Stefan Schael liest Poe
Schauerstorys zwischen Bücherregalen

Greven -

Schaurig-schöne Gruselgeschichten von höchstem literarischem Rang gab es jetzt in der Stadtbibliothek.

Montag, 01.05.2017, 11:05 Uhr

Spooky:  Der Schauspieler Stefan Schael zauberte mit seiner Poe-Lesung eine derartige Grusel-Stimmung, die manchen bewogen haben wird, nachts im Schlafzimmer ein Lämpchen brennen zu lassen.
Spooky:  Der Schauspieler Stefan Schael zauberte mit seiner Poe-Lesung eine derartige Grusel-Stimmung, die manchen bewogen haben wird, nachts im Schlafzimmer ein Lämpchen brennen zu lassen. Foto: Jannis Beckermann

Manchmal fühlt es sich an diesem Abend an wie zu Kinderzeiten. Als man mit der Taschenlampe unter der Bettdecke hockte, ein Geräusch vernahm und sich ganz sicher war, einen Einbrecher im finsteren Kleiderschrank zu wissen.

Dass Gruseln dieser Art eben auch etwas „für die Großen“ ist, beweist Schauspieler Stefan Schael mit seinem Poe-Abend, mit dem er deutschlandweit durch Kulturzentren tourt. Am Samstag war er mit seiner abendlichen Lesung in der Stadtbibliothek zu Gast und bescherte dem Publikum eine Hommage an den US-amerikanischen Horror-Autor Edgar Allan Poe , der als Miterfinder der Grusel-Literatur gilt.

Geladen hatte die Kulturinitiative. Und Schauspieler Schael kommt gleich zu Beginn geheimnisvoll mit Zylinder und ausgeschlissenem Gehrock. Er schlägt schweigend sein Buch auf und fängt mit gesetzter Stimme an zu lesen. „Die Grube und das Pendel.“ Es ist ein berühmter Klassiker von Poe, den dessen Fans rauf und runter beten können.

Rasch ist aber auch der ungeübte Leser in dem schaurigen Stoff, in dem ein zum Tode verurteilter Ich-Erzähler aus seinem Verlies bei der spanischen Inquisition berichtet. Die Zuhörer fliegen förmlich durch den Gedankenstrom, durch die Ängste, die Furcht vor den „Martern der Folterinstrumente“. Nicht umsonst gilt das Werk als Schauergeschichte bester Güte. Gekonnt rezitiert vom Schauspieler Schael ist der Romantik-Text von 1842 dafür noch mal doppelt „spooky“.

Zwischendurch wird zudem per Soundeffekt mal ein Quietschen, mal ein Schreien, mal ein seltsames Rauschen in die Lesung hineingedreht. Und obwohl es nicht immer stimmig wirkt: Dank der Töne ahnt man als Zuhörer die Zelle, die der Erzähler wortreich umschreibt. Solche „Stecknadel-Momente“ völliger Stille gibt es gleich mehrere bei diesem Leseabend.

Unterhaltsam sein kann Schauspieler Schael, ein langjähriges Ensemblemitglied des Südthüringischen Staatstheaters, aber ebenso. Das beweist unter anderem der Vortrag des Gedichts „Der Rabe“, dessen 108 lyrische Verse auf der anderen Atlantikseite in den Staaten Kult-Charakter genießen. Das krächzende Imitieren des Vogels entlockt sodann auch manchem der gut 30 Zuhörer in Greven ein Schmunzeln, selbst wenn der Inhalt nicht minder mysteriös ist als zuvor.

Am Ende gibt es schließlich auch noch eine echte Mordgeschichte mit dem Täter, der sich stilecht nachts um zwölf ans Bett des Opfers schleicht.

Und spätestens da ist es wieder, das Gefühl wie einst im dunklen Kinderzimmer mit der Taschenlampe.

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