Zurück zu G9
Das große Aufatmen

Greven -

Schwarz-Gelb scheint sich festgelegt zu haben: In NRW soll das Abitur nach neun Jahren (G9) wieder die Regel werden. Für Lehrer, Eltern und Vereinsvertreter ein überfälliger Schritt, wie Nachfragen unsere Zeitung ergaben.

Donnerstag, 08.06.2017, 16:06 Uhr

Im Eiltempo Richtung Abitur? Oder lieber mit etwas mehr Muße? Lehrer und Eltern sind da überwiegend einer Meinung: die meisten begrüßen die Rückkehr zu G9.
Im Eiltempo Richtung Abitur? Oder lieber mit etwas mehr Muße? Lehrer und Eltern sind da überwiegend einer Meinung: die meisten begrüßen die Rückkehr zu G9. Foto: dpa/Armin Weigel

„Grundsätzlich kann man die Möglichkeit, zu G9 zurückzukehren, nur begrüßen“, sagt Dr. Volker Krobisch , Leiter des Gymnasiums Augustinianum. Das Abitur nach neun statt acht Jahren sei „zwar nicht die optimale, aber eine deutlich bessere Lösung als die gegenwärtige“. Noch allerdings sei es zu früh, eine endgültige Beurteilung abzugeben, da noch nicht alle Details geklärt seien – etwa die Frage, ob Schulen auch G8 und G9 parallel anbieten können. Auch erwarte er mit Spannung eine Antwort auf die Frage, ob der Schulträger (hier also die Stadt) über das Zurück zu G9 mitentscheiden dürfe. „Darin liegt ein bisschen Brisanz.“

Sollte die Schulkonferenz des Augustinianums autark entscheiden dürfen, wird es nach Krobisch‘ Einschätzung wohl ein klares Votum für G9 geben. „Sehr, sehr viele Leute an dieser Schule würden sich dafür einsetzen. Viele Lehrer, viele Eltern, und viele Schüler sowieso. Da gab es ja aus der Schülerschaft schon deutliche Statements.“ In Gesprächen mit Schüler- und Elternvertreten sei sehr deutlich geworden, dass sich eine große Mehrheit G9 zurückwünsche.

Ein Jahr mehr bis zum Abi – das würde nach seiner Einschätzung nicht nur vertiefteres Lernen möglich machen, sondern auch entspannteres Lernen. „Entspannung in jeder Hinsicht.“ Und die sei auch dringend nötig: Ein Oberstufenschüler habe 34 Pflichtstunden zu absolvieren. Rechne man nur jeweils eine halbe Stunde Vor- und Nachbereitung hinzu, komme man auf 51 Wochen-Stunden, bei einer Viertelstunde auf immer noch 42,5 Wochenstunden. „Welche Gewerkschaft würde ihren Mitgliedern eine solche Wochenarbeitszeit zumuten?“, fragt er – und liefert die vielsagende Antwort gleich mit: „Ich hoffe, dass endlich die Vernunft einkehrt.“

Auch auf Elternseite großes Aufatmen: „Grundsätzlich begrüße ich die Entscheidung, zu G9 zurückzukehren. Das ist das Beste, was dem deutschen Bildungssystem passieren kann“, sagt Volker Steltenkamp , der sich in der Schulpflegschaft des Gymnasiums engagiert. Von den Schülern, die mit 17 Jahren die „Reifeprüfung“ abgelegt hätten, seien „doch etliche nicht unbedingt reif für das Leben und ein anschließendes Studium“, so Steltenkamp. Eine Studienabbrecher-Quote von rund 30 Prozent belege das. „Dennoch gibt es Schülerinnen und Schüler, die mit G8 prima zurecht kommen und denen sollte man die Möglichkeit eines Turbo-Abiturs einräumen können, auch an ein- und derselben Schule“, wünscht sich der Familienvater ein Nebeneinander der Modelle.

Von G8 sind nicht nur Schüler betroffen, sondern auch Vereine – etwa die Sportvereine. „Wir haben nach der Einführung von G8 ganz klare Einschnitte festgestellt“, sagt Sven Thiele (DJK BW Greven). „Da fehlten uns auf einmal die Oberstufenschüler, die sonst als junge Trainer aktiv waren und das wunderbar gemacht haben. Heute sind die eher die Ausnahme.“ Auch in der Abenteuerkiste sei die Situation ähnlich. Jüngere Engagierte gebe es meistens noch – doch vor dem Abi stiegen die allermeisten aus, was den Vereinen ein „echtes Personalproblem“ beschert habe. Die Bereitschaft zum Engagement sei „riesengroß“, doch die Zeit eben zu knapp, weshalb Thiele eine Rückkehr zu G9 „sehr begrüßt“, auch weil die jungen Menschen persönlich profitierten, wenn sie außerhalb der Schule Erfahrungen sammeln. „Ich bin sicher, dass die Jugendarbeit, aber auch die Sportvereine davon profitieren“, freut sich Thiele über die geplante Änderung.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4913035?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker