Polizistin berichtet über tödliche Unfälle
Viel mehr als Punkte auf der Landkarte

Greven -

Es war eine Schocktherapie, gewiss. Aber vielleicht eine heilsame. Eine Polizistin berichtete Schülern von tödlichen Unfällen im Kreis.

Freitag, 04.11.2016, 07:11 Uhr

Aus Punkten auf der Landkarte wurden Schicksale, aus Zahlen wurden Opfer mit Namen und Gesicht. Die Zehntklässler der weiterführenden Schulen wurden im Ballenlager nicht geschont.
Aus Punkten auf der Landkarte wurden Schicksale, aus Zahlen wurden Opfer mit Namen und Gesicht. Die Zehntklässler der weiterführenden Schulen wurden im Ballenlager nicht geschont. Foto: oh

Diesen Tag wird die junge Polizistin Lara Höltker so schnell nicht vergessen können: Sie musste zu einem Unfall auf einer Landstraße, musste dort mitansehen, wie die Feuerwehr im nächtlichen Schein des Blaulichtes die blutende Fahrerin aus dem völlig zerstörten Auto befreiten und die Rettungskräfte um das Leben der jungen Frau kämpften. Kurz stand die Polizistin den Eltern der Fahrerin gegenüber, um die Nachricht zu überbringen, dass ihre Tochter einen Unfall hatte und ihr Überleben am seidenen Faden hängt. Das Lesen einer WhatsApp-Nachricht hatte sie kurz abgelenkt – ein tragischer Fehler. „Ich trage die Erinnerung an diesen Unfall wie einen schweren, spitzen Stein mit mir herum.“ Und sie wolle, indem sie davon berichte, auch den Schülern einen solchen Stein in den Rucksack legen – damit sie sich im Straßenverkehr stets bewusst sind, was auf dem Spiel steht. „Das ist nicht Need for Speed und nicht GTA, das ist die Realität“, sagte die Polizistin den Zehntklässlern, die gestern im Ballenlager an der Veranstaltung „Crash-Kurs“ der Polizei teilnahmen. Die Schüler wurden nicht geschont – ganz bewusst nicht.

28 Menschen starben bei 24 Unfällen in den vergangenen fünf Jahren im Kreis – auch in Greven. Aus den blanken Zahlen wurden Schicksale, die Unfallopfer erhielten Namen und Gesicht. Die erhoffte Schockwirkung blieb nicht aus. Machten anfangs noch coole Sprüche die Runde, wurde es nach wenigen Minuten still im Saal. „Unfälle passieren nicht, sie werden verursacht, sind also vermeidbar. Ihr alle habt es in der Hand“, sagte Polizist Ludwig Schmitt in Richtung der künftigen Fahranfänger.

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