andreht“, wie er selbst sagte. Das Gericht kommentierte: „Bei Ihrer Vorgeschichte mit den vielen Vorstrafen ist das sicher nicht der richtige berufliche Weg“. Allerdings sah der Angeklagte das anders: „Hauptsache man hat Arbeit. Es spielt doch keine Rolle, was man macht.“

Der Staatsanwalt wurde in seinem Plädoyer deutlich: „Die Entwicklung geht immer mehr zu den Drückerkolonnen, die von Tür zu Tür gehen und den Leuten Energieverträge aufdrängen wollen, ohne irgendeine Ausbildung oder tatsächliche Ahnung von Energie zu haben.“ Er beantragte drei Monate ohne Bewährung, allerdings ohne die Vorstrafe von acht Monaten. Neben diesen Taten mit einem Schaden von 24,50 Euro hatte er von Ermittlungen wegen einer weiteren Schwarzfahrt erfahren. Der Angeklagte begründete die angeklagten Taten mit Geldmangel.

Der Jugendgerichtshelfer hatte dem Gericht schriftlich mitgeteilt, dass der Schwarzfahrer unter dramatischen Umständen aufgewachsen sei und ihm die Abschiebung drohe. Deswegen hätte er auch keine Arbeitslosenunterstützung beantragt, wie seine Mutter aus dem Zuhörerraum einwarf. „Wenn das Sozialamt zahlen muss, wird es schwierig mit seinem Aufenthalt“, sagte sie. Sein Vater sei bereits in den Kosovo abgeschoben worden.

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