Greven hat 104,491 Millionen Euro Schulden
Wahrheit siegt über Statistik

Greven -

Geht es nach den Landesstatistikern hätte Greven in den vergangenen Jahren jede Menge Schulden abgebaut. Stimmt aber nicht. Die Zahlen, die IT.NRW veröffentlich hat, sind schlicht falsch.

Dienstag, 11.07.2017, 11:07 Uhr

   
   

Statistiker haben es nicht einfach. Immer und immer wieder bekommen sie Sprüche hereingedrückt. Und: Es ist zwar nicht immer berechtigt, aber manchmal schon. So auch in diesem vorliegenden Fall. Also voll druff, lassen wir den alten Churchill sprechen: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Na ja, gefälscht ist das Ding, was IT.NRW da kürzlich veröffentlich hat, nicht. Aber: Die Zahlen stimmen schlicht nicht. Nein, Greven ist nicht plötzlich deutlich reicher als je zuvor, oder besser gesagt, deutlich weniger arm geworden.

Es geht um den Haushalt der Stadt Greven, es geht um Kredite und Kassenkredite, es geht um die Pro-Kopf-Verschuldung. Glaubt man also IT.NRW, dann hatte Greven am 31. Dezember 2016 tatsächlich „nur noch“ 86 Millionen Euro Schulden.

86 Millionen Euro? Ja haben wir Schreiberlinge denn jahrelang geschlafen? Haben wir nicht mitbekommen, dass die Stadtverwaltung und die geldausgebende Politik wie die Wilden gespart haben in den vergangenen Jahren? Schön wär‘s, aber nein, leider ist nichts dran an den Zahlen. Die Stadt Greven hatte am Ende des vergangenen Jahres tatsächlich 104,491 Millionen Euro Schulden – leider.

Die Differenz liegt eigentlich überall in dem Datenmaterial begraben, kaum eine Zahl der Statistiker stimmt. Besonders ins Gewicht fällt aber die Abteilung „aus den Kernhaushalten ausgegliederte Einheiten“. Darunter fallen in Greven die „Technischen Betriebe Greven“ (TBG). Ein Konstrukt, unter dem die ehemaligen Abteilungen „Bauhof“, Tiefbauamt, Abwasser und Gebäudemanagement fallen. Die TBG verzeichneten im Jahr 2006 nach Angaben der Statistiker rund 20 Millionen Euro Miese, zehn Jahre später waren es demnach auf einmal nur noch rund neun Millionen Euro. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Denn die tatsächlichen Schulden des TBG betragen 26,8 Millionen Euro – und das sind mal eben schlappe 17,6 Millionen Euro mehr.

Kleiner Trost: Die Stadtverwaltung selber hat durchaus Schulden abgebaut. „Wir haben in den vergangenen Jahren planmäßig getilgt und keine neue Darlehen aufgenommen“, erklärte Kämmerer Matthias Bücker. Die Schulden hätten zwar immer noch einen recht hohen Stand. „Aber wir haben es geschafft, Schulden abzubauen.“

Doch: Das geht nicht so weiter. „Wir investieren viel Geld in die Schulen, und deshalb wird in den kommenden zwei Jahren der Schuldenstand wieder ansteigen.“ Ob es allerdings bei den zwei Jahren bleibt oder nicht auch drei oder mehr daraus werden, könne er auch noch nicht sagen.

Na ja: Ob der gemeine Grevener, ob jung oder alt, nun 2849 Euro Schulden hat – also städtische Schulden rein rechnerisch pro Einwohner – oder eben ein paar Euros mehr, das macht den Braten nun wirklich auch nicht mehr fett. Daran können auch fehlinformierte Statistiker nichts ändern.

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