Fiege will „markantes“ Gebäude
Alles – nur nicht gewöhnlich

Greven -

Der Streit um den Neubau auf dem Grundstück im Eckbereich Hansaring zum Grünen Weg geht weiter. Die Familie Fiege möchte auf dem Grundstück ein „markantes“, sechs Stockwerke hohes Gebäude bauen. Nach neuen Plänen soll das Gebäude aber im Eckbereich des Grundstücks gebaut werden. Einige Nachbarn können diesen neuen Plänen aber immer noch nichts abgewinnen, befürchten neugierige Blicke der künftigen Hochhausbewohner auf ihre Grundstücke.

Dienstag, 11.04.2017, 07:04 Uhr

Sind überzeugt, dass sich die Neubauten gut ins Umfeld einfügen: Jan und Dr. Hugo Fiege sowie Claus Schlüter (von links).
Sind überzeugt, dass sich die Neubauten gut ins Umfeld einfügen: Jan und Dr. Hugo Fiege sowie Claus Schlüter (von links).

Gaststätte, landwirtschaftlicher Betrieb, Kohlehandel, ein Pferdefuhrwerk – damit hat alles angefangen. Zu sehen ist davon heute nichts mehr. Das Grundstück liegt seit Jahrzehnten brach. Gleichwohl ist das Areal, auf dem Joan Joseph Fiege 1873 den Grundstein des heutigen Welt-Unternehmens legte, kein normales Grundstück für die Familie Fiege. Die einstige Keimzelle der Firma – sie soll entwickelt werden. Zentraler Bestandteil: ein markanter Bau. Ein „Fiege-Haus“, das alles sein soll, nur bitte nicht gewöhnlich. Aber der Turm (erst sieben-, nun sechsstöckig geplant) kam und kommt in der Nachbarschaft nicht gut an. Am Kaups Esch und am Grünen Weg ist man in Sorge. Vor allem Schattenwurf befürchten die Nachbarn. „Und aus einem so hohen Gebäude kann jeder in unseren Garten gucken“, argwöhnt ein Anlieger.

Inzwischen gab es ein Treffen mit der Familie Fiege. Im Eichenhof ließen sich rund 50 Anwohner über die überarbeiteten Pläne informieren. „Das zeigt die große Bedeutung, die das Thema hier in der Nachbarschaft hat“, sagt Olaf Howest. „Wir werden weiter kämpfen.“

Ganz zerstreuen konnten die Fieges die Bedenken der Nachbarn nicht. Aber immerhin: Die scharfen Töne der ersten Wochen scheinen passé. „Wir sind eigentlich nicht sauer auf die Fieges. Die waren von Anfang an gesprächsbereit“, betont Angelika Krins. „Wir fühlen uns den Fieges näher als der Stadt“, bekräftigt Ralf Mischendahl . Der Zorn der Bürger richtet sich eher gegen Verwaltung, Politik und vor allem gegen den Gestaltungsbeirat, der das Hochhaus befürworte. „Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass sich alle hinter diesem Gestaltungsbeirat und seinen Empfehlungen verstecken“, sagt Mischendahl. Ludger Bäumer schließt daraus: „Wir richten einen Appell an die Politik, die sollten sich mal etwas bürgerfreundlicher verhalten.“ Dass sie von den Plänen aus der Zeitung erfuhren, ohne zuvor gefragt worden zu sein – das schmeckt vielen Nachbarn noch immer nicht.

Auch den Fieges nicht. „Das ist nicht unser Stil. Wir pflegen eine andere Kultur bei Fiege“, sagt Firmenchef Dr. Hugo Fiege . Einwände gegen einen „Mega-Turm“ – die könne er absolut nachvollziehen. Als „nicht gut gelöst“ bezeichnet auch sein Sohn Jan Fiege den Beginn des Prozesses – an dessen Ende hoffentlich eine Einigung stehen werde. Man sei mit mehreren Entwürfen in den Gestaltungsbeirat gegangen, dieser habe einen Turm präferiert. „Wir leugnen nicht, wir wollen dort ein markantes Gebäude“, sagt Hugo Fiege. Markant heißt für die Fieges: hoch und hochwertig. Gleichwohl wolle man nicht als „kalter Investor“ auftreten und auch nicht so wahrgenommen werden. Wenn es allein um Profit ginge, könne, ja müsse man eigentlich anders bauen – ohne Rücksicht. Doch eben das habe man nicht vor. Die Fieges wünschen sich ein Gebäude, das man in der Stadt mit Familie und Firma in Verbindung bringe – und zwar positiv. Hochwertig, besonders, herausragend. Im Foyer soll über die Geschichte der Firma und des Grundstücks informiert werden. Über die Höhe wolle man nicht mehr verhandeln. „Wie wollen hier keinen Basar veranstalten“, sagt Dr. Hugo Fiege. Statt des ursprünglich vorgesehenen Siebenstöckers in der Mitte des 3000-Qudaratmeter-Areals habe man nun einen deutlich schlankeren Sechsstöcker am Rand des Grundstücks vorgesehen. „Es gibt praktisch keine direkten Nachbarn“, sagt Architekt Claus Schlüter. Der 19 Meter hohe Turm werde nur noch 15 mal 15 Meter (statt 22 mal 22) messen, somit um 50 Prozent reduziert. Der Abstand zum nächsten Nachbarn betrage 22 Meter, das Thema Schattenwurf sei somit vom Tisch, so Schlüter. Das von den Anwohnern vorgelegte Schatten-Modell ist für ihn ein „Angst-Modell“. Eine flachere Bebauung entlang des Grünen Weges (statt des Turms) wirke „beliebig“, so Schlüter. Eben das wolle man nicht.

Zum Kaups Esch sollen drei zweigeschossige Doppelhäuser das Areal abschließen. Viel Grün ist vorgesehen. Als „Chance für die Stadtentwicklung“ sieht Jan Fiege das Vorhaben. „Wo finden Sie sonst noch eine so große freie Fläche?“

Die überarbeiteten Pläne sehen die Fieges „als Kompromiss, der aus unserer Sicht akzeptabel ist. Wir wollen gern Frieden mit den Nachbarn haben“, sagt Hugo Fiege. Sein Sohn fügt an, dass der jetzige Plan „alle Interessen berücksichtigt“. Man müsse auch an die denken, die Wohnraum suchen und nie zu Wort kämen.

Die je 120 Quadratmeter großen Doppelhaushälften sollen für Familien geeignet sein, die Turm-Wohnungen (zwischen 60 und 90 Quadratmater) sind für Rentner, Singles, Paare und kleine Familien konzipiert. Trotz hochwertiger Ausstattung soll das Wohnen darin bezahlbar sein. Die Vorgabe der Stadt, einen Teil als Sozialwohnungen auszuweisen, werde man selbstverständlich einhalten.

Die Hoffnung: Nach entsprechendem Beschluss der Gremien, Offenlage der Pläne und Baugenehmigung soll möglichst noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden, so dass die ersten Mieter Mitte 2018 einziehen können.

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