10 Jahre „Gleisbrücke“
Die aus nichts viel machen

Greven -

Eigentlich hätten die Initiatoren, die Mitarbeiter, die Verantwortlichen mal so richtig rote Öhrchen bekommen müssen – bei so viel Lob. Und der prasselte in Mengen auf diejenige nieder, die für das Projekt Gleisbrücke stehen. Das feierte am gestrigen Freitag sein zehnjähriges Bestehen. Und das musste natürlich gefeiert werden.

Samstag, 05.11.2016, 05:11 Uhr

Volles Haus zum Jubiläum: Die Gäste lauschten den Reden von Gerd Dworok, Ulrich Sokoll und Karin Beckmann (kleine Bilder von oben)
Volles Haus zum Jubiläum: Die Gäste lauschten den Reden von Gerd Dworok, Ulrich Sokoll und Karin Beckmann (kleine Bilder von oben) Foto: Peter Beckmann

Gefeiert wurde in den Ausstellungsräumlichkeiten an der Mühlenstraße im ehemaligen Lager der Firma Holz Wissing. Und allein schon diese Räume machten klar, was da bei der Gleisbrücke alles so geleistet wurde. Denn im Jahre 2006 wurde aus einem „Chaos“, wie Ulrich Sokoll sagte, eben diese Ausstellungsräume und die Werkstätten geschaffen. „Das haben wir fast komplett ohne die Hilfe von Handwerksbetrieben gestemmt“, erinnerte sich Sokoll, der die Gleisbrücke jahrelang leitete und jetzt als „grauer Wolf“ und Rentner nur noch ein paar Stunden in der Woche dabei ist.

Entstanden ist die Gleisbrücke aus der Arbeitsbrücke, die in Reckenfeld am evangelischen Gemeindezentrum ihren Sitz hatte und ein selbstständiger Verein war. Die Gleisbrücke bietet „niederschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten für Leistungsbeziehende mit Vermittlungshemmnissen“ wei es im pädagogischen Beamtendeutsch heißt. „Wir bieten Jugendlichen und jungen Erwachsenen Hilfe an, die, aus welchem Grund auch immer, Schwierigkeiten haben, im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, erklärt es Sokoll ein wenig verständlicher.

Vielen der Teilnehmer mangele es am Selbstbewusstsein. „Das können sie hier entwickeln.“ Und zwar einfach und nachvollziehbar. Denn bei der Gleisbrücke wie auch bei der Möbelbrücke – die Gemeinsamkeiten sind fließend – werden gebrauchte Möbel aufgearbeitet und verkauft. „Da können sie sehen, dass sie mit ihrer Arbeit einen Mehrwert schaffen und damit Geld verdient wird“, erklärt Sokoll. Neben den Möbeln werden auch kunsthandwerkliche Produkte hergestellt und auf entsprechenden Märkten – Bispiel Gimbte – verkauft.

Um Erfolgsquoten geht es dabei nicht. „Unser Klientel ist weit weg vom ersten Arbeitsmarkt und wird erst anschließend mit anderen Maßnahmen daran herangeführt.“

Und dafür gab es, wie gesagt, viele lobende Worte. „Hier wird nicht etwas mildtätiges Gutes getan, sondern etwas sehr Sinnvolles“, sagte Gerd Dworok , Geschäftsführer der Evangelische Jugendhilfe Münsterland, unter deren Dach die Arbeitsbrücke eben vor zehn Jahren „kriechen“ konnte. „Sonst gäbe es Gleisbrücke und Möbelbrücke heute nicht mehr“, ist sich Sokoll sicher.

Die pädagogische Leiterin, Karin Beckmann, pries den Spaß am Unkonventionellen und den Umgang mit Unvorhergesehenen. „Eure Spezialität ist es aus dem Nichts etwas zu machen.“ Und ihr Vorgänger Prof. Dr. Martin Klein sprach gar von einem „Klassiker der sozialen Arbeit“ und von Meisterschaft und Können.

Die stellvertretende Grevener Bürgermeisterin Christa Waschkowitz-Biggeleben lieferte die Zusammenfassung: „Die Gleisbrücke ist ein Projekt, um das Greven beneidet wird.“

Spätestens jetzt gab‘s dann doch rote Öhrchen . . .

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