Rauchen mit Aromen
Die Dampfer

Greven -

Es dampft ordentlich. Immer Raucher steigen auf die Elektro-Zichte um. Dafür gibt es jede Menge Geschmacksrichtungen.

Samstag, 17.06.2017, 18:06 Uhr

 
  Foto: Wilfried Gerharz

Nein, auf Lunge ziehen, das geht nicht als Nichtraucher. Auch wenn, versprochen, kein Teer rauskommt, nichts verbrennt und, so verspricht es der begeisterte Dampfer, er diesmal, aus Rücksicht auf die Anfängerin, kein Nikotin in die Betriebsflüssigkeit – fachmännisch Liquid geheißen – untergemischt hat. „Das ist im Prinzip Disconebel, es sind nur ganz normale Lebensmittelzusatzstoffe drin“, versichert er. Trotzdem – schonen wir die Bronchien, paffen reicht, das wird wohl auch eine Nichtraucherin können. Aber von wegen. Ein kräftiger Zug an der E-Zigarette – die Husterei geht los. Und der Geschmack! Künstlich wie diese Riesenkaugummis, die man als Kind aus den Automaten gezogen hat.

Ersatzrauchen

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  • Die verschiedenen Dampfarten: Einträglich in eine Richtung blasen.

    Foto: Monika Gerharz
  • Gegenseitig vernebeln

    Foto: Monika Gerharz
  • Und auf Konfrontationskurs schalten.

    Foto: Monika Gerharz

Der „Dampfer“ in der Familie lacht und zieht mit Genuss auf Lunge, bläst dicke Rauchwolken in die Umgebung und schwärmt davon, wie toll doch Apfelkuchenaroma, Mango Milchshake und halbes Hähnchen schmecken. Es gibt auch Tabakaromen für all jene, die sich die Illusion einer Zigarette bewahren wollen, auch wenn die E-Zigarette eher wie ein großes Feuerzeug aussieht. Und sogar für ganz abartige Geschmäcker oder üble Scherzbolde gibt es ein Angebot. „Das Schlimmste, was ich kenne, ist Stinktier“, weiß Sascha Hoppe .

Hoppe betreibt an der Münsterstraße und in Emsdetten zwei Spezialgeschäfte für E-Zigaretten und Liquids, hat überdies einen Onlineshop. „Etwa 60 Aromen habe ich im Angebot.“ Um diese Geschäfte hat sich eine Art Club gebildet, man fachsimpeln über die neuesten E-Zigarette und die besten Liquids. Etwa 25 Dampfer kommen regelmäßig. „Mit den Dampfern ist es wie mit den Motorradfahrern – man grüßt sich, man redet miteinander“, berichtet Olaf, ein Kunde des Liquid-Ladens. Und man regt sich gemeinsam auf, beispielsweise über mögliche Steuern aufs Dampfen oder über die neue Tabakprodukte-Richtlinie vom Mai 2017. Bisher nämlich konnten sich die Dampfer ihre Liquids in Großpackungen bestellen, konnten sie selbst mischen und mit Nikotin versetzen. Damit ist jetzt Schluss – Liquids gibt es nur noch in kleinen ZehnMilliliter-Fläschchen mit genau geregeltem maximalen Nikotinanteil. „Damit ist die E-Zigaerette fast so teuer wie normales Rauchen“, klagen die Dampfer. „Das ist die Handschrift der Tabaklobby!“ Dabei hätten in Deutschland zwei Millionen Raucher mit Hilfe der E-Zigarette ihr Laster aufgegeben – schließlich kann der Nikotingehalt der Liquid Schritt für Schritt nach unten reguliert werden. Und die Belastung durch Teer und andere Schadstoffe fallen sowieso weg. Die Wirkung tritt schnell ein – die morgendlichen Hustenanfälle des Dampfers in der Familie sind wirklich weg. „Und der Geschmacksinn ist wieder da!“, schwärmt er.

Also alles ganz gesund? Na ja. Nikotin ist und bleibt ein Nervengift, auch im Dampf. Aber es kann das bei weitem kleinere Übel sein, meint der Grevener Allgemeinmediziner Dr. Johannes Keller . „Ob in der E-Zigarette noch Reste von gesundheitsbedenklichen Substanzen sind, ist im Vergleich zum richtigen Rauchen völlig irrelevant. Insofern halte ich E-Zigaretten als Ersatz zum Rauchen für sehr sinnvoll.“ Die Frage sei eher, ob Raucher von der E-Zigarette wieder zum Rauchen zurückkehrten und ob ganz aufhören nicht langfristig noch einfacher sei. Und Jugendliche sollten nicht animiert werden, mit einer E-Zigarette anzufangen. „Da sehe ich dann eine Gefahr, dass sie von der E-Zigarette aufs Rauchen umschwenken.“

Auch Sasche Hoppe sagt, als er merkt, dass sein Gegenüber schon beim Passivrauchen hustet, während er dicke weiße Wolken ausstößt: „Wenn Sie immer Nichtraucherin waren, sollten Sie auch nicht dampfen. Denn Sie packen sich doch Stoffe in die Lunge, die dort nicht hingehören.“ Aber als Raucher-Entwöhnungs- oder Nikotinreduzierungsprogramm ist für ihn die E-Zigarette unschlagbar. „Aber ganz auf Null kann ich nicht“, gesteht er. „Da fehlt mir was.“

Nun, dem Dampfer-Neuling fehlt nichts, wenn er verzichtet, im Gegenteil, die Bonbon-Aromen sind eher zum Abgewöhnen. Da schmecken ein richtiger Apfelkuchen, ein echtes Eisbonbon doch viel besser. Ganz ehrlich, sogar Virginiatabak oder eine kräftige Havanna duften einfach – sagen wir mal: sinnlicher – als der Dampf mit dem rosaroten Bonbonaroma. Einen wirklichen Vorteil allerdings hat er: Er färbt die Gardinen nicht gelb.

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