Satomi Edo im Kunstturm
Nicht nur was für „Omma“

Greven -

Irgendwo zwischen Aktionskunst, Ostasien-Flair und eben Großmutters Wohnzimmer bewegt sich die neue Ausstellung von Satomi Edo im Kunstturm, die am Freitagabend eröffnet wurde.

Sonntag, 30.10.2016, 15:10 Uhr

Zwischen Omas Wohnzimmer   und Aktionskunst: Satomi Edos Ausstellung im Kunstturm kann seit Freitagabend bestaunt werden.
Zwischen Omas Wohnzimmer   und Aktionskunst: Satomi Edos Ausstellung im Kunstturm kann seit Freitagabend bestaunt werden. Foto: Stefan Bamberg

Für „Omma“ wäre ganz sicher auch was dabei. Die hat für Gesticktes immer was übrig, sonst würde sie es sich ja nicht in die Wohnung hängen. Obwohl: Manche der Stickbilder wollte nicht einmal Omma mehr haben und hat sie kurzerhand auf dem Flohmarkt vertickt. Und dann? Dann hat Satomi Edo zugegriffen – und etwas Neues daraus gezaubert, mal mit Papier, mal mit Nadel und Faden.

Irgendwo zwischen Aktionskunst , Ostasien-Flair und eben Großmutters Wohnzimmer bewegt sich die neue Ausstellung im Kunstturm , die am Freitagabend eröffnet wurde. Leer räumen, sich inspirieren lassen, fast alles neu machen – nach diesem Motto ist die japanische Künstlerin Satomi Edo vorgegangen. Das Resultat: „Jetzt ist es ein ganz anderer Raum“, meint Kunstverein-Vorsitzender Stephan Kube. Ein Raum, der selbst Kunstturm-Stammgäste noch überrascht, ja sogar austrickst.

Bestes Beispiel? Der markante Pfeiler in der Raummitte, der vom Erd- bis ins Dachgeschoss reicht. „Nanu, Klinker?“, wundert sich eine Besucherin, betastet das vermeintliche Gemäuer und bemerkt sogleich den Schwindel. Satomi Edo hat die wuchtigen Klinker der Fassade abgelichtet, daraus eine Fototapete gemacht und somit das Draußen nach drinnen verlegt. „Sozusagen als visuelle Klammer“, interpretiert Kunsthistoriker Dr. Stephan Trescher . „Die Künstlerin regt unsere Fantasie an und bringt unsere räumliche Vorstellung auf Trab.“

Andererseits: Die täuschend echte Klinker-Säule, sie sorgt durchaus auch für einen Schuss westfälische Bodenständigkeit – eben was für Omma. Doch bei diesem Eindruck bleibt es nicht, insbesondere in den beiden oberen Etagen des Kunstturms.

Dort hat Satomi Edo Videoinstallationen aufgebaut: ein schauriges Schattenspiel einerseits, andererseits einen Kurzfilm, der die Künstlerin bei einem Rundgang durch ein großes, einsames Zimmer zeigt. Worauf wartet sie? Ist sie auf der Suche?

Auf der Suche, erzählt Satomi Edo selbst, sei sie in ihrem Leben häufig gewesen: 2003 kam sie aus Japan zum Kunststudium nach Deutschland. „Längst meine zweite Heimat“, sagt Edo. Eine Heimat gleichwohl, in der sie an mehreren Orten zu Hause gewesen ist: In fünf deutschen Städten hat sie seither gelebt.

Ein Stück Japan findet sich in den meisten Werken ebenfalls wider: In die traditionellen Stickbilder – die teilweise auch noch kitschige Landschaften und Gebäude zeigen – hat Satomi Edo feinste asiatische Textil- und Papierkunst eingearbeitet. Im Erdgeschoss kreist eine, mit einem kleinen Elektromotor angetriebene, Nadel- und Fadenkonstruktion. „Ein Symbol für die Handarbeit“, glaubt Dr. Stephan Trescher. Vielleicht sogar eine kleine Hommage ans Stricken, Nähen und Sticken: Und das würde Omma ja auch wieder freuen.

Zum Thema

 

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4401755?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F4849297%2F4849300%2F
Fünf Tatverdächtige nach Geldboten-Coup festgenommen
Dieser Mann wird von der Kripo Borken gesucht.
Nachrichten-Ticker