Ein Meister seines Metiers: Jacques Toffi stellt im Kunstturm aus
Das Normale vor dem Ausnahmezustand

Greven -

Manche Leute haben ihren Traumberuf. Jacques Toffi hatte schon zwei. Als junger Mann träumte er davon, zur See zu fahren. Als ihm das nicht mehr genug Abenteuer war, ist er Sportfotograf geworden. Reiten vor allem. Olympia, Weltmeisterschaften, das ganze Programm.

Sonntag, 09.07.2017, 15:07 Uhr

Kunstverein-Chef Stephan Kube und Jacques Toffi (l.) verbindet die Liebe zum Pferdesport - jetzt holte Kube den Star-Sportfotografen nach Greven.
Kunstverein-Chef Stephan Kube und Jacques Toffi (l.) verbindet die Liebe zum Pferdesport - jetzt holte Kube den Star-Sportfotografen nach Greven. Foto: Stefan Bamberg

„Das besondere Foto“, meint sein Kumpel Stephan Kube , „hat immer Jacques gemacht.“ Am Freitagabend im Kunstturm jedoch: kein einziges Pferd. Hier ist der Wahl-Hamburger Toffi auf anderen Wegen unterwegs. Schlicht und einfach „Syrien“ heißt die neue Ausstellung beim Kunstverein, die Motive aus Toffis Geburtsland zeigt. Ältere Bilder, entstanden kurz vor dem Beginn des furchtbaren Bürgerkrieges 2011, als Toffi letztmals das Land besuchte, das er einst für seine Träume verließ. In seiner zweiten Karriere ist Toffi mit der Zeit eine große Nummer geworden.

Da kann er Geschichten erzählen. Wie er bei den Olympischen Spielen von London als Letzter zur Reiter-Siegerehrung gebummelt kam und trotzdem noch die besten Bilder schoss. Von Zeiten, in denen der HSV noch gut und sogar mal Deutscher Meister war. Geschichten vom Sport, fröhliche Geschichten.

Syrien hat mit Fröhlichkeit gerade nicht so viel zu tun. Assad, Rebellen, IS-Terrormiliz. Jahre des sinn- und skrupellosen Tötens, nach denen niemand mehr so genau durchblickt, wer mit wem wofür oder wogegen kämpft. „Was dort passiert, macht mich traurig“, sagt Toffi. „Natürlich.“ Und doch ist es ein differenziertes Bild, das Toffi von seiner Heimat zeichnet: „Nicht das ganze Land brennt.“

Es gebe Orte, die sähen noch genauso aus wie früher, bevor der Bürgerkrieg ausbrach, erzählt er. Die Fotos präsentieren den Alltag: Zwei Jungs chillen auf einer Mauer. Ein Mann sitzt beim Barbier, über ihm glänzen Porträts von Real-Madrid-Stars. Eine abgekämpfte Fabrik-Belegschaft feiert den Feierabend. Wer weiß, ob für solche Momente nicht auch heute ab und zu Zeit bleibt in Syrien, für das Normale im Ausnahmezustand. Vielleicht kehrt irgendwann wieder Normalität ein, alle hoffen es: „Die Ausstellung hat auch eine politische Botschaft“, interpretiert Kunstverein-Chef Kube. „Sie zeigt Syrien, wie es bald wieder aussehen soll.“

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Die Ausstellung ist bis zum 30. Juli im Kunstturm zu sehen und immer samstags und sonntags (11-17 Uhr) geöffnet. Die Fotos von Jacques Toffi stehen zudem zum Verkauf: Von dem Erlös soll eine Ausstellung junger syrischer Künstler, die in Deutschland Zuflucht gefunden haben, finanziert werden.

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