Berufspendler mit Zug und E-Bike
Im Turbo-Gang den Berg hoch

Münsterland -

28,4 Kilometer. Das ist eine schöne Radstrecke. Unser Autor fährt sie täglich nach der Arbeit. Ganz leicht – denn er hat ein E-Bike.

Donnerstag, 03.08.2017, 12:08 Uhr

Berufspendler mit Zug und E-Bike : Im Turbo-Gang den Berg hoch
Radler Günter Benning fährt mit seinem E-Bike abends von Greven nach Ibbenbüren. Foto: Wilfried Gerharz

Alles fing mit einem Unfall an. Ein achtloser Senior war in meinen Zweitwagen gebrettert. Totalschaden. Der Restwert des Wagens war so niedrig, dass ich einen Entschluss fasste: Ich kaufe mir ein E-Bike.

Natürlich reicht das nicht, wenn man in Ibbenbüren wohnt und jahrelang in Münster arbeitet. Oder neuerdings in Greven. Gleichzeitig habe ich mir also ein Jobticket für den Zug besorgt. Statt am Steuer zu kleben, führte ich ein kombiniertes Pendlerleben: 50 Kilometer Zeitunglesen im Zug, 7,8 Kilometer E-biken ins Büro. Abends das Gleiche in umgekehrter Richtung. Das Bike schlief in der münsterischen Tiefgarage.

Neuerdings eine neue Variation: Morgens mit dem Zug nach Greven. Und abends zurück per Rad. 28,4 Kilometer sind das. Und jetzt wird die Sache interessant.

Von Greven nach Ibbenbüren: Pendeln mit dem E-Bike

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  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren. Der Kanal auf Saerbecker Gebiet.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren. Der Kanal auf Saerbecker Gebiet.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren. Felder in Hüttrup.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren. Felder in Hüttrup.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren. Der Kanal bei Dörenthe.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren. Erdbeerfeld.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren. Abgeernteter Acker.

    Foto: Günter Benning
  • Auf dem Nachhauseweg zwischen Greven und Ibbenbüren. Schotterstrecke auf dem Weg nach Brochterbeck.

    Foto: Günter Benning

Kein Stau beim Radfahren

Denn ich bin definitiv kein Sportler. Ich verstehe nicht, warum Menschen laufen, um Erster zu sein. Ich muss nicht rasen, um zu merken, dass ich lebe. Fitnessarmbänder halte ich für einen Schritt in die Gesundheitsdiktatur. Ich brauche einen guten Grund, um abzuhotten. Den hab ich, so wie einst im Film ET: Ich will nach Hause.

Und wieso ein E-Bike? Schaff ich es nicht ohne? Na klar, im Urlaub, 100 Kilometer am Tag auf dem 27-Gänge-Tourenrad. Kein Problem – aber dann sehe ich auch so aus. Das E-Bike macht meine zivilisierte Rückreise kalkulierbar. 28,4 Kilometer, das sind eine Stunde und 15 Minuten, wenn ich gut drauf bin. Und eine Stunde, 30 Minuten mit Gegenwind, schlechter Laune und Regen.

Staus gibt es beim Radfahrer nicht. Auf meinem Weg liegen drei Ampeln. Und wenn ich durch Hüttrup rase oder den Brochterbecker Niederort, hoppelt höchstens ein Hase voraus, ein Reh springt aus dem Mais oder der Habicht kreist über meinem Fahrradhelm. Autos sind rar. Andere Radler auch. Während ein paar Kilometer links von mir die Pkw mit 70 auf der B219 Schlange fahren, ist in der Karnickelheide total tote Hose.

Radeln ist gar nicht schlimm

Das Schöne ist, auch mit E-Bike muss man arbeiten. Je besser ich selber trete, desto weniger Zusatzstrom brauche ich. Also ist es Sport. Und das zweite Schöne: Ganz am Ende meiner Tour, wenn es den letzten Berg hochgeht, dann stelle ich einfach den Stromregler auf „Turbo“. Und mein kleiner Bosch schiebt mich die Höhe hoch wie ein treu sorgender Vater sein vierjähriges Kind auf einem Rädchen mit Stützrädern.

Positiv für das Selbstwertgefühl ist auch die Hochachtung, die man als Weitradler genießt. „Boah“, sagen die Kollegen, „so eine weite Strecke!“ „Ich glaub's nicht“, staunte meine Gattin neulich, als ich die 28,4 Kilometer durch ein pladderndes Sommergewitter fuhr. Soviel Lob erfährt, keiner, der sich eineinhalb Stunden lang unter die Dusche stellt.

Der Witz ist: Radeln ist gar nicht schlimm. Mit Strom tut es weniger weh. Und Regen ist nur Wasser. Das kommt, geht und trocknet. Auch im Münsterland.

Eins empfehle ich: Korrekte Radlerkleidung. Eine Buxe mit Gummipolster im Schritt, Regenjacke, -hose und -Gamaschen. Und einen Helm. Und machen Sie den Mund zu. Woran erkennt man glückliche Fahrradfahrer? An den Fliegen zwischen den Zähnen.

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