Bühne frei
Eine gar nicht so kleine Erfolgsstory

Ob dieses Projekt eine Chance hat? Viele Beobachter waren skeptisch, als vor sieben Jahren eine Handvoll Enthusiasten „Bühne frei“ gründeten. Doch es existiert immer noch – lebendiger denn je. Monika Gerharz sprach mit zwei „alten Hasen“ aus dem Organisationsteam.

Freitag, 04.08.2017, 18:08 Uhr

Ihr Theater: Die Stufen vor dem Südportal der Martinuskirche und das Pflaster davor sind ein ungeheuer passender Rahmen für das Projekt von Imme Joachimsmeyer und Dirk Rekau.
Ihr Theater: Die Stufen vor dem Südportal der Martinuskirche und das Pflaster davor sind ein ungeheuer passender Rahmen für das Projekt von Imme Joachimsmeyer und Dirk Rekau. Foto: meg

Frau Joachimsmeyer, Herr Rekau, Sie sind die Initiatoren von „Bühne frei“ von der ersten Stunde an . . .

Dirk Rekau: Ja, wir sind die letzten Mohikaner.

Imme Joachimsmeyer: Eigentlich bist Du der allerletzte Mohikaner. Ich bin erst etwas später dazu gekommen. Aber Scherz beiseite: Wir sind insgesamt fünf, die „Bühne frei“ organisieren. Und um gleich ein wenig Werbung zu machen: Wir wünschen uns durchaus noch Mitstreiter.

Was hat Sie vor gut sieben Jahren auf die Idee mit Bühne frei gebracht?

Rekau: Ich war seit fünf Jahren im Ruhestand, hatte mir eine Auszeit gegönnt und wollte wieder was Sinnvolles machen. Darum habe ich ein EFI-Orientierungs-Seminar besucht – wir sollten einfach mal rumspinnen und überlegen, wozu wir wirklich Lust hätten. Meine Idee war gewesen, einmal im Monat ein Jazzkonzert für Greven zu organisieren. Dann tauchte die Idee auf, den Markt zu beleben – und irgendwann waren wir bei „Bühne frei“.

Imme Joachimsmeyer: Unser Ziel war es, den Künstlern, die ja in der Regel alle keine Profis sind, eine Bühne zu bieten und sie den Grevenern bekannt zu machen. Am Anfang haben wir das so streng gesehen, dass nicht mal Künstler aus Saerbeck auftreten sollten. Das sehen wir jetzt lockerer. Aber noch immer treten unsere Künstler alle ohne Gage auf. Wir arbeiten komplett ehrenamtlich – und die auch.

Am Anfang muss es nicht leicht gewesen sein, die Künstler von Ihrem Konzept zu überzeugen . . .

Joachimsmeyer: Das stimmt! Ich war selbst skeptisch, ob wir genügend Interessenten finden würden, zumal mir persönlich die Akquise schwer fällt. Aber das ist in den vergangenen Jahren viel leichter geworden. Viele Künstler, die mal da waren, wollen wiederkommen, die Möglichkeiten, die wir bieten, sind unter den Amateurkünstlern bekannt. Das ist eine sehr schöne Sache.

Rekau: Sehr geholfen hat uns, dass wir von Anfang an breite Unterstützung hatten. Pastor Luhnemann hat uns das Südportal als Zuschauertribüne und das Haus der Begegnung als Umkleide zur Verfügung gestellt, die Firma Fernseh-Schröder hat bei der Veranstaltungstechnik geholfen, wir hatten großzügige Sponsoren. Und wir hatten von Anfang an eine Reihe von Künstlern, die uns sehr unterstützt haben – vom Reckenfelder Blasorchester über die Tanzbühne bis zu Uli Gehring und seinen Musikern. Seit wir beim Maifest mitwirken, ist die Künstlerakquise noch einfacher geworden. Dafür hatte es viele Interessenten gegeben, denn alle wussten, dass sie eine große Bühne haben würden. Und manche sind uns treu geblieben.

Wie ist denn das Feedback der Bevölkerung auf „Bühne frei“?

Joachimsmeyer: Am Anfang hat in meinem Umfeld niemand geglaubt, dass die Idee zündet.

Und Sie selbst?

Joachimsmeyer: Doch, ich war überzeugt davon. sonst kann man das nicht machen.

Und wie ist die Resonanz nun, nach sieben Jahren?

Rekau: Mittlerweile ist die Resonanz wirklich positiv und immer besser geworden. Wir haben im Sommer manchmal mehr als 60 Zuschauer, die sich das Programm von Anfang bis Ende anschauen. Besonders schön sind die Winterveranstaltungen im Kesselhaus, die wir seit 2014 machen. Die sind sehr familiär. Man kann dort auch andere Angebote machen als im Freien, das Verhältnis der Künstler zum Publikum ist enger – es ist eine gute Ergänzung für die Veranstaltung an der Südseite von St. Martinus.

Welches waren denn die absoluten Knüller in den vergangenen sieben Jahren?

Joachimsmeyer: Das sieht jeder anders, je nach Vorliebe.

Rekau: Für mich war ein besonderer Höhepunkt, als die Jugendgruppe der Abenteuerkiste mit ihren Masken bei uns war. Aber wir hatten so viele, viele andere Musiker, Sänger und Tänzer, die hervorragend angekommen sind – zuletzt Erhard und Freunde mit ihren Antikriegsliedern. Und eine besondere Augenweide ist natürlich immer Roschnika Mathivathanan, unsere kleine Tänzerin aus Sri Lanka und die Tänzerinnen von der Tanzbühne. Wichtig ist immer die Mischung.

Kann bei „Bühne frei“ jeder auftreten?

Rekau: Ja und nein. Die Vielfalt der künstlerischen Formen, die bei uns eine Bühne bekommen, ist enorm. Aber wir suchen im Vorfeld natürlich schon aus. Zum Beispiel achten wir darauf, dass wir Abwechslung bieten, dass die Mischung immer wieder ein wenig anders ist, natürlich auch, dass wir eine Qualität bieten. Das können wir mittlerweile ganz gut.

Sie sind nun beide seit einigen Jahren Rentner, Ihre Mitstreiter auch nicht grade im Teenie-Alter. Wie geht es mit „Bühne frei“ weiter?

Rekau: (zwinkert Imme Jaochimsmeyer zu): die zehn schaffen wir, oder?

Joachimmeyer: (zwinkert zurück). Aber wir hätten natürlich schon gern ein paar Jüngere – wobei Jüngere für uns bei 50plus anfängt.

Rekau: Wobei wir durchaus kein Seniorenclub sind, im Gegenteil Wir haben viel Kontakt zu jungen Leuten. Die Abenteuerkiste organisiert für unsere Wintertreffen das Frühstück. Das ist ein sehr nettes Verhältnis. Und unter den Künstlern sind natürlich ebenfalls viele junge Leute – beispielsweise Tom Hengelbrock und Sophie Deitmar mit ihren Popsongs.

Für Sie und Ihre Mitstreiter ist es mit einer ganzen Menge Arbeit verbunden, den Grevenern jeden Monat ein interessantes Samstagsvormittags-Programm zu bieten. Was ist der Spaß dabei?

Imme Joachimsmeyer: Es macht Spaß, dass man etwas bewegen kann, dass man viele Kontakte bekommt, das erweitert den Horizont. Außerdem finde ich das Spielerische toll, das mit der Kunst verbunden ist. Früher war ich Architektin, da ging es viel um rechte Winkel, um Exaktheit, um Genauigkeit. Darum ist dieses Ausprobieren von Möglichkeiten für mich besonders faszinierend.

Rekau: Für mich sind es besonders die Menschen. Ich liebe Menschen, und bei „Bühne frei“ trifft man sehr spannende Persönlichkeiten. Die meisten Künstler, die bei uns auftreten, betreiben ihre Kunst als Hobby, haben außerdem einen bürgerlichen Beruf. Es ist hochinteressant, welche Einblicke man bekommt. Und dass es uns nach mehr als sieben Jahren immer noch gibt, dass das Interesse zunimmt – das ist doch eine kleine Erfolgsstory, nicht wahr?

► Der nächste Auftritt von „Bühne frei“ ist am 9. September um 10.30 Uhr am Südportal der Martinuskirche (oberhalb der Rathausstraße). Dort werden seit neuestem übrigens auch Kaffee und Getränke serviert.

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