Interview mit VHS-Leiter Dr. Kai Lüken
„Wir sind da, weil man uns braucht“

Ein gutes Jahr ist Dr. Kai Lüken nun im Amt, ein guter Anlass, beim VHS-Direktor mal nachzufragen, wie es der Volkshochschule geht, ob sie noch mit ihrem Image hadert, warum sie sich in Saerbeck eher rar macht und ob sie Grevener Kulturangebote als Konkurrenz versteht. Unser Mitarbeiter Hans Lüttmann sprach mit dem passionierten Radfahrer auch über den sträflich unterschätzten Stellenwert von Klöppelkursen.

Samstag, 04.02.2017, 17:02 Uhr

Seit gut einem Jahr ist Dr. Kai Lüken neuer Leiter der VHS Emsdetten-Greven-Saerbeck; für ihn ist der Leitspruch vom lebenslangen Lernen auch heute noch aktuell wie eh und je.
Seit gut einem Jahr ist Dr. Kai Lüken neuer Leiter der VHS Emsdetten-Greven-Saerbeck; für ihn ist der Leitspruch vom lebenslangen Lernen auch heute noch aktuell wie eh und je. Foto: Hans Lüttmann

Wir sitzen hier zwar mitten in Emsdetten in Ihrem Büro, die VHS ist als Zweckverband aber auch zuständig für Greven und Saerbeck . Ist diese räumlich Dreiteilung ein Problem?

Dr. Kai Lüken : Nein, eigentlich nicht, wir bieten in Emsdetten und Greven etwa gleich viele Seminare und Kurse an. Und selbstverständlich sind wir auch in Saerbeck präsent, aber allein mit Blick auf die Einwohnerzahl versteht es sich, dass wir im Dorf längst nicht so viel anbieten können wie in den beiden Städten. Außerdem gibt es in Saerbeck mit dem Kolpingbildungswerk und dem Mehrgenerationenhauszwei sehr aktive und erfolgreiche Einrichtungen.

Sehen Sie die Saerbecker und vergleichbare Einrichtungen in Greven, Stichwort GBS, oder Emsdetten, Stroetmanns Fabrik, als Konkurrenten?

Lüken: Nein, ganz und gar nicht, viel mehr als Ergänzung und Bereicherung. Sehen Sie, wir legen unser Hauptgewicht auf Bildung, da sind wir Profis; wir würden nicht ohne Weiteres ein kulturelles Unterhaltungsangebot ins Programm nehmen, dafür sind andere da.

Aber die VHS ist doch auch in kulturellen Belangen unterwegs.

Lüken: Immer aber mit einem Bildungshintergrund. Nehmen Sie zum Beispiel Studienfahrten nach Worpswede oder zur Skulpturenausstellung nach Münster, sowas ist doch eher unter Bildung zu fassen.

Kriegen Sie diese Kurve auch bei den oft belächelten Häkel- und Klöppelkursen?

Lüken: Aber ganz sicher! Die sollte man nicht unterschätzen, denn damit vermitteln wir Wissen und Fertigkeiten, die sonst vielleicht schon längst verloren wären. Mag ja sein, dass der ein oder andere uns noch dieses angestaubte Image anhängen will, aber die Volkshochschule und mit ihr der Slogan vom lebenslangen Lernen ist eine unverzichtbare, hoch professionell arbeitende Einrichtung. Wir haben, nur als Beispiel, etliche zertifizierte Kurse mit qualifizierten Abschlüssen. Wir arbeiten mit 150 Dozenten in acht Fachbereichen und sind immer auf der Suche nach neue Ideen und Angeboten. Die VHS, das muss ich mal ganz deutlich sagen, ist da sehr experimentierfreudig und auch flexibel.

Woher holen Sie sich die Anregungen denn?

Lüken: Aus der Zweckverbandsversammlung kommen viele Anregungen, aus der Wirtschaft, aus Unternehmerforen, natürlich auch von den Dozenten, und wir bekommen auch direkte Anfragen und Angebote.

Wie weit können Sie die bedienen?

Lüken: Nun ja, Taiwanesisch werden wir wohl nie anbieten, aber es gibt auch Exoten im Programm, Schwedisch etwa, Russisch und Norwegisch. Aber wo wir gerade bei den Sprachen sind – den allergrößten Anteil hat Deutsch als Zweitsprache, das boomt ganz enorm. Innerhalb eines Jahres stiegen die Unterrichtseinheiten hier von 7400 auf mehr als 12 000 bei 18 500 Gesamt-Unterrichtseinheiten in unserer VHS.

Lüken: Ja, da würde ich gerne noch mehr Angebote machen, einen vielversprechenden Anfang machen wir ja jetzt in Greven in Kooperation mit einer Apotheke .

Das NRW-Weiterbildungsgesetz aus dem Jahr 2000 fordert mit dem Recht auf Weiterbildung auch den kommunalen Auftrag, Weiterbildung anzubieten.

Lüken: An dem Gesetz, das jetzt wieder zur Überarbeitung steht, hat sich nichts Grundsätzliches geändert, bis auf unser Selbstverständnis: Wir sind nicht da, weil das Gesetz es vorschreibt, wir sind da, weil wir gebraucht werden. Oder so gesagt: Die Marke VHS steht für hohe Qualität; unser Angebot berücksichtigt dabei ausdrücklich auch unterschiedliche kommunale Bedürfnisse.

Und dieses „Wir“, sagen Sie gerne, soll auch unterstreichen, dass die VHS keine One-Man-Show sein soll.

Lüken: Ganz unbedingt meine ich das so, wir sind ein Team mit vielen Gesichtern, die ein wertvolles Netzwerk bilden.

So viel Positives – bleibt denn da noch Platz für Ziele und Wünsche?

Lüken: Ja sicher, unsere Ziele bis ins Jahr 2021 haben wir dezidiert formuliert und aufgeschrieben. Da geht es um Fragen des Lerntransfers, Einbeziehung sozialer Medien, um lebensbegleitendes Lernen und nicht zuletzt die Botschaft, das positive, realistische und erkennbare Image der Volkshochschule im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.

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