Erststimmen statt Wahlenthaltung
Wahltipp für Politikgefrustete

Greven -

Der Grevener Wilfried Rehfeld ist ein politischer Mensch. Aber er versteht es gut, wenn Bürger parteiverdrossen sind. Sein Tipp für die Wahl: Bei den Parteien kein Kreuzchen machen, nur einem Wahlkreis-Kandidaten die Erststimme geben – und ihm vor und nach der Wahl gehörig auf die Füße treten.

Donnerstag, 07.09.2017, 19:09 Uhr

Lieber nur die Erststimme abgeben als überhaupt nicht zur Wahl gehen: Wilfried Rehfeld ermuntert Bürger dazu, den Wahlkreiskandidaten auf die Füße zu treten.
Lieber nur die Erststimme abgeben als überhaupt nicht zur Wahl gehen: Wilfried Rehfeld ermuntert Bürger dazu, den Wahlkreiskandidaten auf die Füße zu treten. Foto: Monika Gerharz

Wilfried Rehfeld ist ein politischer Mensch – eigentlich. Sein Leben lang war er Gewerkschafter, Leiter des Bildungswerks Dialog der GEW . Aber er ist unzufrieden mit dem Politikbetrieb, sehr unzufrieden. „Da werden Versprechungen gemacht – und nach der Wahl ist alles schnell vergessen“, klagt er und verweist insbesondere auf sein Leib- und Magen-Thema Bildung. „Seit Jahrzehnten reden alle davon, dass Bildung die Goldreserve der Nation sei. Aber wenn es um Weiterbildung geht, muss es immer noch der Einzelne bezahlen.“

Also Boykott der Wahl, Rückzug ins Private, weil „die da oben“ sowieso machen, was sie wollen? Im Gegenteil. Der Grevener ruft parteiverdrossene Mitbürger dazu auf, wenigstens ihre Erststimme abzugeben, mit der der Direktkandidat eines Wahlkreises gewählt wird, „Das geht“, versichert er, und Wolfgang Jung von der städtischen Pressestelle bestätigt: „Wähler können auf dem Stimmzettel nur Erst- oder auch nur Zweitstimme vergeben und die Stimmabgabe ist trotzdem gültig, sofern auf dem Stimmzettel ansonsten keine Veränderungen gemacht werden.“

Der Sinn dieser Maßnahme für Rehfeld: „So verplempern die vielen Menschen, die mit allen Parteien unzufrieden sind und darum eigentlich gar nicht wählen wollen, ihr Stimmrecht nicht komplett.“ Er empfiehlt, die Wahlkreiskandidaten persönlich zu befragen. Jener, der mit den eigenen Ansichten und Zielen am besten übereinstimmt, bekommt die Erststimme – aber nicht als Blankoscheck. „Man sollte den Kandidaten sagen: ,Ich werde Ihnen nach der Wahl immer wieder auf die Füße treten‘ – und dies auch tun“, empfiehlt Rehfeld. „So kann man durch die Nähe zu den Wahlkreiskandidaten politischen Einfluss nehmen.“ Er hofft, dass sich dadurch das Verhältnis zwischen Bürger und Politik ändert. „Ich wünsche mir, dass die Bürger nicht diesen Untertanenblick auf die Politik haben, sondern sich als Gesprächspartner auf Augenhöhe verstehen.“

Rehfeld will mit seiner „Erststimmenkampagne“ übrigens nicht für einen bestimmten Kandidaten werben, er will nicht einmal seinen Favoriten nennen. „Es geht mir darum, die demokratische Beteiligung zu stärken und gegen den Frust über die Politik anzugehen.“ Er selbst, obwohl verärgert über die Parteien, wird am 24. September übrigens wahrscheinlich doch zwei Stimmen abgeben. „Wer an Mehrheiten schrauben will, der muss natürlich beide Stimmen einsetzen.“

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