Prozess um Wirtschafts-Spionage
Verrat oder Home-Office?

Greven -

Ein Mitarbeiter einer Firma hatte nach seiner Kündigung noch Kundendaten auf seinem Rechner. Beabsichtigte Spionage oder nur Reste vom Home-Office? Darüber musste nun ein Gericht befinden.

Samstag, 06.05.2017, 07:05 Uhr

Prozess um Wirtschafts-Spionage : Verrat oder Home-Office?
Foto: dpa

Ein Spionagefall – oder eher ein Hauch davon – wurde nun vor dem Amtsgericht Steinfurt verhandelt. Es ging um den Vorwurf, dass ein ehemaliger Manager eines Grevener Unternehmens Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse verraten haben soll. Das Verfahren gegen den 59-jährigen Karlsruher wurde mit einer Geldauflage eingestellt.

Der Vater von vier erwachsenen Kindern war von Juli 2010 bis Juni 2015 in einem Familienbetrieb in Greven beschäftigt, der medizinische Produkte herstellt und exportiert. Zunächst verstanden sich der Angeklagte und der Chef des Unternehmens hervorragend. Doch mit der Zeit seien die Vorstellungen über Verkaufsstrategien auseinandergegangen und es herrschte kein Basis mehr. „Als mein Chef einen Absolventen der Uni einstellte, rechnete ich schon mit meiner Kündigung“, sagte der Angeklagte. Die erfolgte dann auch im Herbst 2015. „Erst danach erwog ich aus der Not heraus, mich selbstständig zu machen, habe es aber nicht umgesetzt“, so der 59-Jährige.

Bei einer Hausdurchsuchung wurden auf seinem Laptop diverse Kundendateien, Verträge, Geschäftsschreiben und Rezepturen sichergestellt. „Ich war nicht zu Hause. Aber können Sie sich vorstellen, wie sich meine Frau und meine Kinder gefühlt haben, als sechs Personen mein Haus durchsuchten?“, fragte der Manager das Gericht. Was wohl sein ehemaliger Arbeitgeber der Anklage vorenthalten hatte, war, dass der Beschuldigte ein Home-Office betrieb. „Dass auf meinem Laptop diese ganzen Dateien waren, ist doch völlig normal“, betonte der vermeintliche „Verräter“. Außerdem versicherte er, keine Rezepturen kopiert und keine Mitarbeiter abgeworben zu haben. Der Staatsanwalt machte deutlich, dass er den Prozess nicht unnötig in die Länge ziehen wolle. Der Verteidiger teilte mit, dass das gleichzeitige Zivilverfahren gegen seinen Mandanten sich noch lange hinziehen werde. „Deshalb schlage ich vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 5000 Euro einzustellen“, so der Vertreter der Anklage, und weiter: „Damit ersparen wir uns die Ladung weiterer Zeugen, die den Prozess nur unnötig zu Lasten des Steuerzahlers verteuern.“ Richterin, der Verteidiger und sein Mandant waren einverstanden.

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