Wohnkonzept für Flüchtlinge
Bauchschmerzen bei Ehrenamtlichen

Greven -

Eigentlich sollte der Sozialausschuss das Wohnkonzept für Flüchtlinge beraten. Der Tagesordnungspunkt wurde ausgesetzt. Doch schon jetzt zeigt sich: die Ehrenamtlichen und auch viele Politiker sind nicht wirklich zufrieden.

Samstag, 06.05.2017, 10:05 Uhr

Nicht gerade optimal unter dem Integrationsaspekt: Die Flüchtlingsunterkunft in der Wentruper Mark, mit rund 250 Plätzen sehr groß und zudem eher abgelegen, ist den Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe ein Dorn im Auge. sie wünschen sich kleine Einheiten.
Nicht gerade optimal unter dem Integrationsaspekt: Die Flüchtlingsunterkunft in der Wentruper Mark, mit rund 250 Plätzen sehr groß und zudem eher abgelegen, ist den Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe ein Dorn im Auge. sie wünschen sich kleine Einheiten. Foto: Monika Gerharz

Die Stadt erarbeitet derzeit ein Integrationskonzept. Schließlich gilt es, mehrere Hundert Flüchtlinge vor allem aus Nahost , in den nächsten Monaten und Jahren eine Lebensperspektive zu eröffnen, und zwar auf eine Weise, die die Grevener Bürgerschaft unterstützt. Am Donnerstag nun sollte der erste Teilplan, der sich mit dem Thema Wohnen beschäftigt, im Sozialausschuss erörtert werden. Doch der Tagesordnungspunkt wurde überraschend abgesetzt: Offenbar hatte die Steuerungsgruppe, in der städtische und ehrenamtliche Flüchtlingshilfe verzahnt sind, darauf bestanden, das Konzept nach dem letzten Arbeitstreffen noch einmal zu sehen, bevor sich die Politik damit beschäftigt. „Wir wollten den sehr konstruktiven Prozess nicht gefährden“, sagte Beate Tenhaken , Fachbereichsleiterin für Soziales, Jugend und Bildung im Ausschuss, warum man dem Wunsch entsprochen habe.

Offenbar gibt es bei den Ehrenamtlichen Bedenken, dass im Wohnkonzept festgeschrieben wird, dass Flüchtlingsunterkünfte auch in Zukunft Betten für bis zu 100 Personen haben dürfen. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Grenze bei 60 liegt“, sagte Heinz Kues von der Grevener Flüchtlingshilfe dieser Zeitung. Auch der Umstand, dass das große Containerdorf in der Wentruper Mark mit 250 Plätzen am Rande des Gewerbegebiets nicht zur Disposition steht, stößt auf Skepsis. „Das macht mir nach wie vor Bauchschmerzen.“

Auch im Ausschuss, das deutete sich in kurzen Diskussionen an, dürfte das Konzept allenfalls als vorläufige Handlungsorientierung auf Zustimmung stoßen und nicht als Lösung der drängenden Probleme. „Ich halte das Wohnungsmanagement für eine Verwaltung des Mangels“, beklagte Klaus Schwenken (CDU), dass sozialpädagogische Maßnahmen wenig bringen, wenn einfach zu wenig Wohnungen zur Verfügung stehen. Er forderte, die Bauverwaltung müsse bei der Genehmigung etwa eines Ausbaus von Kellergeschossen großzügiger verfahren.

Lore Hauschild (Grüne) wertete es zwar durchaus als Erfolg, wenn durch die Bemühungen des neu eingestellten Wohnraumlotsen, vieler Ehrenamtlicher und Hauptamtlicher 50 Flüchtlinge eine Wohnung auf dem freien Markt gefunden hätten. „Aber was ist mit den übrigen 400? Wir haben demnächst die Häuser am Brauerweg und an der Geschwister-Scholl-Straße zu bieten, aber dann sind wir als Stadt am Ende.“

Alle Ausschussmitglieder betonten, dass in Greven nicht nur Flüchtlinge preiswerte Wohnungen brauchten. Schließlich wächst die Stadt rapide, nicht nur durch den Zuzug von Asylsuchenden. In den vergangenen zehn Jahren ist die Stadt um 3000 Bürger gewachsen. Allein 2016 sind 442 Personen zugezogen. Thomas Hudalla (Linke): „In Reckenfeld haben wir ja noch Grundstücke. Dort können wir etwas zaubern – auch für ältere Menschen, Familien und Alleinerziehende.“

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