Treffen von Mehrlingseltern
Ein Tag-und-Nacht-Job

Reckenfeld -

Wird ein Baby geboren, herrscht in aller Regel große Freude. Doch schlaflose Nächte, die Fragen, ob man alles richtig macht, und vieles mehr lassen junge Mütter und Väter selbst mit einem Baby an Grenzen stoßen. Doch wie ergeht es Eltern mit Zwillingen oder gar Drillingen?

Dienstag, 11.07.2017, 08:07 Uhr

Hochbetrieb herrschte in der Sporthalle beim Treffen der Mehrlingseltern mit ihren zahlreichen Kindern. Unter anderem waren auch zwei Mal Drillinge dabei.
Hochbetrieb herrschte in der Sporthalle beim Treffen der Mehrlingseltern mit ihren zahlreichen Kindern. Unter anderem waren auch zwei Mal Drillinge dabei. Foto: ros

Da steht noch einiges mehr an, auf das sich die Familien einstellen müssen. Das ist nicht nur vor, bei und nach der Geburt so, sondern auch in den Folgejahren. Ein Gedankenaustausch ist da wichtig und hilfreich. Das jedenfalls dachte sich Christine Borgmann aus Reckenfeld, nachdem ihre Zwillinge Mia und Mats vor zweieinhalb Jahren geboren wurden. Sie gründete den Mehrlingstreff Münster und Umgebung und organisierte aktuell ein drittes Treffen.

„Insgesamt 45 Kinder tummelten sich mit Geschwisterkindern in der Sporthalle des SCR in Reckenfeld. Darunter sogar zwei Drillingspärchen. Die jüngsten sind gerade fünf Monate alt“, freut sich Christine Borgmann über die gute Resonanz und bedankt sich beim SCR, dass für das Treffen die Sporthalle genutzt werden durfte.

Der Gedankenaustausch stand bei den Eltern im Vordergrund, während die Kinder den Platz zum Herumtollen nutzten. Die Eltern wünschen sich bessere Aufklärung während der Schwangerschaft, denn eine Mehrlingsschwangerschaft ist oft mit der Geburt von Frühchen und Folgebelastungen verbunden. Auch die finanzielle Belastung, die bei jeder Anschaffung gleich doppelt oder dreifach anfällt, ist enorm, selbst wenn auf Second-Hand-Ware zurück gegriffen wird. Mehr Hilfe seitens der Krankenkassen, der Kommunen und staatliche Unterstützung, wie zum Beispiel die höheren Kosten bei der Steuer absetzen zu können, sind nur einige Wünsche.

Was es bedeutet Eltern von Drillingen zu sein, erzählt die Grevenerin Melanie Degenhardt . „Unterstützung gab es fast gar nicht. Man muss bei den Krankenkassen und den Ämtern quasi um Hilfe betteln. Deutschland selbst bettelt um Kinder, doch sind sie da, fehlt vor allem bei Mehrlingen staatlicherseits Hilfe.“ Man hat nun einmal nur zwei Hände und was macht man bei Drillingen?

Nun, bei den Degenhardts gab es nach langem Hin und Her, nachdem die Frühchen zu Hause waren, für acht Wochen stundenweise eine Haushaltshilfe. Das Jugendamt blockte am Anfang auch jede finanzielle Hilfe ab. „Doch ich wusste, dass es Kommunen gibt, die Mehrlingseltern unterstützen. Wir haben uns nicht abwimmeln lassen und so fanden wir nach langem Suchen dann eine Tagesmutter, die uns stundenweise unterstütze.“

Hilfe also nur durch „Kampf“ und Durchhalte-vermögen? Zeit, die Kraft kostet und die man abzwacken muss. „Ich kann nur jedem raten, in einer gleichen Situation durchzuhalten“, rät sie Mehrlingseltern. Auch wenn ihr Mann Thilo ihr sehr zur Seite stehe. Der Aufwand sei enorm, bei Mehrlingen stehe man ständig parat. Deshalb freut sie sich besonders über die ehrenamtliche Unterstützung der Caritas und der Gruppe „Wellcome“, die zwischendurch zwei Stunden mit den Kindern spazieren gehen.

Ausgeruht wird sich dann allerdings nicht. „Es bleibt ja doch einiges liegen, das man dann in Angriff nimmt. Inzwischen sind die Drillinge 14 Monate, sind stundenweise bei einer Tagesmutter, zu der sie, seit sie ein Jahr alt sind, gebracht werden müssen. Trotzdem liegt tagsüber viel an, die Nächte sind weiterhin kurz und selten kommen die Eltern vor 23 Uhr zu Bett. „Man erlebt mit den Kindern so viel Schönes, das möchte man nicht missen.“

Das denken auch die anderen Mehrlingseltern. Die gemeinsamen Treffen, für die es auch in Zukunft hoffentlich einen passenden Raum gibt, sind einfach wichtig. Unterstützung von Staat, Stadt und Krankenkassen sollten einfach eine Selbstverständlichkeit wer-den und dafür will sich die Gruppe einsetzen.

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