Das sagen aktuelle Abiturienten zum G9-Plan
„Schüler sind keine Maschinen“

Greven -

In der Schülerschaft gehen die Meinungen durchaus auseinander, das ergab eine Umfrage im aktuellen Abiturjahrgang.

Donnerstag, 08.06.2017, 16:06 Uhr

Schüler des aktuellen Abi-Jahrgangs sehen Vor- und Nachteile.  
Schüler des aktuellen Abi-Jahrgangs sehen Vor- und Nachteile.   Foto: gap

Merle Kortmann konnte sich mit G8 nie so richtig anfreunden: „Ich glaube, mit G9 wäre es weniger stressig geworden und ich hätte einfach mehr Freizeit gehabt.“

Auf der anderen Seite stehen Meinungen wie die von Sophia Kappelhoff und Antonia Erdmann . Sie meinen beide, dass das gewonnene Jahr gut zum Reisen oder für freiwilliges Engagement genutzt werden kann, was für sie sehr wichtig ist.

Und es gibt Schüler wie Salome Stratmann, die sagen, dass es gerade im Hinblick auf den Schulalltag besser wäre, ein Jahr mehr Zeit zu haben, „für gemeinschaftliches Lernen und eine bessere Allgemeinbildung und Berufsplanung.“

Grundsätzlich halten die Schüler die Entscheidung der früheren Landesregierung für eine Wende zu G8 nicht für falsch: guter Gedanke, aber die Umsetzung funktioniert nicht. Das Ziel einer effizienteren Gesellschaft durch einen früheren Einstieg in den Arbeitsalltag, sei verfehlt worden, wie Clara Hüttemann beschreibt: „Viele machen erst mal Pause. Das Jahr verbringt kaum jemand, um mit einem Studium zu beginnen, sondern lieber mit reisen.“

Antonia Erdmann: „Die Umstellung zu G8 war meiner Meinung nach die richtige

Antonia Erdmann

Antonia Erdmann

Entscheidung, gerade in einer Zeit, in der klassische Berufswege immer seltener werden. Ursprünglich wollte man erreichen, dass junge Menschen schneller in die Arbeitswelt einsteigen, doch der Plan ging nicht ganz auf, da viele das Gefühl hatten, sie hätten ein Jahr Zeit „geschenkt“ bekommen. Und das finde ich richtig gut. Es ist viel wertvoller, ein Jahr lang Erfahrungen sammeln zu können und eventuell zu reisen, als noch ein Jahr länger in der Schule zu verbringen, gerade für Menschen, die sich dort nicht wohl gefühlt haben und in das ganze Schulkonzept nicht richtig rein gepasst haben.

Clara Hüttemann: „Ich denke dass die ursprünglichen Gründe, weshalb G8 eingeführt

Clara Hüttemann

Clara Hüttemann

wurde, nicht schlecht sind: man wollte die Schulzeit verkürzen. Vor allem im internationalen Vergleich ist die deutsche Schulzeit relativ lang. Schüler können ein Jahr eher beginnen zu arbeiten. Kurz gesagt, sollte das Schulsystem effektiver werden. Ein super Gedanke, der nur in der Praxis nicht funktioniert hat.

Aus Schülersicht kann ich nicht beurteilen, ob meine Schulzeit mit G9 weniger stressig gewesen wäre. Was jedoch feststeht ist, dass die meisten mit 17 oder 18 Abitur machen, was zu früh ist, um sich für einen Beruf zu entscheiden. Vielen hätte ein Jahr mehr Selbstfindung, kombiniert mit einer etwas ruhigeren Schullaufbahn, gutgetan.

Und dieses Jahr, das man sich ja durch G8 gespart hat, nutzen viele nicht, um direkt zu studieren, oder um zu arbeiten: Viele machen erst eine Pause oder ein Auslandsjahr. Ich denke, dass man G8 deswegen von vorneherein hätte weglassen können: Schüler sind keine Maschinen und ein Jahr mehr oder weniger ist, bei wahrscheinlich über 50 Jahren Arbeitszeit, auch egal?“

Salome Stratmann: „Viele Schüler gehen nach dem Abitur für ein Jahr ins Ausland oder machen ein FSJ, also scheint G8 nicht die gewünschte Wirkung zu haben, dass junge Leute automatisch für den Arbeitsmarkt schneller zur Verfügung stehen. Ich persönlich denke, dass mir ein Jahr länger in der Schule für meine Berufsplanung, Persönlichkeits- und Allgemeinbildung gut getan hätte.“

Merle Kortmann: „G9 ist besser! G8 war sehr stressig und mit G9 hätte man auch für Hobbys und Freunde mehr Zeit gehabt.“

Sophia Kappelhoff: „Ich bin pro G8, denn ich hatte selbst keine Probleme damit, also zu viel Stress oder so. Das so gewonnene Jahr kann genauso gut für Freiwilligendienste oder Auslandsaufenthalte genutzt werden, bei denen man mindestens genauso viel Lebenswichtiges lernt, wie in der Schule. Außerdem besteht ja trotzdem noch die Möglichkeit für G9, an den Gesamtschulen.“

Lara: „Geschadet hat mir G8 nicht. Aber wahrscheinlich hätte man mit G9 mehr Raum für tiefgehendes Verständnis, Kreativität im Unterricht und gemeinschaftliches Lernen gehabt.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4913037?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker