Ameisen vertreiben
Wenn das Krabbeln zu viel wird

Greven -

Sie sind zäh, sehr zäh sogar. Sie sind unglaublich widerstandsfähig. Und: Sie haben schon so manchen Menschen fast in den Wahnsinn getrieben. In diesem Jahr jedenfalls treten Ameisen in wahren Massen auf – wie alle anderen Insekten auch.

Donnerstag, 29.06.2017, 11:06 Uhr

Unglaublich: Diese Blattschneider-Ameisen transportieren das doppelte ihres Eigengewichtes. Das finden viele Menschen toll, doch im Haus und im Garten will sie kaum jemand haben.
Unglaublich: Diese Blattschneider-Ameisen transportieren das doppelte ihres Eigengewichtes. Das finden viele Menschen toll, doch im Haus und im Garten will sie kaum jemand haben. Foto: dpa

„Normalerweise sorgt der Frost im Winter für eine Selektion, das hat aber im vergangenen Winter einfach nicht stattgefunden“, erzählt Uwe Schütz von der Biologischen Station Rieselfelder. Und deshalb gibt es in diesem Jahr unter anderem auch viele Ameisen.

„Böse“ Ameisen

Wobei: Ameise ist natürlich nicht Ameise. Es gibt so rund 13.000 verschiedene Arten. Im heimischen Garten gibt es aber normalerweise nur zwei verschiedene Spezies: die Schwarze Wegameise und die Gelbe Wegameise.

Uwe Schütz sieht die Krabbler als durchaus nützlich an, will Tiere und Insekten aber nicht grundsätzlich bewerten. „Wir Menschen neigen dazu, Tiere und besonders Insekten in gut und böse einzuteilen. Das werde ich aber nicht machen.“

Nun: Für viele Menschen landen die Krabbeltierchen wohl in der Abteilung „böse“. Denn: Die Tierchen – meistens besteht ein Ameisenstaat aus 500 Arbeiterinnen und einer Königin – lieben es warm und bauen sich deshalb sehr gerne ihre Höhlen unter schön warmen Pflastersteinen. Und das sieht man natürlich daran, dass das überflüssige Material – sprich der Sand – nach draußen befördert wird.

Wir Menschen neigen dazu, Tiere und besonders Insekten in gut und böse einzuteilen. Das werde ich aber nicht machen.

Uwe Schütz

Schütz jedenfalls bewundert die Krabbeltiere für ihre Bauarbeiten. „Das sind wahre Künstler“, erzählt er und weist darauf hin, dass Ameisen Wasser nicht mögen. „Deshalb bauen sie ihre Anlagen so, dass immer ein Teil so angelegt ist, dass er auch bei starkem Regen trocken bleibt.“

Eine natürliche Art Gesundheitspolizei

Zurück zur Abteilung „böse“: Schwarze Wegameisen ernähren sich vorwiegend vom Honigtau von Blattläusen, Schildläusen, Blattflöhen und Zikaden. Und deshalb hegen und pflegen sie diese Insekten, bei denen Gärtner mal so richtig die Krätze bekommen. Sie beschützen Blattläuse sogar vor Fressfeinden, siedeln sie in näher stehenden Pflanzen um, um ihre zuckerhaltige Ausscheidungen zu ernten.

Manche Ameisen legen gar Pilzgärten unter Pflanzen an, schädigen dadurch aber die Wurzeln der Pflanzen. Aber: Ameisen fressen auch andere „schädliche“ Insekten und betätigen sich in der Natur als eine Art Gesundheitspolizei.

Pro oder Contra: Manchmal wird es einfach zu viel, vor allem, wenn die Krabbeltiere ins Haus kommen. „Das scheint in diesem Jahr besonders häufig der Fall zu sein“, sagt Swetlana Gossen vom Grevener Raiffeisenmarkt. Dort habe man festgestellt, dass das Ameisenproblem in diesem Jahr besonders früh und besonders heftig aufgetreten sei.

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Als Problemlöser bietet der Markt verschiedene giftige Lösungen an. „Im Haus kann man nur die Köderdosen nehmen, im Garten helfen Pulver und, wenn man nicht an die Nester heran kommt, auch Spray“, so Gossens Empfehlung.

Umsiedlung als schonende Methode

Aber nicht jeder will gleich die Artillerie auffahren und die Ameisen lieber mit natürlichen Mitteln vertreiben. Tipps gibt es da jede Menge. Kurzzeitige Hilfe bietet Backpulver, an dem allerdings nur die Arbeiterinnen sterben. Die Königin bleibt verschont und kann schnell wieder einen neuen Staat gründen. Auch kochendes Wasser erreicht meistens nur die Arbeiterinnen. Und angeblich mögen die kleinen Krabbeltiere den Geruch von Lavendelblüten, Zimt, Gewürznelken, Chilipulver oder Zitronenschalen absolut nicht. Ja selbst das berühmte Kreidepulver oder Gartenkalk soll funktionieren. Grund: Ameisen überqueren diese alkalischen Substanzen nicht, da sie sonst an Verätzungen sterben würden.

Eine schonende Methode ist die Umsiedlung. Denn wie gesagt: Ameisen mögen es gerne kuschelig. Also: Blumentopf mit Holzwolle versehen und umgedreht auf die Ameisenstraße stellen. Es dauert nicht lange, bis die Ameisen umziehen. Das sieht man auch daran, dass die Insekten ihre Puppen in den Blumentopf bringen. Sind alle drin, muss der Blumentopf mit samt Einwohnern nur noch umgesiedelt werden.

Eine ganz sichere Methode ist es aber, weitsichtig zu arbeiten. „Man sollte als letzte Schicht unter einem Pflaster nie Sand, sondern dünnen Kies nehmen“, empfiehlt Schütz. Das habe zur Folge, dass die Ameisen beim Bau von Tunneln und Höhlen scheitern, weil der Kies instabil ist und immer wieder nachsackt.

Ergebnis: Im besten Fall ziehen die Tierchen weiter, vielleicht mit viel Glück sogar zum „bösen“ Nachbarn . . .

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