Gerichtsverhandlung
29-Jährige lässt Pferd verhungern

Reckenfeld -

Bis Anfang Februar vergangenen Jahres weideten 18 Pferde auf einer Koppel in Reckenfeld. Dann aber musste ein Pferd wegen Unterernährung eingeschläfert werden. Eine 29-jährige Frau aus Lingen war mit der Pflege und Unterhaltung der vielen Rösser überfordert. Das Amtsgericht Steinfurt verurteilte die Pferdeliebhaberin am Dienstag wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe in Höhe 4950 Euro.

Mittwoch, 28.06.2017, 18:06 Uhr

 
  Foto: colourbox.com

Anfangs sollte gegen zwei Tierschutz-Vergehen ein Urteil gefällt werden. Aber weil die Erkrankung eines Pferdes am Auge wohl nicht durch einen derartigen Verstoß verursacht worden war, stellte das Gericht dieses Verfahren ein. Ein Belastungszeuge war zum Prozess nicht erschienen. Derjenige erhielt eine Ordnungsstrafe in Höhe von 150 Euro – ersatzweise drei Tage Ordnungshaft.

„Ich habe die ganze Situation wohl falsch eingeschätzt“, gestand die Mutter einer acht Jahre alten Tochter unter Tränen. Die Angeklagte hatte die eingeschläferte Stute selbst aufgezogen. Sie behauptete, wegen des Winterfells nicht erkannt zu haben, wie unternährt ihre Stute war. Die 29-Jährige war damals arbeitslos und wohl in Geldnöten.

Der einjährige Tinker und 17 weitere Pferde wurden zunächst am 18. Dezember 2015 aufgrund eines Hinweises des nicht erschienenen Belastungszeugen von einer Tierärztin des Kreises Steinfurt untersucht. „Damals war der Ernährungszustand der Herde gut bis mäßig“, bestätigte die 32-jährige Veterinärmedizinerin. Die Pferdehalterin gab an, vier bis fünf Heuballen in der Woche für die gesamte Herde und zwei Schaufeln Kraftfutter für jedes Tier ausgegeben zu haben. „Das war zu wenig. Vor allem in der Winterzeit benötigen zehn Pferde ein Ballen pro Tag. Außerdem haben junge Tiere in der Herde oft Probleme, ausreichend Futter zu bekommen“, betonte die Tierärztin. Der als Zeuge geladene Amtsveterinär bestätigte den schlechten Zustand der Stute, der am 2. Februar 2016 vorherrschte: „Das Tier war bis auf die Knochen abgemagert. Da bestand dringender Handlungsbedarf.“

Einen Tag vorher wurde ein Emsdettener Tierarzt vom nicht erschienenen Belastungszeugen informiert und schaute sich das kranke Pferd an. „Das Tier konnte gar nicht mehr aufstehen. Das war auf – Deutsch gesagt – regelrecht verhungert“, schilderte der 61-jährige Zeuge.

Die Staatsanwältin plädierte auf eine Geldstrafe in Höhe von 4940 Euro, weil die wegen Betruges mehrfach vorbestrafte Angeklagte wieder einen Job als Berufskraftfahrerin hat. Außerdem forderte sie ein zweijähriges Verbot, Pferde zu halten. Der Verteidiger sah keinen Vorsatz bei seiner Mandantin und bat um eine mildere Strafe. Die Richterin aber folgte der Forderung der Staatsanwältin: „Das waren alles Schutzbehauptungen. Für mich war das Vorsatz.“

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