Grevenerin heiratet nach hinduistischem Ritus
Eine Märchenhochzeit

Greven -

Christine Pande, geborene Riering, hat kürzlich geheiratet. Eigentlich nichts ungewöhnliches. Aber: Ihr Mann ist Inder und die Hochzeit fand in Indien statt - nach einem traditionellen hinduistischen Ritus.

Samstag, 27.05.2017, 08:05 Uhr

Auch Familie und Freunde aus Deutschland  fanden den Weg nach Indien, um dort gemeinsam mit Christine und Adi ihre Vermählung zu feiern.
Auch Familie und Freunde aus Deutschland  fanden den Weg nach Indien, um dort gemeinsam mit Christine und Adi ihre Vermählung zu feiern. Foto: Susanne Hein

Es sieht, klingt und riecht ein bisschen wie in einem Märchen aus 1001 Nacht: rote, weiße und orangefarbene Blumen und Blüten, bunte Tücher, handbestickte Saris soweit das Auge reicht, der Geruch von orientalischem Essen hängt in der Luft gemischt mit einer Spur Rauch, Klangschalentöne und Bollywood-Musik kommen aus Lautsprechern, untermalt von Stimmengewirr in einer fremden Sprache. Die Braut in ihrem roten Kleid mit goldenen Applikationen, dem langen Schleier, dem Goldschmuck und den tiefschwarz geschminkten Augen ist die perfekte indische Prinzessin. Mit einem kleinen Unterschied: Christine Pande , geborene Riering, könnte deutscher nicht sein. Aufgewachsen und wohnhaft in: Greven.

Zwei Jahre zurück. Christine macht Urlaub in Portugal. In einem Hostel in Lissabon lernt sie eine Gruppe Leute kennen, die aus England und Irland stammen. Man versteht sich gut, verbringt laue Frühlingsabende und spannende Tagestouren miteinander. Unter diesen Leuten ist auch Aditya, kurz Adi . Er ist Inder, ging nach seinem Schulabschluss zum Studium nach Australien, lebt und arbeitet in London. „Für Christi Himmelfahrt haben wir uns alle in London verabredet“, erinnert Christine sich zurück. Dort merken sie und Adi: Sie mögen sich. Sehr. Eigentlich wollte Adi seine Zelte in London schon wieder abbrechen und nach Australien zurückkehren. Aber für Christine bleibt er dann doch. Ein Jahr lang pendelt das Paar zwischen London und Greven, ehe Adi seine sieben Sachen packt und zu Christine an die Ems zieht.

Und jetzt die Märchenhochzeit: Christine tritt auf eine kleine Bühne, auf der ein prunkvolles Sofa steht, die Wand dahinter ist mit üppigem Blumenschmuck behangen. Adi wartet schon und lächelt ihr zu. Er trägt einen goldenen Anzug mit rotem Turban und goldene Schuhe mit gebogener Spitze. Gemeinsam lassen sie sich auf dem Sofa nieder und strahlen in die ein Dutzend Kameras, die auf sie gerichtet werden. Familie, Freunde, Bekannte – jeder möchte eine Erinnerung haben. Danach geht’s zur eigentlichen Trauung.

Standesamtlich haben die beiden bereits im April 2016 in Kopenhagen geheiratet. Gemeinsam mit Christines Familie und Freunden aus London verbrachten sie ein Wochenende in Dänemark und kehrten als Ehepaar Pande nach Greven zurück. „Adis Familie konnte da leider nicht dabei sein“, bedauert Christine. „Auch deswegen ist uns die traditionelle hinduistische Hochzeit in Indien sehr wichtig.“

Apropos Indien: Im Saal wird es jetzt ernst. Unter einem mit Blumen geschmückten Baldachin nehmen Christine und Adi neben dem Priester Platz. Eine Feuerschale ist aufgebaut; in diesem geweihten Feuer werden sie im Laufe der Trauung in verschiedenen Ritualen Sandelholz, Reis und Ghee opfern. „Feuer spielt im Hinduismus als eines von insgesamt fünf Elementen eine sehr große Rolle“, weiß Christine. Während der Zeremonie rezitiert der Priester Mantras in Sanskrit, die von dem Brautpaar nachgesprochen werden. Höhepunkt sind die sogenannten „Sieben Schritte“, die das Paar für immer verbindet. Dabei wird Adis Schultertuch mit Christines Schleier zusammengeknotet. Gemeinsam gehen sie sieben Runden um das heilige Feuer herum. „Jede Runde steht für ein Versprechen in der Ehe, zum Beispiel Weisheit und Gesundheit.“

Zum letzten Mal an diesem Abend setzen die beiden sich hin. Sie sind nun offiziell verheiratet, strahlen sich an. Adi zwinkert Christine zu, die Anspannung der Vorbereitungen letzten Tage ist von beiden abgefallen. Als Zeichen ihrer Ehe tupft Adi Christine rote Farbe auf den Scheitel und legt ihr eine geweihte Kette um den Hals. Letztere ist ein Symbol für die Ehe, ähnlich wie ein Ehering, und sie wird von diesem Zeitpunkt an nicht mehr abgelegt.

Und dann ist alles vorbei. Die Gäste klatschen, lachen, werfen Blumen auf das frisch getraute Ehepaar, das in einem Ansturm von Umarmungen, Glückwünschen und Küssen beinahe untergeht. Danach treffen sich die deutschen und indischen Familien auf dem Parkett, um zu Bollywood-Klängen das Tanzbein zu schwingen. Es wird gelacht, gegessen, und gequatscht, Erinnerungen und Anekdoten werden ausgetauscht, man plaudert. Die indische Verwandtschaft bewundert die Kleider und Hennabemalungen der deutschen Gäste, die wiederum staunend zusehen, wie die Inderinnen ihre Hüften schwingen können, ehe der Abend ausklingt, der allen noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird. Für Christine und Adi war diese Hochzeit ein unvergessliches Abenteuer wie aus einer anderen Welt, ein Märchen aus 1001 Nacht. Und wie im Märchen leben sie noch heute glücklich und zufrieden.

In Greven.

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