Blühstreifen-Programm
Wenn Blühstreifen kaum blühen

Greven -

Wildblumen und Ackerkräuter sind selten geworden, Monokulturen und Herbizideinsatz ist es geschuldet. Das bedroht den Insekten- und damit auch den Vogelbestand. Ein Blühstreifenprogramm soll gegensteuern. Doch das ist nicht ganz einfach.

Freitag, 09.06.2017, 15:06 Uhr

Ein Blühstreifen an einem Feld in Greven – so wie er sein sollte: Bunt, vielseitig, dicht und mit verschiedenen Gräsern durchsetzt. So wäre er ein idealer Lebensraum für Insekten und Feldvögel.
Ein Blühstreifen an einem Feld in Greven – so wie er sein sollte: Bunt, vielseitig, dicht und mit verschiedenen Gräsern durchsetzt. So wäre er ein idealer Lebensraum für Insekten und Feldvögel. Foto: Günter Benning

Schmetterlinge sind selten geworden. Auch den leuchtend roten Klatschmohn am Rande eines Ackers findet man kaum noch. Gefühlte Beobachtungen? Oder Realität?

Geht es nach Thomas Starkmann von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt sind „Ackerränder in der bekannten Form kaum noch sichtbar.“ Die Folgen seien durchaus sichtbar: „Wir beobachten einen großen Rückgang an Insekten. Weiter stellen wir fest, dass Vögel wie die Feldlerche oder der Kiebitz immer mehr Lebensraum verlieren. Das Rebhuhn kann durchaus schon als gefährdet bezeichnet werden.“

Herbert Piepel , Pflanzenbauberater der Landwirtschaftskammer (Kreisstelle Steinfurt) kennt die Argumente. „Wir haben in der Region eine sehr hohe Dichte an Blühstreifen“. Das zeige, dass Landwirte das Blühstreifen- oder Blühflächen-Förderprogramm gerne nutzten. Die Landwirtschaftskammer kläre dazu „sehr erfolgreich“ auf. Er habe als Referent auch schon in Hegering-Versammlungen zu diesem Thema informiert. „Wir erreichen ein großes Publikum.“

„Wenn ein Landwirt eine Fläche für das Programm meldet, muss er die zwischen sechs und zwölf Meter breiten Blühstreifen nach einem Programm einsäen und dieses nachweisen“, beschreibt Piepel das Prozedere. Das Programm laufe in der Regel über fünf Jahre. Die Blühstreifen seien auch aus arbeitstechnischen Gründen für diese Zeit festgelegt. Naturschützer wünschten, dass der Streifen am besten diagonal durch eine Fläche angelegt werde. „Das lässt sich aber nicht sinnvoll realisieren“. Würde ein Landwirt die Blühstreifen-Förderung weiter beantragen, müsste nach fünf Jahren erneut das „qualifizierte Einsäen“ nachgewiesen werden.

Piepel räumt ein, dass „eine intensive Landwirtschaft ihren Einfluss“ auf die Veränderungen habe. Gleichwohl gebe es Vorgaben, die die Landwirtschaft nicht zu verantworten habe. So sei etwa vorgeschrieben, dass die Blühstreifen gemulcht werden müssten. „Das organische Material darf nicht abgefahren werden.“ Die Folge: Es komme zu einer Vergrasung der Streifen, die dann wieder für Insekten weniger interessant seien. „Wir haben 2017 nach einigen schwächeren wieder ein insektenintensives Jahr“, ergänzt Piepel. Weniger Singvögel seien auch ein Indiz dafür, dass „deren Feinde, die Rabenvögel, insbesondere Dohlen“ erheblich zugenommen hätten. Und weiter: Wenn sich ein Landwirt entscheide, etwa auch Klatschmohn zu verwenden, entstünden schnell „lückenhafte Bestände“, in denen sich dann Brennnesseln oder Gräser breit machten.

Das Programm sei grundsätzlich mit der „Forderung“ aufgelegt worden, „weil es mehr blühen soll.“ Allerdings: „Es ist nicht perfekt.“

Dass Blühstreifen etwa durch Spritzen der Äcker beschädigt würden, schließt Piepel weitgehend aus. Das liege schon im Interesse der Landwirte. „Sie müssten den Förderbetrag zurückzahlen.“ Selbst „Unfälle“ würden häufig mit Ordnungsgeldern belegt.

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