Serie: Angepackt
Helfen macht glücklich

Nordwalde/Greven -

Mittendrin statt nur dabei: In der Serie „Angepackt“ wechseln WN-Reporter die Seiten und machen mit. Detlef Held und Franzis Lammerding packten bei der Tafel mit an – und wissen jetzt wie schwer Kohlköpfe sind.

Dienstag, 15.08.2017, 08:08 Uhr

Serie: Angepackt : Helfen macht glücklich
Auch WN-Mitarbeiter Detlef Held packte mit an. Foto: Franzis Lammerding

„Schön dass sie da sind, wir brauchen heute jede helfende Hand“, begrüßt Tafelleiterin Ingrid Koling die WN-Reporter Detlef Held und Franzis Lammerding am Dienstagmorgen, einem der drei wöchentlichen Verkaufstage der Emsdetten-Grevener Tafel des Caritasverbandes.

Viel Zeit zum Klönschnack bleibt nicht, jetzt muss angepackt werden. Mit den vier männlichen Helfern – unter ihnen ein syrischer Asylbewerber – und sechs Frauen räumen wir die Kisten aus den Transportern. Sie bringen ausrangierte Waren von Märkten aus Greven, Nordwalde und Reckenfeld, die früh morgens eingesammelt werden. Sie sind gut verwertbar, noch haltbar, lediglich drei Prozent des Obsts und Gemüses sind nicht zum Verzehr geeignet. Zügig packen wir alles aus, denn im Halbstundentakt kommen drei weitere Ladungen. Was da kommt? Immer unterschiedlich. Heute gibt es Unmengen an Champignons und Radieschen, dafür wenig Fleisch. Das kann nächstes Mal schon wieder ganz anders sein. Dann wird sortiert: Brot zu Brot, Süßigkeiten zu Süßigkeiten – im Regal muss schließlich Ordnung herrschen. Dass das Ehrenamt auch gutes Muskeltraining ist, wissen wir spätestens, nachdem wir die Kisten mit den Kohlköpfen gestapelt haben. Doch damit nicht genug, jetzt muss der Kuchen portioniert werden, damit der Verkauf am Nachmittag von 14.30 bis 16 Uhr reibungslos über die Bühne gehen kann.

36 ehrenamtliche Helfer

„Wir haben aktuell 450 Berechtigungsausweise ausgestellt und versorgen damit über 1300 Menschen aus Greven und Nordwalde“, erklärt Koling in der Vorbereitungsphase. Aktuell gehören 36 ehrenamtliche Helfer zur Tafel, die dafür sorgen, dass die Ausgabe von Lebensmitteln, aber auch von Bekleidung und Haushaltswaren, an Bedürftige funktioniert. Das Engagement ist harte Arbeit auf überschaubarem Raum und ist mitunter richtig stressig, wie wir selbst erleben.

Langsam füllen sich die Regale hinter den langen Ausgabetischen. „Heute haben wir bestimmt genug für alle“, stellt eine der Helferinnen fest. „Das ist nicht immer so. Dann gibt es schon mal enttäuschte Gesichter.“

Jeder bekommt etwas

Zwischendurch kommen Bürger, die gebrauchte Kleidung, Spielzeug, manchmal auch Lebensmittelspenden bringen, weil sie in den Urlaub fahren. Ingrid Koling, seit der Gründung 2005 Leiterin der Ausgabestelle in Greven, nimmt immer auf Besonderheiten Rücksicht. Die Rentnerin kontrolliert am Eingang die Berechtigungsausweise. Jeder, der etwas benötigt, soll etwas bekommen – manchmal auch außerhalb der Öffnungszeiten. „Es gibt immer eine Lösung, ohne an den Grundsätzen zu rütteln“, sagt sie.

20 Minuten vor der Öffnung bildet sich eine lange Schlange. Damit nicht alle auf einmal kommen, sind die Berechtigungsausweise farblich gekennzeichnet. Die Kennung berechtigt den Einkauf an bestimmten Öffnungstagen und Uhrzeiten. Die Einkaufszeiten wechseln. Das ist nur gerecht, denn das Angebot ist zu Beginn der Öffnungszeit reichhaltiger als am Ende.

Einen Tag bei der Tafel

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  • Gut gefüllt mit Lebensmitteln waren die Regale der Tafel.

    Foto: Franzis Lammerding
  • Vier vollgepackte Transporter mussten ausgeladen werden.

    Foto: Detlef Held
  • Anpacken war angesagt, auch für WN-Reporter Detlef Held.

    Foto: Franzis Lammerding
  • Besonders Obstspenden wurden kontrolliert.

    Foto: Franzis Lammerding
  • Nicht alle Waren waren verwertbar.

    Foto: Franzis lkammerding
  • Tafel-Leiterin Ingrid Koling erklärt den Einkaufsplan.

    Foto: nn
  • Den Kraftfahrer gönnte man eine Kaffeepause.

    Foto: Franzis Lammerding
  • Sortieren gehört dazu.

    Foto: Franzis Lammerding
  • Serie:Angepackt Foto: Franzis Lammerding
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  • Serie:Angepackt Foto: Franzis lkammerding
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115 Berechtigte kommen in den eineinhalb Stunden. Unter ihnen Maria, die wie alle anderen zwei Euro für den Einkauf zahlen muss und damit zwei Körbe füllen kann. Die Afghanin lebt seit fünf Jahren in Nordwalde, ist verheiratet und hat sechs Kinder. Ihr Ehemann ist in Rheine beschäftigt. Dennoch kommt sie zwei Mal pro Woche nach Greven, denn ihre Familie ist auf die Hilfe angewiesen. Kein Einzelfall.

Plötzlich sind Fremdsprachenkenntnisse gefragt. Ingrid Kölling kennt das schon, hat sogar eine Arabisch-App auf dem Handy. Doch der Mann ist Russe und braucht ein Fahrrad. Kein Problem, eine Mitarbeiterin hat russische Wurzeln, dem Mann kann geholfen werden.

Um 16 Uhr ist alles verkauft. 400 Menschen haben wir heute unterstützt. Bei uns stellt sich ein Gefühl tiefer Zufriedenheit ein. Helfen macht eben glücklich.

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Wenn Sie möchten, dass wir in Ihrem Betrieb oder bei Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit mit anpacken, schicken Sie uns eine E-Mail an die redaktion.bor@wn.de.

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