Pflegeplätze werden Mangelware
Neues Altenheim bis 2020 nötig

Greven -

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den nächsten drei, vier Jahren braucht Greven ein zusätzliches Altenheim mit 80 Plätzen – mindestens.

Dienstag, 21.02.2017, 06:02 Uhr

Der Bedarf wächst rasant: Hat Greven derzeit vier vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit 312 Plätzen und eine ambulante Wohngemeinschaft mit sechs Plätzen, so werden in gut 20 Jahren die doppelte Zahl gebraucht.
Der Bedarf wächst rasant: Hat Greven derzeit vier vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit 312 Plätzen und eine ambulante Wohngemeinschaft mit sechs Plätzen, so werden in gut 20 Jahren die doppelte Zahl gebraucht. Foto: Jürgen Christ

Bis 2040 werden knapp doppelt so viele Pflegeplätze gebraucht wie heute, da es in vier Einrichtungen 312 Plätze gibt – Kurzzeitpflege inklusive. Dabei gehen diese Prognosen davon aus, dass der Anteil der Personen pro Jahrgang, die einen Pflegeplatz brauchen, konstant bleibt. „Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden heute in der Familie gepflegt“, sagte Frank Woltering von der Stabsstelle Sozialplanung des Kreises jetzt vor dem Grevener Sozialausschuss. Dafür, dass dies auch in zwanzig Jahren angesichts sich verändernder Familienstrukturen noch so sein wird, mag er nicht die Hand ins Feuer legen.

Denn das Hauptproblem ist: die demografische Schere geht auseinander. Während die Zahl der 40- bis 65-Jährigen, die die Pflege und ihre Finanzierung stemmen, im Kreis um 16,5 Prozent zurückgeht, steigt die Zahl der über 80-Jährigen, deren Pflegerisiko groß ist, auf fast das Doppelte. „Darüber, ob zunehmende Fitness im Alter das Pflegerisiko mindert, streiten sich die Fachleute“, sagte Woltering im Ausschuss. „Ich war nicht so mutig, dies mit einem Minus von fünf Prozent anzusetzen.“ Gegenwärtig leben 16 Prozent aller über 80-Jährigen im Kreis in einer stationären Unterkunft.

Für die nächsten Jahre interessant: Die Zahl der Hochbetagten steigt in Greven zunächst kräftig an – von derzeit 2049 auf 2607 im Jahr 2023. Danach stabilisiert sich die Lage für einige Zeit. Aber ab 2030 gehen die Zahlen durch die Decke – die Babyboomer werden alt. 2040, so die Prognose, werden in Greven mit 4298 Menschen doppelt so viele Hochbetagte leben wie heute. Wie diese Menschen vernünftig versorgt werden können, ist kaum zu beantworten. „Das Nadelöhr ist der Fachkräftemangel “, sagte Woltering und verwies darauf, dass natürlich nicht nur die Heime, sondern auch die Pflegedienste Personal brauchen werden. Schon heute sei der Mangel zu spüren und werde sich verschärfen.

Was also tun? Kreis und Stadt können keinen Investor zwingen, Seniorenheime zu bauen. Und selbst aktiv werden geht ebenfalls nicht. „Wir können als Kreis keine direkten Angebote schaffen“, verwies Woltering auf die Rechtslage. „Was wir tun können, ist, Planungssicherheit zu bieten.“ Den Kommunen empfahl er, eventuell Grundstücke und Immobilien im innerstädtischen Bereich für Heimplanungen zur Verfügung zu stellen. Viel mehr, darauf verwies auch Beate Tenhaken, Fachbereichsleiterin Bildung, Jugend und Soziales in Greven, könne die öffentliche Hand nicht tun. Im Gespräch mit dieser Zeitung verwies sie allerdings darauf, dass eine etwas großzügigere Handhabung bei der Anforderung an die Gestaltung von Pflegeheimen helfen könne, denn die Hürden dafür seien in Greven ausgesprochen hoch. „Es gibt konkrete Investoren, die an diesen Hürden scheitern.“

Neben der Frage, wie viele stationäre Angebote eine Stadt braucht, geht es bei der Altenplanung aber auch um ambulante Angebote. Und da sprach Woltering bei Kurzzeit- und Tagespflege „tendenziell schon jetzt von einer Unterdeckung“ – was Christa Waschkowitz-Biggeleben ( CDU ) darin bestärkte, noch einmal an das Projekt Tagespflege zu erinnern, für das die Union seit Jahren wirbt. Hans-Peter Metje vom „Paritätischen“, ein beratendes Ausschussmitglied, fürchtet allerdings, dass „das Kind im Prinzip schon in den Brunnen gefallen ist“. Es gebe heute schon die Situation, dass Pflegedienste Aufträge ablehnen müssten, weil es an Personal fehle. Der Wohlfahrts-Experte: „Das wird sich in fünf Jahren ex­trem verschärfen.“

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Deler Saber ist Kurde und Deutscher Staatsbürger und hat früher in Bagdad gelebt und studiert. Vor über 20 Jahren kam er nach Deutschland, seit 2000 lebt er in Münster. Die Stadt, sagt er, sei zu seiner Heimat geworden, die er nicht mehr verlassen will.
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