Eigenverwaltungsverfahren
AT-Abfüllbetrieb in der Krise

Reckenfeld -

Der AT Abfüllbetrieb – ehemals Luhns – ist wieder in der Krise. Doch anscheinend gibt es gute Chancen, dass sich das Unternehmen am eigenen Schopf aus der Misere zieht.

Dienstag, 05.09.2017, 15:09 Uhr

Experten für Wasch- und Putzmittel: Die Thurn Produkte GmbH mit Hauptsitz in Neunkirchen-Seelscheid ist vor etwa zwei Jahren in das ehemalige Luhnswerk in Reckenfeld eingestiegen. Beide Firmen haben jetzt Schwierigkeiten.
Experten für Wasch- und Putzmittel: Die Thurn Produkte GmbH mit Hauptsitz in Neunkirchen-Seelscheid ist vor etwa zwei Jahren in das ehemalige Luhnswerk in Reckenfeld eingestiegen. Beide Firmen haben jetzt Schwierigkeiten. Foto: privat

Die Hoffnung der Luhns-Belegschaft war groß, als das Werk unter dem Dach der Thurn Produkte GmbH zum AT Abfüllbetrieb wurde: Endlich ein seriöses Familienunternehmen aus dem Sauerland nach zwei Insolvenzen, von denen eine sogar kriminelle Züge hatte. Doch es ist anders gekommen: Die Thurn Produkte GmbH und die AT Abfüllbetrieb Greven GmbH sind beide insolvent.

Allerdings gibt es einen Lichtblick: Die Firmen stehen offenbar immer noch so gut da, dass sie die Chance bekommen haben, sich am eigenen Schopf aus dem Problemsumpf zu ziehen. Eigenverwaltungsverfahren nennen das die Rechtsexperten. Den entsprechenden Anträgen der Geschäftsführung hat das Amtsgericht Bonn zugestimmt. „Mit der Eigenverwaltung verfolgen wir das Ziel, die beiden Unternehmen fortzuführen und nachhaltig zu sanieren sowie die Arbeitsplätze zu erhalten. Deshalb laufen der Geschäftsbetrieb und die Produktion weiter wie bisher“, wird Geschäftsführer Adolf Günter Thurn in einer Pressemitteilung des Unternehmens zitiert.

Hintergrund der Schwierigkeiten, so das Unternehmen, sei der Umstand, dass sich geplante Optimierungsmaßnahmen verzögert hätten und dadurch die erhoffte Kostenreduzierung ausgeblieben sei. „Ebenso bleibt die Rentabilität des Produktionswerkes in Greven hinter den Erwartungen zurück“, heißt es in der Mitteilung. Man hoffe nun, durch „Prozessoptimierungen“, Kostenreduzierungen und durch Investitionen in innovative Produkte und neue Vertriebswege die Lage zu verbessern. Dabei setzt die Firma besonders auf ihre Forschung: „Die Gruppe erzielt überdurchschnittliche Erfolge in der Forschung und Entwicklung und landet bei vielen Produkttests regelmäßig auf den vorderen Plätzen“, wird Adolf Günter Thurn zitiert. „Daran wollen wir auch in der Eigenverwaltung anknüpfen.“

Die Reckenfelder Belegschaft – derzeit um die 130 Mitarbeiter plus eine beträchtliche Zahl an Leiharbeitern – erfuhr erst am Montag von den Schwierigkeiten ihres Betriebs. Dort wurde ihnen, so schreibt das Unternehmen, mitgeteilt, dass die Arbeitsagentur für die nächsten drei Monate die Löhne bezahle. „Danach übernehmen die Unternehmen wieder die Zahlungen an die Mitarbeiter. Ein Arbeitsplatzabbau ist derzeit nicht geplant“, heißt es dazu in der Pressemitteilung.

„Wir wissen noch viel zu wenig, um schon etwas sagen zu können“, hielt sich Flaviano Cairo vom Betriebsrat am Dienstag mit einer Bewertung der Aussichten auf ein gutes Ende des Verfahrens zurück. Für die Kollegen jedenfalls sei es eine riesige Belastung, nun zum dritten Mal binnen dreier Jahre mit einer Insolvenz konfrontiert zu sein. Der Betriebsrat selbst habe erst unmittelbar vor der Belegschaftsversammlung erfahren, dass es um eine Insolvenz geht. „Damit hat keiner gerechnet“, so Cairo. Zwar habe es Signale gegeben, dass nicht alles zum Besten stehe. Die Belegschaft habe am Limit gearbeitet, trotzdem seien keine neuen Kollegen eingestellt worden. Auch sei der Betriebsrat häufig vertröstet worden, wenn er Fragen zur Lage des Unternehmens gestellt habe. Aber die Handelspartner hätten, anders als bei anderen Insolvenz-Verfahren üblich, eigentlich immer geliefert. Cairo: „Rohstoffe waren eigentlich immer da.“

Zum Thema

Die ausführliche Stellungnahme der Thurn Produkte GmbH, zu der der AT Abfüllbetrieb Greven gehört, kann unter www.wn.de/greven nachgelesen werden.

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