Gymnasium: Gedenktag Migration
Geschichte und Geschichten

Greven -

Der „Arbeitskreis Gedenktage“ um Benedikt Faber wagte den Spagat zwischen Historie und Aktualität: Die Erinnerung an die 55. Wiederkehr des Abkommens zur Einwanderung türkischer Gastarbeiter dient als Aufhänger für eine intensive Auseinandersetzung mit der Situation von Geflüchteten vor Ort: in NRW, in Greven – und am Augustinianum.

Montag, 28.11.2016, 12:11 Uhr

Rege Diskutanten: Schüler, Lehrer und Wissenschaftler brachten sich ein.
Rege Diskutanten: Schüler, Lehrer und Wissenschaftler brachten sich ein. Foto: Stefan Bamberg

Wenn Deutschland eines richtig gut könne, dann ja wohl Integration. Sagt zumindest ein echter Fachmann: „Das ist eine der größten

  Foto: Stefan Bamberg

Erfolgsgeschichten der Bundesrepublik“, meint Gisbert Strotdrees . Wer auf deutsche Geschichte blicke, blicke zugleich auf Migrations- und Integrationsgeschichte: Auf rund acht Millionen Vertriebene aus den Ostgebieten nach dem zweiten Weltkrieg. Auf Gastarbeiter in Zeiten des Wirtschaftswunders. Auf polnische Bergleute in den Zechen des Reviers. Und natürlich auf die über eine Million Geflüchtete, die sich allein im Jahr 2015 nach Deutschland begaben. „Diese Menschen kommen in ein starkes, funktionierendes Land.“

Strotdrees, Historiker und Journalist, ist am Freitagabend nicht nur Wissenschaftler,

  Foto: Stefan Bamberg

sondern auch Mutmacher in der Aula des Gymnasiums. Der „Arbeitskreis Gedenktage “ um Benedikt Faber wagt zusammen mit dem Experten den Spagat zwischen Historie und Aktualität: Die Erinnerung an die 55. Wiederkehr des Abkommens zur Einwanderung türkischer Gastarbeiter dient als Aufhänger für eine intensive Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort: in NRW, in Greven – und am Augustinianum.

Diskussionen, die auch die meisten der anwesenden Schüler sichtlich bewegen – umso schöner ist es, dass gerade sie ausführlich zu Wort kommen. Kurse verschiedener Fächer und Altersklassen, von der Quarta bis zum LK, bereichern die Ausstellung im Foyer. „Was nähme ich mit, wenn ich fliehen müsste?“ Gepackte Koffer liefern Antworten zum Staunen und Schmunzeln.

Recherchen zu Fakten und Reaktionen auf Migrationsbewegungen in der BRD seit 1945,

  Foto: Stefan Bamberg

Forschungen zur Migration bei den eigenen Vorfahren – spätestens hier gibt es nicht nur Geschichte, sondern auch Geschichten zu erleben. „Das ist Schule, wie ich sie mir vorstelle“, lobt Gisbert Strotdrees, anscheinend ebenfalls ein Fan konkreter Beispiele: Anhand bekannter Heimatlieder, Bauwerke und Projekte (etwa dem Dortmund-Ems-Kanal) seziert er, wie dort Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammengewirkt haben und dass Teile der lokalen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte eben nur scheinbar „deutsch“ sind.

Was auch immer genau das überhaupt heißen mag – „deutsch“? Unter anderem dieser Frage geht die Podiumsrunde um Annette Wilbers-Noetzel und Andreas Beckmann nach – und kommt überein, dass es wichtigere Dinge gibt, über die man sich den Kopf zerbrechen kann.

Musiklehrer-Koryphäe Klaus Spruch spricht über seine Erfahrung als gebürtiger Schlesier

  Foto: Stefan Bamberg

im frühen Nachkriegs-Deutschland, Schülerinnen mit ausländischen Wurzeln erzählen von ihrem ersten Tag am Augustinianum, vom Sich-Zurechtfinden in der Fremde, vom Einbringen der eigenen Fähigkeiten – und davon, wie wichtig Freunde sind, um woanders anzukommen. „Wer jede Pause allein verbringen muss, fühlt sich nicht willkommen“, verdeutlicht Mitdiskutantin Manal Miaaz.

Apropos willkommen: Beteiligt am spannenden Programm ist auch die recht frisch eingerichtete Vorbereitungsklasse, deren Schüler in vertonten Interviews von sich und ihren Erlebnissen auf dem Weg nach und in Deutschland berichten.

  Foto: Stefan Bamberg

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