Schüler laden Politiker ein
„Und wir haben nur Kreide!“

Greven -

Mitglieder der Schülerfirma der Gesamtschüler hatten Landtagskandidaten zum Fachgespräch über Nachhaltigkeit eingeladen. Ganz ohne Wahlkampf ging die Podiumsdiskussion natürlich über die Bühne.

Montag, 27.03.2017, 17:03 Uhr

Diskutierten mit der Schülergenossenschaft „Auszeit“ der Gesamtschule: Christina Schulze-Föcking (CDU), Jan-Niclas Gesenhues (Grüne), Alexander Brockmeier (FDP) und Ulrike Reifig (SPD, von links).
Diskutierten mit der Schülergenossenschaft „Auszeit“ der Gesamtschule: Christina Schulze Föcking (CDU), Jan-Niclas Gesenhues (Grüne), Alexander Brockmeier (FDP) und Ulrike Reifig (SPD, von links). Foto: Zoe Klix

Wahlkampf ? Nein, gar nicht. Ein Fachgespräch sollte es werden, zwischen der Schülergenossenschaft „Auszeit“ der Gesamtschule und Abgeordneten der CDU , der SPD , der Grünen und der FDP zum Thema Schule. „Wir haben die Diskussion bei Genogenial gewonnen“, sagte Louisa Ney , Chefin der Genossenschaft, die in der Schule einen Kiosk mit gesundem Angebot betreibt und bald ein Schülercafé eröffnen will. Die 15 Jahre alten Schüler nutzten die Chance, bei der Politik um bessere Rahmenbedingungen für sich und ihre Projekte zu werben – exzellent vorbereitet, mit gut formulierten Fragen – und durchaus kritisch. „Sehr hohes Niveau, absolut Klasse!“, lobte Volksbankchef Andreas Hartmann, Sponsor und Mentor der Schüler-Genossen.

Ein Beispiel? Die Ausstattung der Schulen mit EDV. Pia Witthinrich, die die Schulverhältnisse in den Niederlanden kennt, zählte auf, wie gut die Schulen dort ausgestattet seien. „Freies Wlan in der ganzen Schule“, schwärmte sie, „Beamer, Whiteboards und ein großes Selbstlernzentrum“. Trockener Einwurf von Louisa Ney: „Und wir schreiben mit Kreide an die Tafel!“

Recht haben sie, die Schüler, das gaben Christina Schulze Föcking (CDU), Ulrike Reifig (SPD), Jan-Niclas Gesenhues (Grüne) und Alexander Brockmeier (FDP) gerne zu. „Als ich 2010 ein Praktikum in einer Grundschule in England gemacht habe, hatten die schon Whiteboard und Computer“, sagte Gesenhues. Er fordert, dass moderne Medien einen ganz anderen Stellenwert bekommen müssten als derzeit. „Denn dabei handelt es sich um absolute Kernkompetenzen für den Job.“

Doch was tun? „Mehr Jugend in die Politik“, meinte Gesenhues augenzwinkernd. Aber die Hauptsache ist natürlich mehr Geld für bessere Ausstattung und mehr Lehrer – und dabei ließ der Landtagswahlkampf grüßen, denn ganz ohne Schwarzes-Peter-Spiel ging es natürlich nicht. Lässt Rot-Grün den ländlichen Raum am langen Arm verhungern (Schulze-Föcking)? Hat Schwarz-Gelb die Schulen fast zu Tode gespart (Gesenhues)? Müsste der Bund sich finanziell für die Schulen engagieren (Brockmeier?) Oder müssten die Kommunen mehr tun (Reifig)? „Herr Vennemeyer, wollen Sie was zu Ihrer Rechtfertigung sagen?“, fragte dazu Diskussionsleiter Volker Beckmann. Das tat der Bürgermeister gern. „Ich kann in Bezug auf diese Schule sehr selbstbewusst auftreten“, sagte er und rechnete vor, dass die Stadt in diesen Tagen 30 Millionen Euro in die Schulen steckt, fünf Millionen allein in die neue Mensa der Gesamtschule. Vennemeyer: „Wir haben die feste Absicht, diese Schule attraktiv zu machen.“

Drei weitere Themen hatten die Schüler noch vorbereitet – sie forderten kleinere Klassen, wollten wissen, wie die Abgeordneten über das Volksbegehren zu G 8 denken(die meisten eher skeptisch) und ob die Grevener Gesamtschüler auf Unterstützung für ihr geplantes Schülercafé rechnen können. Alle versprachen es – und alle wiesen darauf hin, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen, damit solche Initiativen wie die „Auszeit“ überhaupt Chancen haben. „Wir brauchen ein Schulfreiheitsgesetz, das Euch die Freiräume gibt, um so etwas zu etablieren“, verlangte etwa Brockmeier mehr Selbstständigkeit der Schulen bei der Gestaltung des Lehrplans. Denn der junge FDP-Politiker weiß aus eigener Erfahrung, dass solche Projekte Zeit brauchen. „Ich habe als Schülersprecher mal versucht, so was zu machen. Es hat mit einem Kaffeeautomaten geendet.“

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