Jürgen Coße beim Redaktionsbesuch
Ein Abgeordneter im Schulz-Fieber

Jürgen Coße hat in diesen Tagen die Redaktion besucht. Im Gespräch mit Redakteurin Monika Gerharz zeigt sich: Der SPD-Abgeordnete ist mit dem Schulz-Fieber infiziert.

Samstag, 11.02.2017, 15:02 Uhr

Jürgen Coße -- der SPD-Bundetagsabgeordnete aus Greven fühlt sich beflügelt durch die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz.
Jürgen Coße -- der SPD-Bundetagsabgeordnete aus Greven fühlt sich beflügelt durch die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz. Foto: Peter Beckmann

Das Schulz-Konzept ist ihm auf den Leib geschneidert. Ich hab‘ kein Abitur? Na und? Dafür weiß ich, wie es im echten Leben zugeht! Ich hab‘ wenig Erfahrung mit der Bundespolitik und komme aus der Provinz? Dafür weiß ich, was die Bürgermeister quält. Ich habe kein Netz und keinen doppelten Boden, die mir den Einzug ins Parlament sichern? Dafür kann ich kämpfen! Als Jürgen Coße dieser Tage zum Redaktionsbesuch nach Greven kommt, strotzt er vor Optimismus. „Diese Umfragewerte! „Sensationell!“ Der SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Steinfurt III ist in der „großen“ Politik ein Frischling. Erst im September ist er als Nachrücker für Petra Hinz , die über eine Hochstapelei mit akademischen Graden gestolpert ist, ins Parlament eingezogen.

Haben Sie keine Angst, dass Sie Ihren Platz schon bei der nächsten Bundestagswahl im Herbst wieder verlieren? Oder sind Sie auf der Landesliste so gut abgesichert?

Jürgen Coße: Welchen Platz ich auf der Liste bekomme, entscheidet der Parteitag im Mai. Und ob ich in den Bundestag einziehe, entscheidet der Wähler. Mein Ziel ist es, diesen Wahlkreis direkt zu holen – und das schaffe ich auch.

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Sie erwarten also, dass das Hoch, das die Kür von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten ausgelöst hat, für die SPD anhält?

Coße: Ja. Wir haben nach der Bekanntgabe der Kandidatur allein in NRW in den ersten Tagen mehr als 1000 neue Mitglieder gewonnen. Dieser Schwung wird anhalten, denn er gilt nicht nur der Person Schulz. Viele haben begriffen, dass sie sich engagieren müssen, wenn sie Dinge wie Brexit und Leute wie Trump hierzulande verhindern wollen. Und Krisenzeiten waren immer gute Zeiten für die Sozialdemokratie. Die Wähler wissen: In der Krise kann man sich auf die SPD verlassen.

Nun, es gab auch Krisenzeiten, da hat die SPD gerade ihre traditionelle Wählerschaft ziemlich gebeutelt – Stichwort Agenda 2010 und Hartz IV. Gerade die viel beschworenen kleinen Leute wurden teilweise deutlich schlechter gestellt, um die damalige Wirtschaftskrise zu bewältigen. War das ein Fehler?

Coße: Die Agenda 2010 war notwendig. Aber ich hätte mir gewünscht, dass damals schon der Mindestlohn eingeführt worden wäre. Das haben wir jetzt geschafft. Überhaupt: Die Bilanz der SPD kann sich sehen lassen. Wir haben mit grade mal gut 25 Prozent eine Menge erreicht – und stellen den nächsten Bundespräsidenten.

Was muss das Hauptthema der SPD im Wahlkampf sein?

Coße: Gerechtigkeit. Es geht nicht darum, alles anders zu machen. Es geht darum, vieles gerechter zu machen, vor allem, wenn es um Bildung geht. Ich nenne da die Abschaffung der Kita-Gebühren als wichtiges Projekt.

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Die SPD scheint derzeit in Deutschland im Aufwind zu sein. Europaweit aber stehen die Zeichen anders – populistische und autoritäre Tendenzen werden stärker. Glauben Sie nicht, dass die Euphorie um Schulz vielleicht nur ein Zwischenhoch ist?

Coße: Das glaube ich überhaupt nicht. Ich bin überzeugt davon, dass die Rechtspopulisten in Frankreich bei der Präsidentenwahl scheitern werden. Und diese rechtspopulistische Drei-Buchstaben-Partei bei uns, deren Namen ich nicht in den Mund nehme, wird sowieso völlig überschätzt. Nein, ich bin der Überzeugung, dass gerade dann, wenn die Demokratie in Gefahr ist, die Stunde der SPD schlägt. Wir waren es doch, die 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis gestimmt haben. Dafür sind Sozialdemokraten ermordet worden.

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